Urteil

Radler beißt Polizisten: Verfahren eingestellt

Bei dem Unfall im Mai 2018 war ein Auto in die Bahnhofshalle Bergedorf  gerast. Ein Radler übersah danach offenbar versehentlich das Absperrband.

Bei dem Unfall im Mai 2018 war ein Auto in die Bahnhofshalle Bergedorf gerast. Ein Radler übersah danach offenbar versehentlich das Absperrband.

Foto: Foto / NEWS & ART

An einem Unfallort war es im Mai 2018 zu einer Auseinandersetzung gekommen. Nun sah die Richterin Fehler auf beiden Seiten.

Bergedorf. Der Angeklagte war sichtlich erleichtert, der Zeuge wirkte ziemlich enttäuscht: Mit der Einstellung des Verfahrens endete Freitag beim Amtsgericht die Verhandlung gegen Radfahrer Volker G. (42) aus Bergedorf. Diesem wurde vorgeworfen, im Mai 2018 am Bahnhof Bergedorf ein Absperrband der Polizei aktiv ignoriert und nach Zurechtweisung durch zwei Polizisten diese tätlich angegriffen zu haben, wobei er einem der beiden Beamten den kleinen Finger blutig biss.

Verletzter Polizist sagte als Zeuge aus

Die Schilderungen des Angeklagten und auch des geschädigten Polizisten Stefan P. (32), der als Zeuge aussagte, ergaben aber einen etwas anderen Tathergang. An diesem Mittwoch im Mai 2018 war eine Autofahrerin bei einem Unfall durch die Glasfront des Bahnhofs in die Bahnhofshalle gefahren. In der Halle war die Unfallstelle mit Absperrband gesichert, draußen sollten vier Beamte der Bundespolizei die offene Automatikdoppeltür sichern und dafür sorgen, dass niemand dort hineinging. Doch dies war offenbar missglückt.

Angeklagter: „Zu spät den Unfall bemerkt“

„Die Tür war offen, ein paar Meter weiter standen vier Polizisten und klönten, also habe ich mein Fahrrad an ihnen vorbeigeschoben und bin hineingegangen“, erklärte Volker G. Freitag gegenüber Richterin und Staatsanwältin. Dort habe er plötzlich neben dem verunglückten Auto gestanden und in diesem Augenblick erkannt, dass er versehentlich in einen abgesperrten Bereich gelangt war. Um dort schnell wieder herauszukommen, sei er drei weitere Schritte zum Absperrband gegangen, habe dieses angehoben und sein Fahrrad darunter hindurch in Richtung Bahnhofstreppe geschoben.

Auseinandersetzung eskalierte

Hier begann die Auseinandersetzung mit den beiden Polizeibeamten, wie auch Zeuge und Polizist Stefan P. bestätigten – und diese Auseinandersetzung eskalierte. Volker D. wollte den Namen von Stefan P. wissen, weil er sich von diesem beleidigt fühlte. Daraufhin zeigte P. ihm lediglich die Dienstnummer auf seinem Dienstausweis, ohne seinen Namen preiszugeben, und wollte seinerseits die Personalien von Volker D. aufnehmen. Dies verweigerte D. und machte sich daran, sein Fahrrad weiter in Richtung Bahnhofstreppe zu schieben.

P. und ein weiterer Polizist hielten ihn nun fest und wendeten einen sogenannten „Rückrissgriff“ an, bei dem man dem anderen von hinten ins Gesicht greift, den kleinen Finger unter dessen Nase. Hierbei geriet der Finger des Polizisten zwischen die Zähne des Radlers. Ein vorsätzlicher Biss aber, so Richterin Kampmann, sei nicht nachzuweisen: „Beide Seiten haben sich hier nicht gerade optimal verhalten.“