Hausärzte frustriert

Behörde verhindert Bergedorfer Corona-Testzentrum

So wie hier im brandenburgischen Fürstenwalde hätte das Bergedorfer Testzentrum funktionieren sollen: Ein Arzt in Schutzausrüstung reicht ein Teströhrchen durch das Seitenfenster eines Pkw. Drinnen macht der Patient selbst einen Rachenabstrich.

So wie hier im brandenburgischen Fürstenwalde hätte das Bergedorfer Testzentrum funktionieren sollen: Ein Arzt in Schutzausrüstung reicht ein Teströhrchen durch das Seitenfenster eines Pkw. Drinnen macht der Patient selbst einen Rachenabstrich.

Foto: Patrick Pleul / dpa

Der Start als Drive-in sollte Dienstag an der Straße Am Schleusengraben sein. Behörde entzieht Unterstützung in letzter Sekunde.

Bergedorf.  Kurz vor dem für Dienstag geplanten Start ist das Bergedorfer Corona-Testzentrum gescheitert. „Wir bekommen keinerlei behördliche Unterstützung mehr. Damit sind alle kurzfristig anberaumten Verträge für die Fläche – einen Parkplatz an der Straße Am Schleusengraben – sowie Lager und Logistik hinfällig“, sagte Sonntagnachmittag ein gefrusteter Gregor Brinckmann, Mediziner mit Praxis am Reetwerder und Vorstandsmitglied des Hamburger Hausärzteverbandes. Er hatte das Projekt seit über zwei Wochen vorbereitet.

Alle Grundlagen für Testzentrum waren gelegt

Tatsächlich waren mit dem Freundeskreis des Bethesda Krankenhauses als Lieferant der Schutzkleidung, den rund 70 Bergedorfer Hausärzten, die das Personal stellen wollten, und dem Bezirksamt als behördlichem Unterstützer sowie dem Bergedorfer Unternehmer Rüdiger Gramkow als Vermieter alle wichtigen Grundlagen für das Testzentrum geschaffen.

Warum das Bezirksamt Sonntagnachmittag nun plötzlich einen Rückzieher machte, ließen dessen Pressesprecher offen. Das Bergedorfer Bezirksamt hätte den vertraglichen Rahmen mit dem Vermieter ausfüllen sollen, dafür zunächst - wie berichtet - auch große Bereitschaft gezeigt.

Streit mit Gesundheitsbehörde

Tatsächlich scheint die Ursache in einem Streit mit Gesundheitsbehörde und Kassenärztlicher Vereinigung Hamburg (KV) zu liegen. Schließlich ist Seuchenbekämpfung deren Aufgabe, während die Hausärzte eigentlich nur für die Heilung ihrer Patienten zuständig sind. Genau diese Ordnung stellte die Behörde jetzt wieder her.

„Kein Bedarf für Testzentren“

Auf Fragen unser Zeitung zur Bewertung der Bergedorfer Initiative hatte die Gesundheitsbehörde diese bereits am Sonnabend für überflüssig erklärt: „Die KV ist derzeit in der Lage, alle medizinisch notwendigen Tests durchzuführen. Es besteht insofern aktuell kein medizinischer Bedarf für Testzentren.“

Hamburg fühlt sich gut gerüstet gegen Corona

Zudem sei man in Hamburg längst sehr effizient mit den Testungen nach den Kriterien des Robert-Koch-Instituts und entsprechender medizinischer Indikation, schrieb Gesundheitsbehörden-Sprecher Dennis Krämer. „Um künftig noch effizienter sein zu können und die KV bei möglichen Engpässen, etwa fehlender Schutzkleidung, zu entlasten, wäre es kurzfristig möglich, Testzentren einzurichten.“

Bergedorf bloß „private Aktion von Hausärzten“

Wann die Behörde diese sieben bereits vor zwei Wochen von Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) angekündigten Zentren eröffne, konnte ihr Sprecher auch am Sonntag noch nicht beantworten. Man sei noch in der Planungsphase, sagte Daniel Posselt. Bergedorfs Testzentrumsprojekt bezeichnete er schlicht als „private Aktion von Hausärzten“.

Hotline 116 117 weiterhin überlastet

Für sie und alle Bergedorfer, die eine Corona-Erkrankung bei sich befürchten, bleibt die Lage damit gefährlich: In den Praxen gibt es zwar noch Teströhrchen, aber fast keine Schutzkleidung mehr. Also müssen Verdachtsfälle an die mobilen Testteams der KV verwiesen werden. Doch wer deren Hotline 116 117 wählt, landet über Stunden in der Warteschleife. So kommen unklare Verdachtsfälle immer wieder persönlich in die Praxen.

Testzentrum unter freiem Himmel

Ein Testzentrum hätte dieses Drama beendet, weil alle von den Hausärzten telefonisch als Verdachtsfälle eingestuften Patienten mit dem Auto direkt dorthin geschickt und im Wagen sitzend getestet worden wären. Das hätte den Andrang auch bei der Hotline reduziert und deutlich Material eingespart. Denn unter freiem Himmel muss nicht nach jedem Test die Schutzkleidung gewechselt werden.

„Struktur der Massentestung wird uns fehlen“

Gregor Brinckmann: „Durch das gute Miteinander aller Beteiligten wäre ein Testzentrum in Bergedorf möglich gewesen, vielleicht als einzigem Hamburger Bezirk überhaupt. Kommt es rund um Ostern nun zur befürchteten ganz großen Coronawelle, hätten wir es sicher sehr gut gebrauchen können. Leider müssen wir nun wohl ganz ohne eine solche Struktur der Massentestung auskommen.“