Bergedorf

Karstadt-Aus im Oktober - So soll es weitergehen

Bergedorfs Karstadt-Filiale, hier das Haus im Sachsentor, soll Ende Oktober schließen.

Bergedorfs Karstadt-Filiale, hier das Haus im Sachsentor, soll Ende Oktober schließen.

Foto: Ulf-Peter Busse

In Bergedorf sind 60 Karstadt-Mitarbeiter betroffen. Doch die Schließung trifft die ganze Innenstadt. Politik und WSB reagieren.

Bergedorf. Es ist ein schmerzhafter Tiefschlag für das Sachsentor: Karstadt wird seine beiden Bergedorfer Häuser zum 31. Oktober schließen. Eine Entscheidung, die die 60 Mitarbeiter am Freitag völlig unvorbereitet traf. „Es flossen Tränen ohne Ende“, sagt Betriebsratschef Gerhard Stachan.

Geschockt ist die Belegschaft, weil Karstadt-Bergedorf schwarze Zahlen schreibt. „Aber wohl nicht schwarz genug“, kommentiert Stachan die Entscheidung der Konzernspitze, die Filialgeschäftsführer André Hohmann um 14 Uhr bei einer Betriebsversammlung in der Cafeteria verkündete.

Betriebsrat: Wenig Perspektiven für die Karstadt-Mitarbeiter

„Viele Kollegen sind 40 Jahre oder länger im Unternehmen. Es trifft viele Alleinerziehende in Teilzeit, und in etlichen Fällen auch beide Ehepartner. Alle stehen vor einer ungewissen Zukunft, denn in andere Häuser wechseln wird kaum einer. Dafür gibt es mit dem Aus für Karstadt in Wandsbek und Kaufhof im AEZ und an der Mönckebergstraße zu viele Schließungen“, so Stachan.

Unklar sei sogar, ob zumindest der Wechsel in die angekündigte Transfergesellschaft klappt. Stachan:„Schlimmstenfalls werden Kollegen mit 1,5 Monatsgehältern Abfindung nach Hause geschickt. Und das, obwohl wir uns seit 2004 mit Gehaltsverzicht für den Fortbestand des Konzerns und unseres Hauses engagieren.“

SPD: Kann den Tod für das ganze Sachsentor bedeuten

Die Schockwellen breiten sich auch in der Politik aus: „Wenn wir nicht aufpassen, kann das Ende von Karstadt den Tod für das ganze Sachsentor bedeuten“, sagt Christel Oldenburg, SPD-Bürgerschaftsabgeordnete und Historikerin, die sich mit der Entwicklung des Bergedorfer Zentrums seit den 60er-Jahren beschäftigt hat. „Jetzt braucht es eine Stadtentwicklung, die das Leben im Sachsentor hält und die alle Akteure mittragen.“ Der Kontakt zu Wirtschaftssenator Westhagemann sei schon aufgenommen.

Auch Dennis Gladiator (CDU) fordert „trotz der Dramen für das Karstadt-Team den Blick nach vorn. Es darf keinen langen Leerstand geben. Hoffentlich wacht das Bezirksamt jetzt endlich auf und kümmert sich um ein Zukunftskonzept für Bergedorfs Innenstadt.“

Bergedorfs WSB will Akteure an einen Tisch bringen

Um viele Akteure an einen Tisch zu bringen, steht der Wirtschaftsverband WSB breit: „Bergedorf braucht jetzt konkrete Konzepte und keine windigen Spekulationen“, bringt sich WSB-Geschäftsführer Marc Wilken als Organisator ins Gespräch. Grundeigentümerin Elke Kurkowski (Douglas, Gerry Weber) mahnt zu Pragmatismus: „Gesucht wird ein Investor, der bereit ist, Bergedorf zu retten.“

Den hat auch Bezirksamtsleiter Arne Dornquast im Blick: „Jetzt wird es darum gehen, mit kommenden Interessenten für die Immobilien zu tragfähigen Konzepten zu kommen. Das Bezirksamt – mich ausdrücklich eingeschlossen – steht hierfür jederzeit bereit.“

Projektentwickler: Beide Häuser durch Neubauten ersetzen

Wohin die Reise gehen kann, zeigt Projektentwickler Karl-Dieter Broks auf: „Beide Karstadt-Häuser sollten durch Neubauten ersetzt werden. Das kleine könnte ab dem ersten Stock Parkhaus sein, das große neben Wohnungen Geschäfte beherbergen, die teils über zwei Etagen reichen.“