Einzelhandel

Bergedorfs City kämpft mit Corona-Nachwirkungen

Ganz so voll wie früher – hier ein Bild von Ende 2019 – ist es im Sachsentor noch nicht wieder.

Ganz so voll wie früher – hier ein Bild von Ende 2019 – ist es im Sachsentor noch nicht wieder.

Foto: Foto / Thomas Voigt

Die Besucherzahlen liegen deutlich niedriger als zuvor. Händler in CCB und Sachsentor zwischen Optimismus und Unsicherheit.

Bergedorf. Drei Wochen nach Wiedereröffnung des Einzelhandels ist dort der Corona-Schock längst nicht überwunden. In der Spitaler Straße zeigen die Zählanlagen ernüchternde Werte. So waren vom 27. April bis 3. Mai nur 95.265 Menschen in der Hamburger Einkaufsstraße unterwegs – kaum mehr als ein Drittel der Frequenz von Anfang Mai 2019, als 261.417 kamen. Auch in der vergangenen Woche stieg die Zahl nur leicht.

Nur etwas besser steht es um den Zuspruch der Einkaufszentren. „Die Besucherfrequenzen liegen meist bei etwa 40 bis 60 Prozent“, sagt Lukas Nemela, Sprecher der ECE, die unter anderen das Alstertal-Einkaufszentrum in Poppenbüttel, die Hamburger Meile in Barmbek und das Elbe Einkaufszentrum in Othmarschen betreibt. „Die Menschen kaufen jetzt besonders zielorientiert ein, sie bummeln weniger.“

Mit der Gastronomie soll es weiter nach oben gehen

Das gilt auch für Bergedorfs CCB, sagt Manager Lutz Müller. „Wir liegen allerdings eher bei 60 bis 70 Prozent der Kundschaft. Und ich bin mir sicher, dass es mit Öffnung der Gastronomie ab kommender Woche weiter nach oben geht.“ Bergedorfs City habe gegenüber der Hamburger Innenstadt und Einkaufszentren auf der grünen Wiese den großen Vorteil, dass ihre Kunden hier wohnen. „Sie müssen nicht erst anreisen und treffen hier Bekannte, sowohl unter den Kunden wie beim Verkaufspersonal.“

Ein positiver Effekt, den auch Martina Willhoeft vom gleichnamigen Herrenausstatter im Sachsentor beobachtet: „Gleich in der ersten Woche unserer Wiedereröffnung herrschte ein riesiger Andrang. Die Menschen wollten endlich wieder mit anderen ins Gespräch kommen, sich persönlich beraten lassen und die Frühlingsmode in den Händen halten.“

„Kunden haben sich an die Masken gewöhnt“

Die zweite Woche habe dann einen leichten Dämpfer erhalten, den Willhoeft an der seither geltenden Maskenpflicht festmacht. „Ende April hat dieser Effekt zum Glück nachgelassen. Wie ich selbst haben sich offenbar auch unsere Kunden an die Masken gewöhnt.“

Allerdings tritt jetzt ein anderer negativer Effekt der Corona-Krise in den Vordergrund: Wegen personeller Engpässe können vor allem viele Filialisten die gewohnten Öffnungszeiten nicht mehr einhalten. So schließen etwa Gerry Weber, Cubus und Betty Barclay derzeit bereits um 17 statt um 19 Uhr. Auch das CCB hat seine Kernöffnungszeiten auf 10 bis 18 Uhr reduziert. Normal wäre 20 Uhr. „Das schaffen viele aus personellen Gründen nicht“, weiß Lutz Müller. „Etliche Mitarbeiter sind noch in Kurzarbeit, und viele der Teilzeitkräfte müssen zu Hause ihre Kinder betreuen. Zudem haben die Geschäfte zwei Mitarbeiter-Teams gebildet, damit im Fall einer Corona-Erkrankung nicht geschlossen werden muss.“

Trotzdem Sorge um die Zukunft der Innenstädte

Trotz der vergleichsweise guten Lage in Bergedorf: Müller wie Willhoeft sorgen sich um die Zukunft der Innenstädte: „Die Pleiten im Einzelhandel kommen noch“, sagt Martina Willhoeft, die sich gut gerüstet sieht. „Entscheidend sind jetzt die Rückkehr der Gastronomie und verlässliche Öffnungszeiten“, sagt Müller.