Großfahndung

22-Jähriger auf offener Straße niedergeschossen

Das 22-jährige Opfer wird im Rettungswagen vom Notarzt behandelt. Derweil sichern schwer bewaffnete Polizisten den Tatort.

Das 22-jährige Opfer wird im Rettungswagen vom Notarzt behandelt. Derweil sichern schwer bewaffnete Polizisten den Tatort.

Foto: bz

Ein Mann (22) ist am Friedrich-Frank-Bogen von drei Vermummten mit mehreren Schüssen niedergeschossen worden. Er ist außer Lebensgefahr.

Bergedorf-West. Alarm am Sonnabend in Bergedorf West. Gegen 18.30 Uhr ist ein Mann am Friedrich-Frank-Bogen auf offener Straße niedergeschossen worden. Mehrere Projektile trafen den 22-Jährigen in die Beine und das Gesäß. Er sackte auf dem Fußweg zusammen, war aber bis zum Eintreffen des Notarztes ansprechbar. Der Mann kam ins Krankenhaus, es besteht keine Lebensgefahr. Zusätzlich wurden er und seine 14 Jahre alte Begleiterin durch Pfefferspray verletzt. Auch die Jugendliche musste ins Krankenhaus.

Die Schüsse fielen in der Straße Friedrich-Frank-Bogen gegenüber der Bushaltestelle Fockenweide an der Einmündung zu einem Parkplatz. Der Tatort ist nur durch eine Hecke von einem Spielplatz getrennt, auf dessen Schaukel zum Tatzeitpunkt Kinder spielten. "Das sind nur wenige Meter bis zur Straße. Das ist ja lebensgefährlich", sagte die Mutter der Kinder. Sie und weitere Augenzeugen berichteten, wie vor den Schüssen drei mit Sturmhauben maskierte und Schlagwerkzeugen bewaffnete Männer das spätere Opfer verfolgten: "Sie hatten so Gangstermützen auf, wo nur die Augen rausguckten, keine Corona-Masken. Und sie hatten Baseball-Keulen dabei", sagte eine Anwohnerin. Die Beteiligten hätten geschrien: "Aber ich konnte nicht hören worum es ging." Dann fielen mehrere Schüsse.

Während Passanten sich um den Mann kümmerten, der verletzt am Boden lag, flüchteten die drei Verfolger in Richtung Bahnhof, dann wohl über eine Baustelle in Richtung Ladenbeker Furtweg. Dabei liefen sie gegen einen Porsche und rannten vor einen Bus. Einer der Flüchtenden soll möglicherweise in ein Fluchtauto, einen Audi, gestiegen sein.

Zwei Rettungswagen und ein Notarztwagen rückten an. Zudem Dutzende Streifenwagen aus Bergedorf, Billstedt und Horn. Der Tatort wurde weiträumig abgesperrt. Schwer bewaffnete Polizisten sicherten den Rettungswagen, in dem das Opfer behandelt wurde. Auch die 14-jährige Begleiterin musste behandelt werden. Sie hatte Pfefferspray abbekommen und stand sichtlich unter Schock. Mit Polizeimützen und Absperrhütchen markierten Polizisten zahlreiche Geschosshülsen und sonstige Spuren am Tatort. Der Friedrich-Frank-Bogen war in Höhe Fockenweide bis weit nach Mitternacht voll gesperrt.

Mit zahlreichen Streifenwagen, einem Polizeihubschrauber und Hunden leitete die Polizei eine örtliche Großfahndung nach den drei flüchtigen Tätern ein. Dafür wurde auch der S-Bahn-Verkehr angehalten. Ein vorläufig festgenommener Mann am Bahnhof Nettelnburg hatte aber wohl doch nichts mit den Schüssen zu tun.

Anwohner am Ladenbeker Furtweg hatten gesehen, wie drei Männer einen Hammer ins Gebüsch warfen. Zudem wurde die Pfefferspray-Sprühflasche gefunden. Ein Mantrailer-Hund nahm die Geruchsspur auf und führte die Polizei bis zur Gewerbeschule am Ladenbeker-Furtweg. Am oberen Landweg brach die Fährte ab. Bis in die Nacht überprüften hinzugezogene Beamte der Bereitschaftspolizei Fahrzeuge, vor allem in Neuallermöhe. Streifenwagen überwachten die Autobahn-Auf- und Abfahrten. Zivilbeamte beobachteten das Umfeld verdeckt. Bis in die frühen Morgenstunden gab es keine konkreten Hinweise auf den Aufenthaltsort der drei Täter.


Dabei dürften die Beteiligten der Polizei womöglich bekannt sein - ebenso wie das Opfer. Der 22-jährige gehört angeblich zu einer Familie, die in der Vergangenheit bereits massiv durch Schwerkriminalität aufgefallen ist. Familienmitglieder sind angeblich wegen Drogen- und Menschenhandels und Gewaltdelikten vorbestraft. Worum es bei der aktuellen Auseinandersetzung ging, die mit den Schüssen endete, ist indes noch völlig unklar. Beamte des Kriminaldauerdienstes und Spezialisten der Spurensicherung ermittelten in Bergedorf-West. Im gleißenden Licht eines Lichtmastwagens sicherte eine Beamtin im weißen Faserschutzanzug bis spät in die Nacht Spuren am Tatort.

Während Augenzeugen das Geschehen auch gegenüber Reportern recht detailliert schildern konnten, hielt sich die Polizei mit offiziellen Informationen sehr bedeckt. Der Lagedienst der Hamburger Polizei bestätigte lediglich, dass der Mann durch mehrere Schüsse getroffen wurde und mehrere Tatverdächtige flüchtig seien. Weitere Informationen gebe es noch nicht. "Die Kriminalpolizei hat die Ermittlungen aufgenommen, die Fahndungsmaßnahmen dauern an", hieß es.