CDU contra Bezirksamtsleiter

Kampf um Karstadt erreicht Bergedorfs Politik

Blick auf Karstadt im Sachsentor. Das Kaufhaus gilt als wichtiger Bestandteil für die Frequenz und das Sortiment der Einkaufsstraße. 1996 hatte Karstadt hier die Hertie-Filiale übernommen.

Blick auf Karstadt im Sachsentor. Das Kaufhaus gilt als wichtiger Bestandteil für die Frequenz und das Sortiment der Einkaufsstraße. 1996 hatte Karstadt hier die Hertie-Filiale übernommen.

Foto: Ulf-Peter Busse

Dennis Gladiator (CDU) schreibt an Essener Konzern. Bezirksamtsleiter Dornquast setzt sich nur mit dem Senat in Verbindung.

Bergedorf. Die Sorge um die Zukunft der beiden Karstadt-Häuser im Sachsentor bewegt viele Bergedorfer. Seit unsere Zeitung am Mittwoch berichtete, dass sie auf einer noch geheimen Schließungsliste vom Vorstand des in wirtschaftliche Schieflage geratenen Kaufhauskonzerns Galeria Karstadt Kaufhof stehen könnten, ist das Thema Stadtgespräch.

Zweiseitiges persönliches Schreiben an Konzern-Chef Fanderl

Politisch hat die CDU das Thema aufgegriffen: Bürgerschaftsabgeordneter Dennis Gladiator bittet den Galeria-Vorstandsvorsitzenden Dr. Stephan Fanderl in einem zweiseitigen persönlichen Schreiben dringend darum, am Standort Bergedorf festzuhalten. Hauptargument: Mit 130.000 Einwohnern sei der Bezirk heute zu einer Großstadt gewachsen, habe ein Kundenpotenzial von 350.000 Menschen.

CDU-Wirtschaftspolitiker Capeletti schockiert

Parteikollege Bernd Capeletti, Vorsitzender des Bergedorfer Wirtschaftsausschusses, brachte das Thema Donnerstag in die Bezirksversammlung. In einer mündlichen Anfrage wollte er wissen, wie Bezirksamtsleiter Arne Dornquast sich für die Zukunft von Karstadt im Sachsentor einsetze. Die Antwort des Amtsleiters schockierte den Christdemokraten auch gestern noch: „Er hat sich trotz der ganzen sich ankündigenden Dramatik für das Sachsentor weder mit der Bergedorfer Karstadt-Geschäftsleitung noch mit der Konzernzentrale in Essen in Verbindung gesetzt. Alles was unser Bezirksamtsleiter bisher unternommen hat, ist, sich mit dem Senat in Verbindung zu setzen. Und das nach seinen eigenen Worten auch noch ohne bisher überhaupt eine Antwort zu bekommen.“

Bezirksamtsleiter: Auch Wohnungsbau möglich

Tatsächlich ging Dornquast in seinen Ausführungen vor der Bezirksversammlung sogar noch weiter: Der Bebauungsplan eröffne für beide Immobilien theoretisch viele Chancen – auch Wohnungsbau sei möglich, informierte der Bezirksamtsleiter. Und weiter: „Ein Zukunftskonzept wäre Sache des Eigentümers oder eines möglichen Erwerbers. Außerdem hat Karstadt noch nicht bestätigt, dass Bergedorf auf der Schließungsliste steht.“ Er sei sich allerdings sehr sicher, dass der Senat Gespräche mit dem Konzern in Essen über die Zukunft aller Hamburger Häuser führen werde.

Erfolgreiche Rettung für Karstadt-Bergedorf vor zehn Jahren

Bürgerschaftsabgeordneter Dennis Gladiator sieht die Lage weniger entspannt: „Bereits vor zehn Jahren drohte Bergedorfs Karstadt-Häusern im Zuge der damaligen Konzernsanierung die Schließung. Seinerzeit haben die Bergedorfer mit vielen Aktionen, darunter einer beeindruckenden Liste mit Tausenden Unterschriften, deutlich gemacht, wie wichtig ihnen Karstadt ist.“ Er sei dem Konzern dankbar, dass er schließlich weiter auf Bergedorf gesetzt und die Schließung abgewendet habe.

Bürgerschaftsabgeordneter will sich engagieren

„Auch die aktuelle Lage ist jetzt eine große Herausforderung“, schreibt Dennis Gladiator an den Konzern-Chef. „Gern setze ich mich mit voller politischer Kraft für das Zukunftsprojekt Galeria Karstadt in Bergedorf ein.“