Einzelhandel

Aus für Bergedorfs Karstadt-Häuser beschlossen

Vor der Schließung: Das Karstadt-Haupthaus am Sachsentor.

Vor der Schließung: Das Karstadt-Haupthaus am Sachsentor.

Foto: Carsten Neff / NEWS & ART

Tränen und wütende Enttäuschung bei der Karstadt-Betriebsversammlung in Bergedorf. Hier sind 60 Mitarbeiter betroffen.

Bergedorf.  Es war befürchtet worden... Nun wird bekannt, dass die Warenhauskette Galeria Karstadt Kaufhof mehr als ein Drittel seiner 172 Filialen schließen will - darunter ist auch Karstadt in Bergedorf, das mit seinen beiden Häusern als eine Filiale gilt. Von bislang sieben Kaufhäusern in Hamburg sollen nur drei erhalten werden. Konkret sind das: das Karstadt-Haus in der Mönckebergstraße sowie die Filialen in Eimsbüttel und Harburg.

In Hamburg sollen damit neben Karstadt-Bergedorf auch das Kaufhaus in Wandsbek sowie die beiden früheren Kaufhof-Standorte in der Mönckebergstraße und im Alstertal Einkaufszentrum geschlossen werden. Betroffen sind insgesamt 450 Mitarbeiter.

Tränen bei Karstadt-Betriebsversammlung in Bergedorf

In einer Telefonkonferenz hatte die Geschäftsführung des Warenhaus-Konzerns Filialleiter und Betriebsräte über die Pläne informiert. Insgesamt sollen 62 der bundesweit 172 Warenhäuser geschlossen werden. 6000 Beschäftigte sind betroffen. Die Schließungspläne sind Teil einer Einigung auf einen Sanierungstarifvertrag zwischen Management, Betriebsrat und Gewerkschaft Ver.di. Für die Betroffenen solle es einen Sozialplan geben.

In Bergedorf wurden die etwa 60 Mitarbeiter bei einer Betriebsversammlung um 14 Uhr in der Cafeteria über die geplante Schließung informiert. Nach Berichten von Teilnehmern gab es Tränen und wütende Enttäuschung. Die Filiale schreibe noch immer schwarze Zahlen, hieß es. Bis zuletzt habe man daher gehofft, nicht von der Schließungswelle getroffen zu werden.

In Schleswig-Holstein bleibt nur Karstadt in Kiel

Auch die Häuser in Schleswig-Holstein sind betroffen. Laut Ver.di hat der Konzern entschieden, mit Ausnahme des Standorts Kiel vermutlich alle Häuser im Land zu schließen. Betroffen wären dann die Standorte Lübeck, Neumünster, Norderstedt und Flensburg mit zusammen 280 Beschäftigten.

Verdi sprach von einem Kahlschlag. „Das ist eine ganz bittere Botschaft für die Beschäftigten im Karstadt-Traditionsland Schleswig-Holstein“, sagte Verdi-Handelsexperte Matthias Baumgart der Nachrichtenagentur dpa. „Wenn die Informationen stimmen, zahlen wieder mal die Beschäftigten der betroffenen Filialen die Zeche für die Fehler des obersten Managements und die Ignoranz der Unternehmensführung, was Vorschläge von Betriebsräten und Beschäftigten angeht.“

WSB: Karstadt hat herausragende Bedeutung für Bergedorfs City

Anfang Juni waren bereits Sorgen laut geworden, die Bergedorfer Karstadt-Häuser könnten von den Schließungsplänen betroffen werden. „Karstadt hat eine herausragende Bedeutung für die Frequenz und das Sortiment unserer gesamten City“, sagte Marc Wilken, Geschäftsführer des Bergedorfer Wirtschaftsverbands WSB, damals. „Vor zehn Jahren haben wir schon mal intensiv mit ganz Bergedorf zusammen für den Erhalt gekämpft“, erinnert er an die damalige Schließungswelle, die mit Unterschriften-Aktionen, Shopping-Events und nicht zuletzt den grundsoliden wirtschaftlichen Zahlen der beiden Häuser für Bergedorf abgewendet wurde.

Konzept für Zukunft der Bergedorfer Einkaufsmeile gefordert

In den beiden Bergedorfer Karstadt Häuser im Sachsentor und am Bergedorfer Markt arbeiten rund 60 Menschen. Sie gelten als wichtige Frequenzbringer für die Bergedorfer Fußgängerzone. Aus Kreisen der Bergedorfer Wirtschaft wird nun ein runder Tisch gefordert, um ein Konzept für die Zukunft der Einkaufsmeile in der Innenstadt zu entwickeln.

Die Geschäftsführung nannte die Schließungen unvermeidbar. Sie fällt etwas geringer aus, als zunächst befürchtet. Ursprünglich hatte der Konzern angekündigt, bis zu 80 Standorte zu schließen. „Wir wissen, was dies für die betroffenen Mitarbeiter bedeutet. Aber dieser Schritt ist ohne Alternative, weil diese Filialen den Gesamtbestand des Unternehmens gefährden“, sagte der Generalbevollmächtigte Arndt Geiwitz. Letztlich gehe es darum, das Unternehmen und damit viele Tausend Arbeitsplätze zu sichern.