Bergedorf

Überreicht das Abiturzeugnis dieses Jahr der Postbote?

Die Abiturienten 2020 haben es in vielerlei Hinsicht nicht leicht.

Die Abiturienten 2020 haben es in vielerlei Hinsicht nicht leicht.

Foto: Felix Kästle / dpa

Bangen um würdigen Festakt. Eltern dürfen laut Hamburger Schulbehörde wohl nicht dabei sein. In Reinbek ist ein Elternteil erlaubt.

Bergedorf. Was alle Schulen vermeiden wollen: Dass die Abiturzeugnisse in diesem Jahr – wenig feierlich – mit der Post verschickt werden müssen. Tatsächlich ist es noch unklar, wie die rund 9000 Hamburger Abiturienten die Verleihung ihrer Abschlusszeugnisse erleben werden.

„Es ist aktuell nicht absehbar, welche Beschränkungen es Mitte Juni noch geben wird, also ob kleinere Schülergruppen möglich sind“, sagt Peter Albrecht von der Hamburger Schulbehörde. Wohl aber muss er Eltern und Großeltern vertrösten: „In jedem Fall würden Präsenz-Zeugnisübergaben ohne Familienangehörige stattfinden.“

Warten auf Weisungen der Behörde

Vielleicht ginge es mit einzelnen Profilklassen, die ihre Zeugnisse aus dem Container des Schulbüros überreicht bekommen, überlegt Christoph Kaul, Leiter des Gymnasiums Bornbrook, „dann könnten die Familiengruppen auf dem Schulhof stehen“. Er berichtet zudem von der Schultradition, dass jüngere Geschwisterkinder üblicherweise das Reifezeugnis überreichen: „Aber wir müssen abwarten, wollen keine Erwartungen wecken, die wir nicht erfüllen können.“

Gerade dieser Jahrgang habe es verdient, würdevoll verabschiedet zu werden, meint Heiko Reich, Leiter des Gymnasiums Lohbrügge. Auch im Luisen-Gymnasium fragen schon viele Eltern nach, ob es trotz allem einen „würdigen Festakt“ geben wird. „Wir warten auf die Weisungen der Behörde, in der Aula jedenfalls hätten mit ausreichend Abstand nur 42 Menschen Platz“, sagt Schulleiter Dr. Werner Baum. Die gut 100 Abiturienten tun ihm leid: „Es ist schon traurig, zumal weder gesungen werden darf noch das Orchester spielen kann.“

In Reinbek darf ein Elternteil dabei sein

Zudem, so Baum, müsse überlegt werden, wie das Papier ausgehändigt werden könne, „auf jeden Fall mit Handschuhen“. Dennoch möge es ein bisschen festlich werden, hofft er und denkt an seinen eigenen Abschluss Ende der 70er: „Ich habe vorher wochenlang mit meiner Mutter gestritten, ob ich eine Jeans anziehen darf. Am Ende setzte sie sich mit einer Bundfaltenhose durch“, erinnert sich der einst Jahrgangsbeste.

Auf einen Abiball müssen die jungen Leute auf jeden Fall verzichten. Ihre geplante Feier im Hamburger Rathauskeller haben die Reinbeker Sachsenwald-Schüler abgesagt. Doch versucht die Schulleitung noch, die Familien bei der Zeugnisverleihung einzubinden: Zwar dürfe in der Aula nur ein Elternteil sein, aber zwei weitere Verwandte könnten im Nebenraum sein, falls es technisch gelingt, eine Liveübertragung der Entlassungsfeier einzelner Profile zu organisieren.

Hoffen auf Lockerungen in Lauenburg

Für die Übergabe der Abi-Zeugnisse in der Lauenburger Albinus-Gemeinschaftsschule gibt es noch keinen Plan. „Die Organisation der Prüfungen unter diesen Bedingungen ist schon ein Kraftakt. Wir hoffen aber darauf, dass es noch ein paar Lockerungen geben wird“, sagt die stellvertretende Schulleiterin Gaby Hild. Je nach Lage würde die Zeugnisausgabe dann spontan organisiert – auf jeden Fall aber so würdig wie möglich.