Am Schilfpark

Hamburgs erstes Corona-Testzentrum startet

Das Corona-Testzentrum Bergedorf Am Schilfpark. Geöffnet ist es ausschließlich für Patienten, die mit Überweisung von den Bergedorfer Hausärzte hierher geschickt werden.

Das Corona-Testzentrum Bergedorf Am Schilfpark. Geöffnet ist es ausschließlich für Patienten, die mit Überweisung von den Bergedorfer Hausärzte hierher geschickt werden.

Foto: Christina Rückert / BGZ / Christina Rückert

Nach tagelangem Tauziehen hat auch die Kassenärztliche Vereinigung eingelenkt. Doch ob es Pilotprojekt wird, ist noch immer offen.

Bergedorf. Die Premiere war noch ein Provisorium: Am gestrigen Freitag ist Bergedorfs Corona-Testzentrum dann doch gestartet. Für zunächst drei Stunden am Nachmittag hat Hausarzt und Initiator Gregor Brinckmann (52) mit seinem Praxisteam die ersten Verdachtsfälle auf einem Firmenparkplatz an der Straße Am Schilfpark getestet. Von Montag an soll es routinierter zugehen, unter anderem mit festem Dienstplan, der alle rund 70 Hausarztpraxen Bergedorfs einbezieht – als ehrenamtliche Testteams.

Initiative der Bergedorfer Hausärzte

„Ich bin nicht unstolz, dass ich das doch noch hingekriegt habe. Die Widerstände waren größer, als ich gedacht habe“, gesteht Gregor Brinckmann mit Blick auf die vor drei Wochen von ihm angeschobene Initiative der Bergedorfer Hausärzte. Sofort waren damals auch Bezirksamt und Bethesda Krankenhaus als Unterstützer dabei, nicht aber die Kassenärztlichen Vereinigung Hamburg. Folge: Weil die KVH bei der Gesundheitsbehörde umfangreichen Gesprächsbedarf anmeldete, pfiff der Senat das Bezirksamt vergangenen Sonntag plötzlich zurück. Wie berichtet, war das Testzentrum damit vorerst vom Tisch, weil das Bezirksamt als Mieter der Fläche und verantwortlicher Projekt-Betreiber unverzichtbar ist.

Bezirksamt als wichtiger Kooperationspartner

Doch ein erhebliches Presse-Echo und viel Druck aus Mediziner-Kreisen ließen den Widerstand bröckeln. Erst schlug sich am Dienstag Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks auf die Seite der Bergedorfer, was die Kooperation mit dem Bezirksamt wieder ermöglichte. Donnerstag schließlich gab auch die KV ihre Blockade auf. Statt auf ein zeitintensives Zulassungsverfahren für das Testzentrums als Zweigniederlassung von Brinckmanns Praxis zu pochen, schrieb sie nun, das Projekt sei „nicht genehmigungspflichtig“.

Getestet wird nur, wer eine Überweisung vom Hausarzt hat

Innerhalb eines einzigen Tages belebte Gregor Brinckmann die eingemotteten Pläne neu, weshalb der Start gestern ohne offizielle Eröffnung verlief. Tatsächlich ist das Projekt vorerst beschränkt: Es ist nicht für jeden zugänglich, der sich mit Husten, Fieber oder Atemproblemen krank fühlt. Auf das Coronavirus getestet werden hier ausschließlich Menschen, die eine Überweisung samt Datenschutzerklärung von ihrem Hausarzt vorweisen können.

Polizei schützt das Corona-Testgelände

„Wer einfach so kommt, wird abgewiesen“, betont Brinckmann, dem dafür auf dem Testgelände sogar die Polizei zur Seite steht. „Wir testen allein die Patienten, die von Bergedorfer Hausärzten oder dem Bethesda Krankenhaus als Verdachtsfälle eingestuft werden. Mehr geht aus Kapazitäts- und Abrechnungsgründen nicht.“

Wer kommt, muss mit dem Auto vorfahren

Für alle Patienten des Testzentrums gilt, dass sie in einem Pkw vorfahren müssen. Wer zu Fuß kommt, wird zurückgeschickt und auf den Arztnotruf 116 117 verwiesen, der Abstrichteams nach Hause schickt. Grund: Im Testzentrum soll möglichst wenig der knappen Schutzkleidung verbraucht werden. Das geht nur, wenn sich die Patienten unter ärztlicher Aufsicht im Auto selbst das Teststäbchen in den Rachen führen.

Patienten rollen durch drei Stationen

Auf dem Testgelände Am Schilfpark durchfahren sie drei Stationen. An der ersten wird die vom Hausarzt ausgestellte Überweisung samt Datenschutzerklärung geprüft und der Patient erhält ein Teströhrchen, das mit seinen Daten versehen ist.

Abstrich unter ärztlicher Aufsicht im Wagen

Dann rollt er zur eigentlichen Teststelle vor. Hier gibt es eine Anleitung zum richtigen Gebrauch des Teststäbchens. Dann führt der Patient den Abstrich unter Aufsicht eines Arztes im Auto selbst durch, steckt den Test zurück ins Röhrchen und verschließt es. An der dritten Station steckt er das Teströhrchen in einen Sammelbehälter.

Testergebnis geht vom Labor an den Hausarzt

Die Labor-Ergebnisse sollen nach einem Tag vorliegen. Sie werden der Hausarztpraxis des jeweiligen Patienten gemeldet, die über die weitere Behandlung entscheidet.

Kosten der Tests übernehmen die Krankenkassen

Die Kosten der Tests übernimmt die Krankenkasse, weil das von Gregor Brinckmann entwickelte Verfahren jeden einzelnen Test dem zuständigen Hausarzt zuteilt. „So wird die Laborleistung direkt von der Praxis beauftragt“, sagt der Initiator. „Der Betrieb des Testzentrums, die medizinische Arbeit vor Ort, ist kostenlos. Das machen wir Bergedorfer Hausärzte ehrenamtlich.“

Ärzte und ihre Teams arbeiten ehrenamtlich

Genau auf diese Ehrenamtlichkeit scheint die Behörde zu setzen, übernimmt sie doch keinerlei Personalkosten. „Wir machen das gern – aus Verantwortung unseren Patienten gegenüber und um unsere Praxen vor einem Ansturm Corona-Besorgter zu schützen“, sagt Brinckmann. Aber eine Anerkennung als offizielles Hamburger Pilotprojekt samt anteiliger Übernahme von Personalkosten hätte er sich doch gewünscht.

CDU fordert Anerkennung als offizielles Hamburger Pilotprojekt

Genau das will der Bürgerschaftsabgeordneter Dennis Gladiator (CDU) jetzt bei der Senatorin anregen. Wie berichtet, war er bereits in den letzten Tagen im Gespräch mit Cornelia Prüfer-Storcks. Gladiator: „Ich bin stolz auf die Bergedorfer Ärzte und ihr Durchhaltevermögen. Sie habe es verdient, offizielles Pilotprojekt zu werden.“