Rascher Fahndungserfolg

Festnahmen nach Schüssen in Bergedorf-West

Schwer bewaffnete Beamter kontrollieren den Rettungswagen, in dem der 22-Jährige versorgt wird.

Schwer bewaffnete Beamter kontrollieren den Rettungswagen, in dem der 22-Jährige versorgt wird.

Foto: Foto / BGZ

War es ein Streit im Drogenmilieu? 22-Jähriger wurde an der Bushaltestelle attackiert. Sonntagabend gab es dann zwei Festnahmen.

Bergedorf-West.  Dramatische Ereignisse am Pfingstwochenende in Bergedorf-West: Sonnabend gegen 18.30 Uhr ist am Friedrich-Frank-Bogen in Höhe der Bushaltestelle Fockenweide ein 22-Jähriger von vermummten Männern mit Schüssen niedergestreckt worden – womöglich ein Streit im Drogenmilieu. Auch eine unbeteiligte 14-Jährige wurde verletzt. Sonntagabend dann der schnelle Fahndungserfolg der Polizei: Spezialkräfte nahmen in einem Hotel an der Spaldingstraße zwei Tatverdächtige fest.

Schüsse neben einem Spielplatz

Einige Passanten waren am Sonnabend Zeuge der Ereignisse geworden. Der Tatort ist nur durch eine Hecke von einem Spielplatz getrennt, auf dessen Schaukel zum Tatzeitpunkt Kinder spielten.

Laut Polizei wollte das spätere Opfer, ein 22-jähriger Hamburger ägyptischer Abstammung, an der Haltestelle Fockenweide in den Bus einsteigen. Er war von drei maskierten Männern auf seinem Weg verfolgt worden. An der Bushaltestelle holten sie auf und schlugen unvermittelt auf ihn ein, sprühten Reizgas auf ihn. Dadurch wurde auch die unbeteiligte 14-Jährige verletzt: Sie hatte Reizgas abbekommen, stand sichtlich unter Schock.

Getroffen in Oberschenkel und Gesäß

Die Situation eskalierte: Aus der Gruppe der drei Männer wurde mit einer Pistole auf den 22-Jährigen geschossen. Das Opfer wurde in den Oberschenkeln und am Gesäß getroffen – Lebensgefahr besteht laut Polizei nicht. Nach den Schüssen flüchteten die Verdächtigen zu Fuß in Richtung Bahnhof Nettelnburg, agierten hektisch. Einer rannte gegen einen Porsche, ein anderer prallte gegen einen Bus.

Flüchtender baut Unfall mit einem Porsche

Auch ein offenbar zur Tätergruppe gehörender vierter Mann in einem dunklen Auto flüchtete vom Tatort. Er verursachte dabei einen Unfall mit einem entgegenkommenden Porsche, brauste davon.

Passanten kümmerten sich um den verletzten Mann am Boden, ehe zwei Rettungswagen und ein Notarztwagen eintrafen. Dutzende Streifenwagen aus Bergedorf, Billstedt und Horn rückten an. Der Tatort wurde weiträumig abgesperrt, Spuren gesichert.

Sogar S-Bahnverkehr wird gestoppt

Mit zahlreichen Streifenwagen, einem Polizeihubschrauber und Hunden leitete die Polizei eine örtliche Großfahndung nach den drei flüchtigen Tätern ein. Dafür wurde auch der S-Bahn-Verkehr angehalten.

Ein vorläufig festgenommener Mann am Bahnhof Nettelnburg hat aber wohl doch nichts mit den Schüssen zu tun . Es handelte sich um einen Reinbeker, der reichlich Drogen mit sich führte: etwa 300 Gramm Marihuana, eine geringe Menge Kokain sowie Amphetamine. Die anschließende Durchsuchung seiner Reinbeker Wohnung förderte dann etwa drei Kilogramm Marihuana, 73 Gramm Kokain sowie 100 Ecstasy-Tabletten zutage.

Drogenlager in Reinbeker Wohnung

Fahnder des Rauschgiftdezernats übernahmen die Ermittlungen. Durch „kriminaltaktische Maßnahme“ kamen sie schnell auf die Spur zweier Afghanen (20,22), die an der Tat beteiligt gewesen sein sollen.

Zwei Festnahmen in Hotel

Sonntagabend wurden sie von Spezialkräften in einem Hotel an der Spaldingstraße vorläufig festgenommen. Dabei wurde Beweismaterial sichergestellt. Der 20-Jährige steht unter dringendem Tatverdacht, wurde dem Haftrichter vorgeführt. Der 22-Jährige ist wieder auf freiem Fuß.

Viele Passanten Zeugen des Vorfalls

Viele Passanten waren Sonnabend Zeugen des Überfalls, bei dem drei Vermummten einen 22-Jährigen niederschossen. „Das sind nur wenige Meter bis zur Straße. Das ist ja lebensgefährlich“, sagte eine Mutter.

Sie und weitere Augenzeugen berichteten, wie vor den Schüssen drei mit Sturmhauben maskierte und Schlagwerkzeugen bewaffnete Männer das spätere Opfer verfolgten: „Sie hatten so Gangstermützen auf, wo nur die Augen rausguckten, keine Corona-Masken. Und sie hatten Baseball-Keulen dabei“, sagte eine Anwohnerin.

Die Beteiligten hätten geschrien: „Aber ich konnte nicht hören, worum es ging.“ Dann fielen mehrere Schüsse. Die Täter flüchteten, die Polizei rückte an.

Hammer und Pfefferspray im Gebüsch

Anwohner am Ladenbeker Furtweg hatten gesehen, wie drei Männer einen Hammer ins Gebüsch warfen. Zudem wurde eine Pfefferspray-Sprühflasche gefunden. Ein Mantrailer-Hund nahm Geruchsspuren auf und führte die Polizei bis zur Gewerbeschule am Ladenbeker Furtweg. Am Oberen Landweg brach die Fährte ab.

Großaufgebot der Polizei im Einsatz

Bis in die Nacht überprüften hinzugezogene Beamte der Bereitschaftspolizei Fahrzeuge, vor allem in Neuallermöhe. Streifenwagen überwachten die Autobahn-Auf- und Abfahrten. Zivilbeamte beobachteten das Umfeld verdeckt. Bis in die frühen Morgenstunden gab es aber keine konkreten Hinweise auf den Aufenthaltsort der Täter.

Erst am Sonntag – nach Ermittlungen des Rauschgiftdezernats – klickten dann in einem Hotel an der Spaldingstraße die Handschellen: Unter Tatverdacht wurden zwei Männer (20/22) festgenommen.

Hintergründe der Tat noch unklar

Worum es bei der aktuellen Auseinandersetzung ging, die mit den Schüssen endete, ist indes noch unklar. Beteiligte des Vorfalls sollen aber angeblich zu einer Familie gehören, die in der Vergangenheit bereits kriminell aufgefallen ist. Familienmitglieder sind angeblich wegen Drogen- und Menschenhandels und Gewaltdelikten vorbestraft.