Papyrus schließt

„Das Sachsentor muss auf sein Niveau achten“

Geben jetzt 20 Prozent auf fast alles: Angelika und Bernd Kiefat vor ihrem Schreibwaren-Geschäft Papyrus im Sachsentor, mit dem sie sich vor 20 Jahren selbstständig machten. Sie schließen zum 30. Juni.

Geben jetzt 20 Prozent auf fast alles: Angelika und Bernd Kiefat vor ihrem Schreibwaren-Geschäft Papyrus im Sachsentor, mit dem sie sich vor 20 Jahren selbstständig machten. Sie schließen zum 30. Juni.

Foto: Ulf-Peter Busse

Die Papyrus-Inhaber Bernd und Angelika Kiefat gehen Ende Juni in den Ruhestand. Ein Nachfolger konnte nicht gefunden werden.

Bergedorf. Kunden mit Tränen in den Augen und einem Blumenstrauß in den Händen sind in diesen Tagen nicht selten bei Papyrus: Inhaber Bernd und Angelika Kiefat schließen ihr Traditionsgeschäft für hochwertige Schreibgeräte am Sachsentor zum 30. Juni.

Schließung hat nichts mit Corona zu tun

Ein Opfer von Corona sei das Unternehmen aber nicht: „Die Nachfrage ist seit der Wiedereröffnung vor vier Wochen sehr gut. Wir konnten sofort alle Mitarbeiter aus der Kurzarbeit holen“, sagt Bernd Kiefat (69), der ebenso wie seine Ehefrau (66) im Rentenalter ist. „Dass wir jetzt schließen, haben wir schon vor 15 Jahren beschlossen. Der Mietvertrag war seit unserem Umzug vom Mohnhof ins Sachsentor im Jahr 2005 darauf ausgelegt.“

Hochwertiges Angebot – passend zum Niveau des Sachsentors

Damals setzte Papyrus hier die Tradition des Papier- und Schreibwarenladens Witwe Meyer fort, der im Haus schon seit 1915 ansässig war. Für den Nachfolger, der die Geschäftsfläche auf 100 Quadratmeter verdoppeln ließ, war der Umzug perfekt: „Wir hatten uns von Anfang an auf hochwertige Produkte spezialisiert. Sowas passt in Bergedorf nur ins Sachsentor“, sagt Kiefat, der vor seiner Selbstständigkeit Prokurist bei Bergedorfs Schreibwaren- und Spielzeug-Spezialisten Heinicke war – bis der Ende der 1990er-Jahre schloss. Die Mehrzahl seiner sechs Papyrus-Mitarbeiterinnen nahm er damals mit, sodass sie jetzt teils auch in Ruhestand gehen.

Bestellungen auch während des Räumungsverkaufs möglich

Von Geschäftsaufgabe ist – abgesehen von den „Total-Räumungsverkauf“-Schildern – im Laden heute kaum etwas zu spüren: Viele der edlen Schreibgeräte, die riesige Auswahl an Heften und Briefpapier sowie die erst vor einigen Jahren aufgenommene Handtaschen-Kollektion sind weiter in fast ganzer Bandbreite zu haben und werden auf Wunsch auch noch nachbestellt.

Wer Papyrus im Laden folgt, ist offen

„Das sind wir unseren zahlreichen Stammkunden schuldig“, sagt Bernd Kiefat, der Papyrus gern an einen Nachfolger übergeben hätte. „Es gab auch einige Interessenten. Aber keiner war bereit, sich täglich in den Laden zu stellen und an den Wochenenden etliche Messen zu besuchen. Und für Filialisten ist die Verkaufsfläche heute zu klein. Sie bräuchten wenigstens 50 Prozent mehr.“ Wer nun auf Papyrus folgt, ist bisher offen.

Mit hochwertiger Ware gegen Internet-Konkurrenz behauptet

Beim Blick in die Zukunft haben die Kiefats einige Wünsche für Bergedorfs wichtigste Einkaufsstraße: „Das Sachsentor muss auf sein Niveau achten und darf im Sortiment seiner Geschäfte nicht zu billig werden“, warnt Angelika Kiefat, die als gelernte Modedesignerin stets für das Erscheinungsbild von Papyrus zuständig war. Und Ehemann Bernd ergänzt: „Ich wünsche dem Sachsentor, dass es weiter Geschäftsinhaber findet, die selbst in ihrem Laden stehen mögen. Nur so bleibt der Charme des Verlässlichen und Unverwechselbaren.“ Das habe auch Papyrus gut gegen die Konkurrenz im Internet gewappnet. „Es braucht Qualität bei Ware und Beratung sowie die Möglichkeit, alles im Geschäft auszuprobieren. Das ist ein Trumpf, den man im Sachsentor sehr gut ausspielen kann – wenn man mit dem Herzen dabei ist.“