Als Hamburger Pilotprojekt

Corona-Testzentrum Bergedorf: Nun will die Senatorin doch

So könnte auch in Bergedorf an der Straße Am Schleusengraben getestet werden: Das neue Corona-Testzentrum für den Kreis Stormarn in einem Gewerbegebiet in Ahrensburg

So könnte auch in Bergedorf an der Straße Am Schleusengraben getestet werden: Das neue Corona-Testzentrum für den Kreis Stormarn in einem Gewerbegebiet in Ahrensburg

Foto: Janina Dietrich / HA

Bergedorfs Hausärzte um Organisator Gregor Brinckmann sind vorsichtig optimistisch. Doch die Kassenärztliche Vereinigung mauert noch.

Bergedorf. Zwei Tage nach dem Scheitern des Bergedorfer Corona-Testzentrums kommt jetzt plötzlich doch Bewegungen in das Projekt. Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks bezeichnete es gestern überraschend sogar als mögliches Pilotprojekt für Hamburg. Dabei war das Bezirksamt Bergedorf am Sonntag vom Senat noch zurückgepfiffen worden, was das Scheitern zur Folge hatte. Denn das Amt stellte den Rahmen für alles sicher, was beim Testzentrum nicht medizinisch ist.

„Aus politischen Gründen medizinisch sinnvolles Projekt geopfert“

Dass es nun anders kommen könnte, liegt am massiven Medienecho, aber auch an deutlichen Worten verschiedener Mediziner. So machte Prof. Dr. Marco Sailer, ärztlicher Direktor des Bethesda Krankenhauses, gestern in einem offenen Brief an Bürgermeister Peter Tschentscher seinem Unmut Luft: „Viele Kolleginnen und Kollegen in der ambulanten Versorgung, wir hier in der Klinik und wahrscheinlich auch die Kollegen vom Bergedorfer Gesundheitsamt sind entsetzt. Offensichtlich wurde hier aus politischen Gründen, ein medizinisch hochgradig sinnvolles Projekt geopfert.“

Großes Lob für Organisator Gregor Brinckmann

Großes Lob zollt Sailer dem Motor des Testzentrums, Hausarzt Gregor Brinckmann vom Reetwerder: „Er hat es vermocht, mit unermüdlichem Einsatz in Rekordzeit ein interdisziplinäres und Sektoren-übergreifendes Konzept mit Modellcharakter zu erstellen, welches auf sehr obskure Weise kurz vor Realisierung am Sonntagnachmittag jäh gestoppt wurde.“

Kassenärztliche Vereinigung fordert Antrag auf Zweigpraxis

Zu den Hintergründen mochte sich die Gesundheitsbehörde auch gestern nicht detailliert äußern. Sie verwies auf „einige weiterhin offenen Fragen bei der Kassenärztlichen Vereinigung“. KV-Sprecher Sprecher Dr. Jochen Kriens sagte gestern Abend auf Nachfrage unser Zeitung: „Wir haben bisher überhaupt keine Kenntnis von dem Projekt.“ Und sollten die Coronatests über die Krankenkassen abgerechnet werden, müsse eine sogenannte Nebenbetriebsgenehmigung beantragt werden.

„Das ist reiner Bürokratismus“

Gregor Brinckmann macht das fassungslos: „Das ist reiner Bürokratismus. Ich habe den KV-Chef natürlich längst informiert. Was jetzt von mir gefordert wird, ist die Eröffnung einer Zweigpraxis. Abgesehen davon, dass ich dann meine eigene Praxis vorübergehend schließen müsste, könnte diese Genehmigung erst in sechs Wochen erteilt werden. Erst dann tagt der Zulassungsausschuss von KV und Krankenkassen.“

Hoffen auf Start noch in dieser Woche

Doch Brinckmann hofft, das Testzentrum zusammen mit den anderen 70 Bergedorfer Hausärzten kurzfristig, „vielleicht noch in dieser Woche“ eröffnen zu können. Denn durch die Kehrtwende der Senatorin darf das Bezirksamt plötzlich wieder seine Rolle für das Projekt einnehmen. Zudem bekommt die KV heute einen Brief, in dem Brinckmann mit Bezug auf das grüne Licht der Senatorin um eine formlose Genehmigung bittet.

Testzentrum soll nicht über Krankenkassen abrechnen

„Ohnehin wird weder das Testen noch die Auswertung über die Kassen abgerechnet“, so Brinckmann. „Sollte sich die KV aber weiter stur stellen, ziehe ich mich vom Projekt Testzentrum zurück.“