Alte Holstenstraße

„Diese Absperrungen sind nicht mehr nötig“

Seit einem Jahr Nadelöhr und Flanier-Bremse: Absperrung in der Fußgängerzone Alte Holstenstraße.

Seit einem Jahr Nadelöhr und Flanier-Bremse: Absperrung in der Fußgängerzone Alte Holstenstraße.

Foto: Thomas Voigt

Vorfahrt für Baufahrzeuge mitten in der Fußgängerzone: Die Bergedorfer ärgert die riesige Absperrung auf der Alten Holstenstraße am City-Kreisel.

Bergedorf. Gedacht für den Anlieferverkehr für die Woolworth-Baustelle, bewegen sich hier nur noch sehr selten Lkw, die Fußgänger müssen sich dennoch auf den schmalen Pfaden drängeln, die die Baustellen-Absperrung ihnen noch lässt.

Café Bouquet „könnte eigentlich dichtmachen“

Unmögliche Zeiten auch für die Gastronomie, klagt Wirt Levent Arova: In seinem Schlosscafé und „Café La Petit Rue“ seien die Einnahmen durch Corona ohnehin auf die Hälfte zurückgegangen – und im „Café Bouquet“ gleich neben der Baustelle an der Alten Holstenstraße wegen der Absperrungen sogar noch stärker. Er hofft zwar auf den Sommer, aber: „An manchen Tagen habe ich nicht mal 100 Euro Umsatz, eigentlich könnte ich dichtmachen.“

Höchstens ein Lkw am Tag

Er will auch ohne Laufkundschaft tapfer durchhalten, hofft er doch künftig auf Gäste des neuen Hotels, das mit 130 Zimmern oberhalb von Woolworth im Neubau entsteht. Allerdings sei die Baustelle vor der Tür absolut überdimensioniert: „Hier fährt höchstens ein Lkw am Tag durch. Dafür muss doch nicht alles abgesperrt werden, so dass die Leute genervt einen riesigen Bogen laufen müssen“, ärgert sich der Gastronom auch über Privatwagen, die „mal eben“ in der Fußgängerzone parken. Auch die Autos der Bauleute seien „längst nicht immer Material-Transporter“, könnten also auch anderswo geparkt werden.

Absperrung bis Ende Oktober geplant

Und die wenigen Lkw könnten doch einfach eingewiesen werden: „Dann braucht es keine Absperrungen mehr, ich könnte draußen Tische im Corona-Abstand aufstellen“, will Levent Arova dem Bezirksamt vorschlagen. Dann wäre vielleicht der Gastro-Sommer gerettet, müsse er nicht warten, bis die Absperrung – wie bislang geplant – Ende Oktober abgebaut wird.

„Hier können kaum zwei Menschen aneinander vorbeilaufen“

Dass die Gitter zu nah an den Häusern in der Alten Holstenstraße und vor allem der Serrahnstraße entlangführen, meint auch Bergedorfs DGB-Vorsitzender Ernst Heilmann, dessen Büro an der Serrahnstraße liegt: „Hier können kaum zwei Menschen aneinander vorbeilaufen. Das wird bei der möglichen Wiedereröffnung unseres Kultur-Forums sehr hinderlich sein“, kritisiert er. Wenn schon Baustelle, dann „müssten die Absperrgitter wenigstens an den Wochenenden weg“.

Polizei und Feuerwehr haben es angeordnet

Auch Bauherr Tobias Derndinger weiß, dass die Gitter nerven, aber „das haben Polizei und Feuerwehr zur Verkehrssicherheit angeordnet. Und derzeit rangieren täglich noch große Lkw, die Frischbeton und Stahlbetonplatten bringen. Wenn die rückwärts fahren, könnte auch kein Einweiser garantieren, jeden Kinderwagen zu sehen. Das wäre zu gefährlich“, winkt er ab.

Neubewertung „erst im Herbst“

Doch sucht auch das Bezirksamt eine neue Lösung: „Wir werden in den Dialog treten und den Bauherrn fragen, wie lange er die Fläche noch braucht“, kündigt Rathaussprecher Dr. Sebastian Kloth an. Derndinger sieht das nicht: Erst wenn im Herbst nur noch kleineres Material komme, zuletzt die Hotelbetten, „kann man die Situation sicher neu bewerten“.