Nach Shutdown

Bergedorfs Gastronomie kämpft ums Überleben

Außenplätze wie hier beim Café Greco sind derzeit besonders belíebt.

Außenplätze wie hier beim Café Greco sind derzeit besonders belíebt.

Foto: Thomas Voigt

Mehr als fünf Wochen nach der coronabedingten Betriebspause haben sich Restaurants und Gaststätten vom Shutdown noch nicht erholt.

Bergedorf. Vom 22. März bis zum 13. Mai durften in ganz Hamburg keine Gäste empfangen, Essen nur außer Haus verkauft werden. Besonders schlecht dran sind auch heute noch Lokale mit wenig Außenplätzen. „Die Gäste sitzen nur ganz ungern drinnen“, sagt Bujar Gerguri, Betreiber des Café Greco vor St. Petri und Pauli. „Vor der Kirche haben wir durch die Abstandsauflagen jetzt zwölf Tische weniger.“ Bei gutem Wetter liegt sein Umsatz bei 70 Prozent von früher, bei Regen sind es 30 Prozent.

Hoffen auf ein Wunder

Davon kann M. Tariq vom Italiener La Puglia nur träumen: „Ich darf nur am Wochenende und montags draußen Tische aufstellen, habe mehr als 60 Prozent Einbuße.“ Er hofft auf ein kleines Wunder bis zum Jahresende. Beim Lavastein beklagt Kellner Artur Krasniki, dass die Feuerwehr aus Sicherheitsgründen letzte Woche weitere sechs Außentische hat verschwinden lassen: „Früher habe ich fünf Tage die Woche acht Stunden Arbeit gehabt, jetzt noch vier Tage vier Stunden.“

Block House hat andere Sorgen als Bergedorf

„Wir sind zwar mit der Entwicklung im Block House Bergedorf zufrieden, aber insgesamt läuft die Gastronomie in Hamburg nicht gut“, sagt Stephan von Bülow, Chef der Block Gruppe. Am Standort Bergedorf lag der Umsatz zu Beginn der Wiedereröffnung bei 50 Prozent gegenüber vor Corona und hat sich nun auf 70 Prozent gesteigert. Das sei auch dem Einbau von Glasscheiben zwischen den Tischen zu verdanken, sodass weniger Tische frei bleiben müssen.

„Viel mehr Probleme haben wir an unseren Hamburger Premium-Standorten Hauptbahnhof, Gänsemarkt und Jungfernstieg“, ergänzt Markus Gutendorff, Direktor Restaurantbetriebe bei Block House. „Dort bleiben die Touristen und City-Shopper weg, ins Bergedorfer Haus kommen traditionell die Bergedorfer und Vierländer.“ Die große Mehrheit der Gäste kann sich nach Angaben der beiden Chefs mit den Corona-Regularien gut arrangieren. „nur einige wenige regieren genervt, weil wir ihre Namen und Kontaktdaten notieren müssen“, sagt Gutendorff.

Staatliche Hilfe nur unter 250 Mitarbeitern

Um den Umsatzausfall zu stemmen, musste die Kette einen Kredit aufnehmen. „Wir haben ja als Unternehmen mit mehr als 250 Mitarbeitern keinen Cent staatliche Zuwendungen erhalten“, sagt von Bülow. Von der einjährigen Mehrwertsteuer-Absenkung auf Speisen von 19 auf sieben Prozent ab 1. Juli erhofft er sich einen weiteren Umsatzschub, hofft außerdem auf Verlängerung auf fünf Jahre: „So lange läuft ja auch unser Kredit.“

Im April drei Viertel Einbruch

Auch vom Dehoga-Bundesverband kommt Kritik an der 250-Mitarbeiter-Regelung: „Nicht die Größe, sondern der Grad der Betroffenheit sollte bei den Hilfen berücksichtigt sein“, fordert Präsident Guido Zöllick, nach dessen Worten der Shutdown den Umsatz der Gastronomie im April um mehr als drei Viertel hat einbrechen lassen.

Abstandsregeln gelten auch draußen

„Wir brauchen in Bergedorf dringend mehr Außenfläche für die Gastronomie“, sagt auch Levant Arova, der in der Sachsentor-Passage das „Café Le Petite Rue“, in der Alten Holstenstraße das kleine „Café Le Bouquet“ und außerdem die Gastronomie im Bergedorfer Schloss betreibt. Doch stattdessen gibt es jetzt nach dem für jedes Lokal noch weniger Außentische als früher. Denn die Corona-Abstandsregeln, nach denen Restaurant-Tische wegen der Ansteckungsgefahr weiter auseinander stehen müssen als bisher, gelten auch im Außenbereich der Gaststätten.

Zu wenig Platz für mehr Außentische

Mit seinem „Le Bouquet“ an der Ecke Serrahnstraße ist Arova nun doppelt schlecht dran. Die wenigen Außentische, die er aufstellen kann, sind zudem durch Lärm und Absperrungen der Woolworth-Baustelle in der Serrahnstraße nicht wirklich gemütlich. „Ich habe da 70 Prozent Umsatzeinbußen, zum Glück bleibt eine Reihe Stammkunden treu“, sagt Arova. Auch im Schlosshof läuft es nicht besser – trotz der beschatteten Außenplätze. „Seit Corona gehen viel weniger Leute ins Museum“, sagt der Gastronom. „Daher kommen sie auch nicht zu mir.“ Das Schloss-Café hat er nur noch Freitag bis Sonntag von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Einzig in seinem Hauptgeschäft „Le Petite Rue“ läuft es noch leidlich gut, und dort könnte Arova mehr Außenfläche gebrauchen. Aber: In dem Durchgang zwischen Sachsentor und Bergedorfer Schlossstraße sind die Möglichkeiten ausgereizt.

Steakteller auf dem Parkplatz

Dieses Problem gibt es häufiger in Bergedorf. Das Block House gegenüber St. Petri und Pauli konnte die Möglichkeit nutzen, mehr Tische auf seinem rückwärtigen Parkplatz an der Vierlandenstraße aufzustellen. Doch das ist eher eine Ausnahme. Ein seit Anfang Juni geltendes Angebot des Senats nahm bisher nur ein Betrieb in Bergedorf an: Gaststätten können bei den Bezirken mehr Außenfläche beantragen, die dann fälligen zusätzlichen Gebühren spendiert die Stadt Hamburg. Das Unternehmen stellte beim Bezirksamt entsprechende Anträge für seine Standorte an der Bergedorfer Straße und an der Alten Holstenstraße in Lohbrügge. Der Antrag für Bergedorf wurde genehmigt, der in Lohbrügge mangels Rettungswegen abgelehnt.