Querung am Binnenfeldredder

Freude über Ampel nach 31 Jahren Kampf

Wer – wie diese Radler –  aus dem Grünen Zentrum kommt, muss den Binnenfeldredder genau in der Kurve queren.

Wer – wie diese Radler – aus dem Grünen Zentrum kommt, muss den Binnenfeldredder genau in der Kurve queren.

Foto: Anne Strickstrock / BGZ / Anne Strickstrock

Lenhard Correll stellte 1989 den ersten Antrag. Aktuell ruckelt die Technik am Binnenfeldredder noch.

Lohbrügge.  Heute auf den Tag genau wird Lenhard Correll 80 Jahre alt. Zwar muss er sein großes Fest verschieben, über ein besonderes Geschenk freut er sich dennoch: Seit wenigen Wochen steht eine Verkehrsampel am Binnenfeldredder, in der Kurve zur Landesgrenze. „Dafür habe ich mich vor schon 31 Jahren stark gemacht“, sagt der Christdemokrat, der 2011 die Politik – und damit auch seinen 15-jährigen Vorsitz im Verkehrsausschuss - an den Nagel hängte. Aber auf sein Durchhaltevermögen kann der Kapitän stolz sein, verweist auf die Unterstützung dreier Bezirksamtsleiter: „Christine Steinert, Christoph Krupp und Arne Dornquast waren nie dagegen. Doch wir sind immer wieder von Hamburg bürokratisch ausgebremst worden.“

Bald wird die Technik entstört

Inzwischen steht in der Kurve ein Flüchtlingswohnheim, der Binnenfeldredder wurde saniert. „Plötzlich können sie es, haben sie alle früheren Argumente über den Haufen geworfen“, wundert sich Lenhard Correll: Ende April wurde die Ampel in Betrieb genommen. Doch sie leidet unter Ausfällen, an manchen Tagen leuchtet hier gar nichts. „Aus technischen Gründen konnte sie noch nicht kurzfristig entstört werden. Wir arbeiten mit Hochdruck an der Behebung des Problems,“ beteuert Nils Schönrok von der Hamburger Verkehrsanlagen GmbH.

„Bitte entschärfen“

Lange Wartezeiten am Straßenrand: Dass der Fuß- und Radweg mitten in der Kurve die Straße quert, ist seit jeher unglücklich und gefährlich. Lohbrügger auf dem Weg zum Hansa-Gymnasium, Grundschüler auf dem Weg zum Max-Eichholz-Ring, die angrenzenden Kleingärtner und viele „normale Lohbrügger Bürger“ hatten sich seinerzeit an die Politik gewandt: „Egal wie, aber bitte entschärfen“, hieß es flehentlich. Und so stellte Lenhard Correll bereits 1989 seinen ersten Antrag: „Ich war aber nicht allein, alle zwei Jahre habe ich mich mit den SPD-Anträgen abgewechselt.“

Auch Sprunginsel abgelehnt

Wer über die K 80 aus Reinbek kommt, sehe die Fußgängerampel in der Kurve zu spät, so lautete der erste Einwand. Also versuchte man gemeinsam mit Bergedorfs Tiefbauchefs bis zu Joachim Bruschke, die Kurve flacher zu gestalten. Dafür hätte man Platz gebraucht. „Aber zwei von 98 Garageneigentümer waren dagegen“, erinnert sich der CDU-Politiker an die neuerliche Schlappe: „Dann haben wir es auf der anderen Seite mit einer anderen Wohnungsbaugesellschaft versucht, wollten Platz für eine Sprunginsel schaffen.“

Hamburger Polizei bremst Vorhaben

Im April 2004 folgte ein nächster Ortstermin mit Jens Klockmann, Chef der Bergedorfer Verkehrspolizei. Diesmal schaltete sich zudem der Landesbetrieb, Straßen, Brücken und Gewässer ein. Immerhin, so Correll, fuhren hier 2008 werktags 17.000 Autos davon 5,8 Prozent Lastwagen. In alten Unterlagen steht: „Umsetzung 2010 möglich, wenn Konjunkturmittel zur Verfügung stehen.“ Nun also wollte Hamburg bezahlen. „Jetzt aber bremste uns die Hamburger Polizei aus, weil es nicht genug Unfälle gab“, erinnert sich Correll.

„Zwei Tote zu wenig“

Auch Versuch Nummer drei scheiterte an diesem Argument: Selbst für einen Zebrastreifen gebe es nicht genügend ursächlich nachgewiesene Unfälle an dieser Stelle, hieß es seitens der Hamburger Polizei. „Die hatten natürlich Vergleichszahlen aus der ganzen Stadt. Demnach hätte man drei Tote innerhalb von drei Monaten gebraucht. Aber hier gab es bloß mal einen Toten, und der war uns schon zuviel“, so der Politiker.

Nie lauter Protest

Große Demos oder lauten Protest gab es indes nie. „Das war nie mein Temperament. Außerdem haben wir ja immer wieder Hoffnung gemacht bekommen. Es stand ja sogar mal im Tiefbauprogramm, aber dann gab es woanders eben mehr Tote.“ Von allen Gegenargumenten verzweifelt, gab es als viertes die Idee einer Temporeduzierung. Problem: „Die K 80 ist eine Hauptstraße für Lastwagen, eine Kreisstraße, die mit der Berliner Autobahn verbindet“, zitiert Lenhard Correll aus der Begründung zum nächsten Nein.

Gern wurde hinter der Kurve geblitzt. Denn wer früher aus Reinbek kam, musste vom 60 auf 50 Kilometer die Stunde abbremsen. Jetzt – mit der Sanierung der Straße – wurde der Binnenfeldredder eingeengt. Manch einer kann bloß Tempo 30 fahren, wenn ein Bus vorausfährt. „Und plötzlich geht eine Ampel“, so der 80-Jährige. „Wäre schön, wenn sie denn bald auch funktioniert.“