Corona-Krise

Mit großen Schritten zum Bergedorfer Testzentrum

Wie hier in Elmshorn soll Bergedorfs Testzentrum als „Drive-in“ für ärztlich bestätigte Verdachtsfälle laufen. Foto: Daniel Reinhardt/dpa . Foto: Daniel Reinhardt/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Wie hier in Elmshorn soll Bergedorfs Testzentrum als „Drive-in“ für ärztlich bestätigte Verdachtsfälle laufen. Foto: Daniel Reinhardt/dpa . Foto: Daniel Reinhardt/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Foto: Daniel Reinhardt / dpa

Hausärzte, Gesundheitsamt und Bethesda Krankenhaus ziehen in der Vorbereitung an einem Strang. Start scheint kommende Woche möglich zu sein.

Bergedorf.  Noch sind alle Bergedorfer Hausarztpraxen geöffnet– und arbeiten wegen vieler zusätzlicher Anforderungen weit über ihre Belastungsgrenze hinaus. „Es ist nur eine Frage von Tagen, wann die ersten ausfallen . Es braucht nur ein unerkannter Corona-Fall von Arzt oder Personal ungeschützt behandelt zu werden, dann ist die ganze Praxis für 14 Tage zu“, sagt Gregor Brinckmann, Allgemeinmediziner am Reetwerder: „Wir brauchen dringend ein zentrales Bergedorfer Corona-Testzentrum. Allein schon um die normale medizinische Versorgung der chronisch Kranken aufrecht zu erhalten. Für die stellt Corona ja eine besondere Gefahr dar.“

Testzentrum als Drive-In geplant

Die Idee – wie berichtet: An einem zentralen Ort unter freiem Himmel fahren alle ärztlich bestätigten Verdachtsfälle mit dem eigenen Auto vor. Im Wagen sitzend wird durch die offene Seitenscheibe ein Abstrich im Mundraum genommen. Das könnte erheblich Schutzkleidung sparen, weil sie bei einem Testzentrum als Drive-In nicht nach jedem Abstrich gewechselt werden muss.

Personal könnten die Hausärzte stellen

Brinckmann, Vorstandsmitglied im Hamburger Hausärzteverband, hat das gemeinsam mit der Bethesda-Anästhesie-Chefärztin Anita König entwickelte Projekt vor einer Woche per Rundmail an seine etwa 70 Bergedorfer Kollegen gemeldet. Es hat er sehr viel positive Resonanz erhalten: „Es gibt breite Zustimmung, Und trotz schon jetzt höchster Arbeitsbelastung große Bereitschaft, das Projekt personell zu unterstützen. Bergedorf ist ein perfekter Ort dafür, ein Testzentrum in Eigenregie der hiesigen Ärzte, dem Bethesda- Krankenhaus und hoffentlich auch dem Gesundheitsamt auf die Beine zu stellen. Wir sind hier sehr gut vernetzt. Das ist unsere Chance.“

Jetzt müssen ausreichend Tests und Schutzkleidung organisiert werden

Am Wochenende hat Brinckmann diverse Gespräche geführt, damit in dieser Woche der genaue Standort, das Lager für Tests und Schutzkleidung sowie natürlich das Material organisiert werden können. Erhoffter Start ist kommende Woche. „Ob das klappt, hängt vor allem am Material. Schutzkleidung und auch Teströhrchen sind in allen unseren Praxen fast nicht mehr vorhanden“, sagt Brinckmann, der auf die nächsten Tage setzt: „Alle haben Bestellungen laufen. Ich hoffe sehr, dass zumindest einige ankommen – und teils ans Testzentrum weitergereicht werden.“

Möglicher Standort am Bethesda Krankenhaus

Bergedorfs Amtsarzt Dr. Jürgen Duwe steht dem Projekt positiv gegenüber: „Die mobilen Corona-Testteams, die Bürger über die Nummer 116 117 rufen können, sind dauerbesetzt. Jede Entlastung macht Sinn. Wenn die Hausärzte das Testzentrum organisieren, wird es klappen.“ Er gehe zudem davon aus, dass es mit einem Material-Kontingent aus Hamburgs Gesundheitsbehörde unterstützt werde. Als möglichen Ort nennt Duwe das Bethesda-Krankenhaus – auch wenn es dort wenig Platz für erwartete Auto-Schlange gibt.

Konflikt mit Testzentren der Behörde möglich

Es droht jedoch ein Konflikt mit einem Projekt der Hamburger Gesundheitsbehörde: Sie plant an sieben Kliniken Corona-Testzentren – für Menschen ohne eindeutige Symptome. „Kommen dies so, wird der Material-Engpass dramatisch“, fürchtet Brinckmann.