Corona-Krise

Wie Bergedorfs Kulturszene ums Überleben kämpft

Joern Moeller und Katja Raasch haben für den „White Cube“ an der Kurt-A.-Körber-Chaussee bereits viele Spenden sammeln können. Nächste Woche startet hier zudem das „White Cube TV“ mit Musik von Martin Oberleitner und Sven van der Maer.

Joern Moeller und Katja Raasch haben für den „White Cube“ an der Kurt-A.-Körber-Chaussee bereits viele Spenden sammeln können. Nächste Woche startet hier zudem das „White Cube TV“ mit Musik von Martin Oberleitner und Sven van der Maer.

Foto: Thomas Voigt

Die Rezepte sind unterschiedlich: Spendenaufrufe, Lieferservice oder „einfach mal den Laden aufräumen“.

Bergedorf.  Konzerte und Lesungen sind längst abgesagt, aber die Mietkosten bleiben natürlich, ebenso trudeln die Rechnungen der Lieferanten ein. Wie hält sich Bergedorfs Kulturszene über Wasser? Das Stimmungsbild ist gemischt.

„Dreiviertel der Hamburger Clubs sind bedroht. Da geht vielseitige Kultur verloren, die die Stadt lebens- und liebenswert macht“, sagt Mike Weil, dessen Kulturkneipe BeLaMi seit fast 16 Jahren erfolgreich Konzerte anbietet, die jeweils 50 bis 80 Gäste anlocken. Jetzt aber startet der Überlebenskampf, denn „ich habe sonst monatlich allein einen Wareneingang im Wert von 12.000 bis 14.000 Euro, das muss jetzt bezahlt werden. Denn Darlehen und Stundungen bereiten doch nur aufgeschobene Probleme.“

Clubkombinat hat Kampagne gestartet

Der Gastronom bedauert, dass die Bergedorfer Häuser nicht einen gemeinsamen Spendenaufruf gestartet haben, sich jeder im Alleingang retten will: „Es ist schon unangenehm, dass ich nun bei den Stammgästen für mich selber betteln muss. Sonst bin ich ja nur für meine Bands mit dem Hut ‘rumgegangen.“

Aber immerhin ist er Mitglied im „Hamburger Clubkombinat“, das eine große Spendenkampagne angelegt hat (www.clubstiftung.de). „Die Spenden sind von der Steuer absetzbar, und das Geld wird anteilig an die Clubs verteilt“, so Weil. Er bekam unterdessen auch Hilfe von der Band „Maggers United“ angeboten: „Nach Corona-Zeiten könnten wir zum Benefizkonzert für die Bergedorfer Clubs in den Schlosspark einladen.“

Konzerte können leider nicht verschoben werden

Sein Spendenziel von 2500 Euro hat Joern Möller vom „White Cube“ längst erreicht, bereits 3680 Euro sind eingetrudelt: „Das ist erstmal ein gutes Polster, wir sind für drei Monate gesichert.“ Allerdings ist er traurig, dass er keine Konzerte verschieben konnte, selbst Bands aus New York absagen musste: „Wir sind schon bis Ende 2021 ausgebucht.“

Sein Nachbar Ulrich Martens vom „Happy Billard“ zeigt sich ebenso entspannt: „Wir hatten einen fetten Winter, können jetzt gut zwei Monate durchhalten.“ So nutze er die Zeit, um den 800 Quadratmeter großen Laden auf Vordermann zu bringen, da werden Türen lackiert und Fliesen im Fußboden ersetzt: „Im nächsten Jahr wollen wir schließlich groß unser 40-jähriges Bestehen feiern“, so Martens. Schockstarre beschreibt den derzeitigen Zustand in der „Klangbar“, aber „die ist ja zum Glück nur ein Hobby, ich habe ja noch ein normales Arbeitsleben“, meint Betreiber Heiko Papke.

Mietpreise belasten die Betreiber

Dennoch drücken die Mietpreise: „Ich hoffe, dass wir die Miete stunden können. Aber wir machen ja auch nicht die Mörder-Kohle, sodass wir mal eben drei oder vier Monate zurückzahlen könnten, wenn sich die Krise bis in den Sommer zieht.“ Zwar hätten schon Privatleute gespendet, aber „über den Online-Aufruf ist bislang noch kein Geld aufs Konto geflossen. Wann staatliche Hilfe kommt, ist ungewiss.“

Für ihre fünf festen Angestellten hat Uschi Arova vom „Café Chrysander“ bereits Kurzarbeit beantragt. Zudem hat sie einen Außerhaus-Verkauf gestartet, bietet Salate, Quiche oder auch mal Lasagne zum Mitnehmen an: „Allerdings darf auch bei schönstem Wetter niemand auf der Terrasse oder im Schlosspark essen. Am Sonntag hat die Polizei schon die Leute vertrieben.“ Wer mag, kann auch Gutscheine erwerben, so Arova: „Und gern ein bisschen später einlösen, wenn die Lieferanten bezahlt sind.“

Lieferdienst und Gutscheine von der Lola-Bar

Verzehrgutscheine bietet auch Andreas Leitenberger von der Lola-Bar an. Und ab sofort gibt es einen Lieferdienst für Pasta, Pizza, Kartoffelecken und Currywurst: „Wir haben brillante Hilfe von der Firma Flaschenpost, die uns für eine Woche ein Auto samt Fahrerin stellt.“ Wer zwischen 17 und 21 Uhr anruft (Telefon 724 96 63) könne eine halbe Stunde später lecker futtern. „Ich bin guter Dinge, das zu überstehen und hoffe, im Juni den Biergarten öffnen zu dürfen“, so der Kneipier. Auch seine Vermieterin, das Lola-Kulturzentrum, ist noch entspannt, so Geschäftsführerin Petra Niemeyer: „Wir fahren den Notplan und schauen uns nächste Woche mal in Ruhe die Zahlen an.“