Hilferuf

Bergedorfs Clubs drei Stunden in rotes Licht getaucht

Gruppenfoto für die „Night of Light“ vor der Lola (v. li.): Sana Yilmaz, Karen Sierks, Peri Arndt und Torben Blume (alle Kulturhaus Serrahn 1), Peter Offergeld (Theater Haus im Park), Ludger Skibowski (Sound Yard), Koordinator Sven van der Maer, Ursel Arova (Café Chrysander), Silke Papke (Klangbar), Andreas Laitenberger (Lola Bar) und Rainer Huhs (Club am Donnerstag).

Gruppenfoto für die „Night of Light“ vor der Lola (v. li.): Sana Yilmaz, Karen Sierks, Peri Arndt und Torben Blume (alle Kulturhaus Serrahn 1), Peter Offergeld (Theater Haus im Park), Ludger Skibowski (Sound Yard), Koordinator Sven van der Maer, Ursel Arova (Café Chrysander), Silke Papke (Klangbar), Andreas Laitenberger (Lola Bar) und Rainer Huhs (Club am Donnerstag).

Foto: Ulf-Peter Busse

Ab 22 Uhr senden Lola, Klangbar, White Cube und das Theater Haus im Park „Alarmsignal Rot“ – als Zeichen ihrer Existenzsorgen.

Bergedorf. Die Lola wird Montag ab 22 Uhr für drei Stunden in rotem Licht erstrahlen. Ebenso das Theater Haus im Park, das Kulturhaus Serrahn 1, die Klangbar im Suhrhof, das Café Chrysander oder das alte Fabrikgebäude an der Kurt-A.-Körber-Chaussee, in dem die Clubs White Cube und Happy Billard zuhause sind. Insgesamt zehn Bergedorfer Orte der Kultur sind bei der bundesweiten Aktion „Night of Light“ dabei, um das drohende Aussterben der Kulturbranche durch die schon wieder verlängerten Zwangsschließungen wegen der Corona-Schutzmaßnahmen sichtbar zu machen.

Einnahmen seit März völlig weggebrochen

„Bergedorf hat eine sehr lebendige Szene. Aber ihr sind seit dem 11. März Live-Auftritte vor Publikum in den Clubs verboten“, sagt der hiesige „Night of Light“-Organisator Sven van der Maer. „Von einem auf den anderen Tag sind die Einnahmen völlig weggebrochen.“ Das treffe vor allem für die Künstler selbst. Aber auch die Veranstaltungsorte könnten sich mit Catering oder anderen Ideen kaum über Wasser halten. „Wie lange das noch so bleibt, ist völlig offen“, blickt der Musiker („Lieder Lotto“) mit großer Sorge auf die befürchtete Verlängerung des Verbots größerer Veranstaltungen bis zum Jahresende.

Theatersaison im Haus im Park akut gefährdet

„Im Theater Haus im Park ist mittlerweile die Theatersaison akut gefährdet“, sagt Gastspielmanager Peter Offergeld. „Wir warten auf klare und verlässliche Aussagen der Politik, bevor wir Verträge für die eigentlich im September startende Spielzeit machen. Erst dann kann der Kartenverkauf starten. So lange erhalten die Künstler leider auch keinen einzigen Cent Gage.“

Geld der Corona-Soforthilfen ist aufgebraucht

Ebbe in der Kasse herrscht auch im Kulturhaus Serrahn 1 am Bergedorfer Hafen: „Die ersten Monate der Schließung haben wir überlebt, weil die Corona-Soforthilfen im März und April sehr schnell geflossen sind“, sagt Karen Sierks vom Trägerverein. „Aber nun sind sie aufgebraucht, und es ist nicht absehbar, wie es weitergeht.“ Weil auch die wichtigen Familienfeiern als Finanzquelle ausfielen, brauchten die Clubs dringend neue Hilfen.

Clubs rutschen im Ranking der sozialen Netzwerke ab

Sorgen macht sich auch der Club am Donnerstag, der viele der Konzerte im Happy Billard veranstaltet. „Wir haben zwar Glück, dass nur Kosten auflaufen, wenn wir Auftritte haben. Aber ohne sie fehlen die Einträge in den sozialen Netzwerken, was uns in deren Ranking abrutschen lässt und letztlich das Netzwerk unserer Unterstützer und Gäste zerstört“, beschreibt Rainer Huhs vom Vereinsvorstand.

Klangbar hofft auf neue Open-Air-Bühne

Silke Papke von der Klangbar im Suhrhof setzt auf die gerade eingeweihte Open-Air-Bühne. „Ein kleiner Schritt in Richtung Konzert-Atmosphäre. Aber wir dürfen maximal 50 Gäste haben, die nur sitzen dürfen.“

„Sehr zerbrechliche Strukturen“

Für Sven van der Maer steht angesichts solcher Rahmenbedingungen mittlerweile Bergedorfs gesamter Kulturbetrieb auf dem Spiel, gebe es doch kaum staatliche Förderung: „Sind Clubs und Künstler erstmal weg, weil sie andere Jobs machen, um zu überleben, wird so schnell nichts nachkommen. Es sind sehr zerbrechliche Strukturen.“

Bezirk könnte mehr tun

Sorgen macht ihm, dass selbst die wenigen Unterstützungsmöglichkeiten des Bezirks derzeit wanken: Bereits ausgeschüttete Kulturmittel werden zurückgefordert, weil die bezuschussten Veranstaltungen ausfallen. Dass die Organisatoren dennoch Ausgaben hatten, falle dabei unter den Tisch. „Zudem wird noch immer darum gerungen, ob öffentliche Außenflächen für Kultur kostenfrei zur Verfügung gestellt werden können.“