Sachsentor

Abrissantrag für ehemaliges „Klier Moden“-Haus

Gilt als letztes Ensemble seiner Art in Bergedorf: Das ehemalige „Klier Moden“-Haus wurde 1732 als sogenannte Bude neben dem Kaufmannshaus von Kaffee Timm gebaut. In der Bude lebten damals die Gehilfen des Kaufmanns samt Familien.

Gilt als letztes Ensemble seiner Art in Bergedorf: Das ehemalige „Klier Moden“-Haus wurde 1732 als sogenannte Bude neben dem Kaufmannshaus von Kaffee Timm gebaut. In der Bude lebten damals die Gehilfen des Kaufmanns samt Familien.

Foto: Carsten Neff / NEWS & ART

Die Abriss-Genehmigung gilt als wahrscheinlich. Bergedorfs Politik will zumindest die Fassade zur Einkaufsstraße erhalten.

Bergedorf. Dem Sachsentor droht ein neues Abriss-Drama: Wie bereits vor Monaten von der Initiative zur Erhaltung historischer Bauten befürchtet, ist beim Bezirksamt ein Abrissantrag für das fast 300 Jahre alte Fachwerkhaus neben Kaffee Timm eingegangen. Und weder das Bezirksamt noch das Hamburger Denkmalschutzamt scheinen einen Grund zu sehen, das Vorhaben zu verhindern.

Abriss-Antrag durch Erbengemeinschaft

„Sollte es wirklich so weit kommen, werden wir uns dafür einsetzen, zumindest die Fassade zur Einkaufsstraße zu erhalten“, sagt Julian Emrich (CDU), Vorsitzender des Bauausschusses der Bezirksversammlung. Dieses unter Ausschluss der Öffentlichkeit tagende Gremium war vom Bezirksamt vor einer Woche über den Antrag einer Erbengemeinschaft informiert worden, der die einstige „Klier Moden“-Immobilie 2015 zugefallen ist. Gegenüber unserer Zeitung bestätigte das Amt den Antrag, betonte aber, darüber noch nicht abschließend entschieden zu haben.

Denkmalschutzamt arbeitet noch an Stellungnahme

Vom Denkmalschutzamt hieß es gestern: „Es wird an einer denkmalfachlichen Stellungnahme gearbeitet.“ Auf Fragen zur Genehmigungsfähigkeit eines Abrissantrages für geschützte Immobilien an prominenter Stelle, werden Auszüge des Denkmalschutzgesetzes zitiert. Danach sind Denkmäler nur so lange zu erhalten, wie die Kosten dafür den Gebrauchswert nicht übersteigen. Eine Abrissgenehmigung müsse sogar erteilt werden, wenn „überwiegende öffentliche Interessen dies verlangen“, dazu gehörten „unter anderem Belange des Wohnungsbaus“.

Sanierungsarbeiten seit zwei Jahren unterbrochen

Was die Erbengemeinschaft hier genau plant, wollte Verwalterin Ilona Wolde gestern nicht verraten. Auch zu den Hintergründen des Abrissantrags blieb sie gegenüber unserer Zeitung wortkarg. Tatsächlich sind die 2017 eingeleiteten Sanierungsmaßnahmen schon seit fast zwei Jahren unterbrochen: Im April 2018 hatte das Denkmalschutzamt die Baustelle stillgelegt, weil das Gebäude durch das Entfernen tragender Teile sowie massiven Schädlingsbefall als einsturzgefährdet galt. Die geforderten statischen Gutachten blieb die Erbengemeinschaft bis heute schuldig. Stattdessen gibt es nun den Abrissantrag.

Sorge um Original-Stuck und Tier-Ornamente

„Es darf für dieses Haus keine denkmalrechtliche Abrissgenehmigung geben“, stellt Dr. Geerd Dahms klar, Denkmalsachverständiger mit Sitz im Bergedorfer Bauausschuss. „Der Schutz erstreckt sich hier neben der Fassade zum Sachsentor auch auf alle anderen Außenwände – und natürlich auf die einzigartige Deckenmalerei, den erhaltenen Stuck, die dort ebenfalls noch vorhandenen Tier-Ornamente.“

„Protest der Öffentlichkeit nötig“

Sollte dennoch eine Genehmigung erteilt werden, sieht das Gesetz für Kritiker keine Rechtsmittel mehr vor. „Der einzige Weg, den Abriss dann noch zu verhindern, ist der Protest einer breiten Öffentlichkeit“, weiß Dahms. „Dann müssen wir alle zeigen, dass es heute so einfach nicht mehr läuft mit dem Abriss historischer Bausubstanz in Bergedorf. Schon gar nicht im Sachsentor.“