Coronakrise

Bergedorfs Bahnhof im Dornröschenschlaf

Der Blick von der Lohbrügger Seite aus in den Gang zu den Gleisen: Nur wenige Pendler sind unterwegs.

Der Blick von der Lohbrügger Seite aus in den Gang zu den Gleisen: Nur wenige Pendler sind unterwegs.

Foto: Jan Schubert

Nur eine Handvoll Geschäfte ist noch geöffnet. Unterdessen wird an der Bahnstrecke auch über das Osterwochenende gearbeitet.

Bergedorf.  Es ist so eine Sache mit dem Abstand halten. „Erst vorhin“, berichtet Cornelia Buhk, „sind hier an der Kasse zwei Männer verbal aneinandergeraten. Da hat der eine den anderen als ,oberlehrerhaftig’ beschimpft.“ Solche Diskussionen gebe es in diesen Coronazeiten „ein, zwei Mal am Tag“, sagt Buhk. Obwohl doch rote Klebestreifen auf dem Fußboden den Kunden des Geschäfts­ im Bergedorfer Bahnhof Orientierung geben sollen.

Die Angestellte aus dem Zeitungsladen Relay/Hub klingt fast so, als fände sie es gar nicht mal so übel, dass mal etwas los sei. Statt üblicherweise 100 kommen nur 10 bis 20 Kunden in der Stunde. Die Coronakrise hat auch den Personenverkehr und das Geschäftsleben im Bahnhof weitestgehend lahmgelegt.

Relay/Hub ist neben Tabak Jonas, der Bäckerei von Allwörden, dem Imbiss Pamukkale und dem O2-Laden noch geöffnet – bei eingeschränkten Öffnungszeiten, alles andere ist geschlossen. Auch McDonalds, das DB-Reisezentrum und die VHH-Info auf dem Bergedorfer ZOB.

Wenn ein Zug oder ein Bus ankommt, ist etwas Betrieb auf den Bahnsteigen, Gängen oder dem Bahnhofsvorplatz – doch überwiegend herrscht hier „tote Hose“. Obwohl der S-Bahn-, Fernbahn- und Busverkehr fast uneingeschränkt läuft: Lediglich der Regionalexpress Hamburg–Büchen fährt derzeit nur im Stunden-Takt. Am Osterwochenende (10. bis 13. April) wird an der Lärmschutzwand weiter gearbeitet, zwischen Billwerder und Aumühle fahren die S-Bahnen dann nur im Halbstunden-Takt. Allerdings pendeln auch Busse von der Haltestelle Billwerder bis zum Bahnhof Bergedorf.

Ob das für ihn mehr Belebung bedeutet? Yusuf Nasiri sitzt hinter einer Plexiglasscheibe – den längsten Teil des Tages allein zwischen Smartphones. Wenn Kunden in den aufgrund einer Sondergenehmigung weiter geöffneten O2-Mobilfunkladen kommen, dann fragen sie meist nach Erweiterung ihres Datenvolumens. „Weil die Leute mehr Zeit zu Hause verbringen“, weiß der Filialleiter, „wollen viele ihren Tarif ändern.“ Laufkundschaft sei dagegen überaus rar, „jeder Tag sieht irgendwie aus wie ein Sonntag“, meint Nasiri.

Lina-Sophie Hirschlein wartet vor der wieder einmal nicht funktionierenden Rolltreppe zum ZOB hinauf auf Freundin Nina Janssen. Sie kommt mit dem Bus. Die beiden Schülerinnen wollen das schöne Wetter nutzen, picknicken und nicht allzu viel Zeit im trostlosen Bahnhof verbringen. „Ich find die Einschränkungen nicht so übertrieben“, sagt Gymnasiastin Nina Janssen, die häufig mit dem Bus zum Bahnhof fährt. „Durch weniger Menschen ist die Ansteckungsgefahr nicht so hoch.“

Es wird wohl noch eine Weile gespenstisch im und vor dem Bahnhof bleiben. Cornelia Buhk stellt sich weiterhin auf viel weniger Kunden ein: „Ich mache jetzt Kurzarbeit, statt 40 arbeite ich manchmal nur zehn Stunden die Woche. Was ich am Monatsende verdiene, weiß ich noch nicht.“