Corona

Bergedorf am Freitag - Appelle zeigen langsam Wirkung

Die Bergedorfer bleiben weitgehend zu Hause: Leere Fußgängerzone Sachsentor am Freitag um 15 Uhr.

Die Bergedorfer bleiben weitgehend zu Hause: Leere Fußgängerzone Sachsentor am Freitag um 15 Uhr.

Foto: Carsten Neff / NEWS & ART

Bergedorfer sorgt sich um leichtsinnige Mitbürger. Amtsarzt empfiehlt dennoch Radtour oder Spaziergang – aber mit Vorsichtsmaßnahmen.

Bergedorf. Die Rufe nach einer Ausgangssperre werden immer lauter, gerade weil Bürgermeister Peter Tschentscher davon trotz steigender Corona-Infektionen auch Freitag noch Abstand genommen hat. Das veranlasste den Bergedorfer Andreas van Riesen zu einer E-Mail an Bezirksamtsleiter Arne Dornquast: „In unserer Stadt scheinen immer noch Ignoranz und Leichtfertigkeit auf der Tagesordnung zu stehen. Täglich beobachte ich eine große Anzahl Menschen in Bergedorf, die sich nicht im geringsten an die Bitten und Aufforderungen unseres Landes halten. Ich bin fast geneigt Sie anzuflehen: Setzen Sie sich für eine temporäre Ausgangssperre für unsere Stadt ein.“

Bezirksamtsleiter darf Ausgangssperre nicht verhängen

Auf Nachfrage unser Zeitung stellt Dornquast dazu klar: „Als Bezirksamtsleiter kann ich keine Ausgangssperre verhängen und vor allem auch nicht durchsetzen.“ Er stehe aber „in sehr kurzen Zeitabständen in Kontakt mit Bezirkssenator Andreas Dressel, um ihm die Belange der Bergedorfer nahezubringen“. Eine Ausgangssperre müsste der Senat erlassen.

Drei Grundregeln für Frühlingsspaziergänge

Das erste Frühlingswochenende steht den Bergedorfern damit also zumindest für Spaziergänge oder Radtouren zur Verfügung. Amtsarzt Dr. Jürgen Duwe mag davon auch nicht abraten, wird für heute und morgen doch Sonnenschein bei allerdings kühlen Temperaturen erwartet. „Etwas frische Luft ist unbedingt zu empfehlen. Allerdings nur, wenn man drei Grundregeln befolgt: Mindestens eineinhalb bis zwei Meter Abstand halten zu allen Menschen, mit denen man nicht sonst ständig in engem Kontakt ist. Keinesfalls die Großeltern oder andere Senioren besuchen, weil sie besonders gefährdet sind. Und unbedingt Klingelknöpfe, Handläufe und alle anderen Oberflächen meiden, die viele Menschen anfassen.“

Abstand in Kassenschlange einhalten

Wer beim Einkaufen am Kartenlesegerät die Pin-Nummer eingebe, „der darf das jetzt gern mit dem Handschuh tun“, sagt Duwe. „Und vorher unbedingt die Abstandsmarkierungen in der Kassenschlange beachten, die viele Supermärkte jetzt auf den Boden geklebt haben.“

Leichtsinnige trifft man am Eisstand

Die grundsätzliche Empfehlung des Amtsarztes, sich neben diesen bewussten Ausnahmen möglichst wenig außerhalb der eigenen Wohnung aufzuhalten, scheinen viele Bergedorfer längst umzusetzen: Freitagnachmittag war die City auffällig leer. Und wer doch unterwegs war, schaute ernst und schien ein festes Ziel zu haben. Nur vereinzelt gab es noch Leichtsinnige: Die Wartenden am Eisstand etwa, die kein Problem damit hatten, nach dem Tresen gleich an die Eiswaffel anzufassen.