Jubiläum

50 Jahre HAW – und ein neues Kapitel für Lohbrügge

Der Campus Bergedorf wurde 1972 eröffnet, zwei Jahre nach der Gründung der Fachhochschule Hamburg.

Der Campus Bergedorf wurde 1972 eröffnet, zwei Jahre nach der Gründung der Fachhochschule Hamburg.

Foto: Foto / NEWS & ART

1970 wurde die Fachhochschule Hamburg gegründet. Der Campus Lohbrügge folgte 1972 – dennoch hat Bergedorf von Anbeginn an mitgemischt.

Lohbrügge. Sie prägen seit vielen Jahren das Stadtbild von Lohbrügge: Fachsimpelnd und plaudernd ziehen junge Studenten immer werktags – Coronazeiten mal ausgenommen – vom Bahnhof Bergedorf zum Ulmenliet. Ihr Ziel: die Fakultät Life Sciences der Hochschule für Angewandte Wissenschaften. Nun feiert die HAW Geburtstag: Vor 50 Jahren wurde ihr Vorgänger, die Fachhochschule, als Zusammenschluss aus 13 bisher selbstständigen Hamburger Fach- und Ingenieurschulen gegründet. Heute hat die HAW in Hamburg vier Fakultäten und 17.000 Studenten.

Auch wenn es den Lohbrügger Campus im Gründungsjahr 1970 noch nicht gab: Bergedorf war von Anfang an dabei. Das vom hiesigen Unternehmer Kurt A. Körber gegründete Tabak Technikum Hamburg (TTH) war ebenfalls in der neuen Fachhochschule Hamburg aufgegangen. Körber war es auch, der auf einen Campus im Bezirk Bergedorf drängte. Mit Erfolg: 1972 wurde der Standort Lohbrügge eröffnet.

Anfangs waren es nur etwa 700 Studenten

Aller Anfang war eher klein. Nur etwa 700 junge Menschen studierten damals am Ulmenliet unter anderem in den Fachbereichen Produktions- und Verfahrenstechnik sowie später Bioingenieurwesen. Professor Heinrich Martin, einer der ersten Dozenten damals, erinnert sich noch gut an die Anfänge der Lohbrügger Fachhochschule. „Wir sind ungefähr Ende 1972 eingezogen und der Standard war schon sehr hoch“, erzählt der 83-Jährige, der einst Fertigungstechnik studiert hat. Beispielsweise habe „in der obersten Etage jeder der Dozenten seinen eigenen Raum“ beziehen können. Auch Kurt A. Körber habe ein Büro besessen, es aber nie genutzt.

Die Fachhochschule war so geräumig, dass auch große Feiern möglich waren. Dennoch hätten viele Studenten mit dem nicht citynahen Standort Lohbrügge gehadert, weiß der einstige Dozent: „Die Wirtschaftsingenieure mussten manchmal aus der Stadt nach Bergedorf, und dann weiter nach Harburg – die sind für die Vorlesungen sozusagen immer im Kreis gefahren.“

2005 wurde die HAW umstrukturiert

Im Laufe der Jahre besserte sich die Struktur. 2005 erlebte die kurz zuvor in „HAW“ umbenannte Fachhochschule die größte Umstrukturierung ihrer Geschichte: Aus vormals 13 Fachbereichen wurden vier Hamburger Fakultäten. Die „Life Sciences“ in Lohbrügge mit ihren sieben Departments haben heute knapp 4000 Studenten – das sind fast sechsmal mehr Studierende als zu den Anfangszeiten.

Und bald schon wird in der Geschichte der Lohbrügger Fakultät ein weiteres Kapitel aufgeschlagen: Die HAW soll in Oberbillwerder einen neuen Standort bekommen, will Lohbrügge dafür in etwa zehn Jahren verlassen. Was dann aus dem denkmalgeschützten, aber stark sanierungsbedürftigen Gebäude in Lohbrügge wird, ist völlig offen.

DER STANDORT LOHBRÜGGE:

Am Campus Bergedorf bietet die Fakultät Life Sciences die Studiengänge Umwelttechnik, Medizintechnik, Gesundheitswissenschaften, Ökotrophologie, Biotechnologie und (hochschulübergreifend) Wirtschaftsingenieurwesen an. Verfahrenstechnik wird bereits seit 1956 in Bergedorf gelehrt: Der Unternehmer Kurt A. Körber gründete damals das Tabak Technikum, weil er gut ausgebildete Ingenieure für seine Hauni-Werke brauchte.

Heute lernen und lehren fast 4000 Studierende und Professoren/innen am Ulmenliet. Im Wintersemester 2019/20 waren es insgesamt 3.868 Studierende – darunter etwas mehr Männer als Frauen. Außerdem arbeiten und wirken hier 212 Hauptamtlich Beschäftigte (davon 125 männlich, 87 weiblich). Da die Gebäude eigentlich nur für 700 Studierende konzipiert waren, ist ein Umzug in den neuen Stadtteil Oberbillwerder geplant.