Fußgängerzonen und Bahnhof

Pflege statt Fütterungsverbot gegen die Taubenplage?

Durch massive Vermehrung sind Stadttauben vielerorts zur Plage geworden.

Durch massive Vermehrung sind Stadttauben vielerorts zur Plage geworden.

Foto: Krauthöfer / Krauthoefer

Vier Taubenschläge in Bergedorfs und Lohbrügges City gefordert. Marktkauf will den ersten bauen, wenn die anderen drei tatsächlich folgen.

Lohbrügge. Hamburgs Umgang mit seinen Stadttauben ist ebenso grausam wie kurzsichtig – meint jedenfalls Susanne Gentzsch. „Das von der Stadt 2003 erlassene Taubenfütterungsverbot ist eindeutig tierschutzwidrig. Und es stellt keine Lösung der Taubenplage dar. Die Tiere sind standorttreu. Sie entfernen sich auch bei Nahrungsmangel maximal 700 bis 1000 Meter von ihrem Geburtsort“, erläutert die Mitgründerin des Bergedorfer Vereins „Gandolfs Taubenfreunde“ Mittwoch im Wirtschaftsausschuss der Bezirksversammlung.

15.000 Euro Baukosten veranschlagt

Die Forderung der 61-Jährigen, die sich seit 2004 dem Schutz der Tiere verschrieben hat: Bergedorfs Zentrum braucht vier große Taubenschläge, um dem Problem im Bahnhof, in den Fußgängerzonen und Parkhäusern Herr zu werden. Die Kosten pro Stück taxierte sie auf 15.000 Euro – plus 7500 Euro pro Jahr für den Betrieb.

Viele unhaltbare Vorurteile gegen Tauben

Bevor sie konkreter wurde, räumte Susanne Gentzsch im Ausschuss mit vielen Vorurteilen gegen Tauben auf. So seien die angeblichen „Ratten der Lüfte“ keine Krankheitsüberträger, fressen Müll nur im äußersten Notfall und zersetzen mit ihrem Kot auch nicht das Mauerwerk der Gebäude. „Was aber tatsächlich ein akutes Problem ist, sind ihre vielen Nachkommen. Bis zu sechs Mal pro Jahr werden Jungtiere ausgebrütet, durchschnittlich zwei pro Gelege.“

Augsburg als Vorbild für viele Städte

Genau hier setzt seit einigen Jahren Augsburg an – und ist für viele Städte längst zum Vorbild geworden: Die Verwaltung hat 14 große Taubenschläge im Stadtgebiet aufgestellt und so die Tiere flächendeckend von der Straße geholt. Weil die Vögel hier gefüttert werden und als standorttreue Nachkommen dann auch leben und brüten, verlassen sie den Schlag nur zu kleinen Rundflügen. „Hier können die Eier gegen Attrappen aus Gips oder Hartplastik ausgetauscht werden, bevor sie ausgebrütet werden“, sagt Gentzsch. „Das reduziert die Taubenplage ganz ohne Tierleid.“

Hamburg bräuchte 90 Taubenschläge

Augsburgs Beispiel gefolgt sind – zumindest mit einigen Taubenschlägen in der Stadt – etwa Dortmund, Stuttgart, Frankfurt am Main sowie Hannover. Und Berlin hat seit 2017 sogar eine Taubenbeauftragte. „Eines der letzten Negativ-Beispiele bleibt Hamburg mit seinem Fütterungsverbot und bloß vier Taubenschlägen, die alle von Vereinen betrieben werden. 90 wären nötig, um das Problem wirklich anzugehen“, rechnete Susanne Gentzsch im Ausschuss vor.

Auch CCB und Lohbrügger markt als Standorte

Vier davon würde sie in Bergedorfs Zentrum platzieren: am Mohnhof, auf dem CCB, am Lohbrügger Markt – und der Taubenschlag auf dem Marktkauf-Parkdeck ist sogar schon im Gespräch.

Marktkauf nach Anschlag der Taubenhasser aktiv

Nachdem dort im Herbst Taubenhasser Giftweizen ausgelegt hatten, suchte das Management den Kontakt zu „Gandolfs Taubenfreunden“. Auf Nachfrage unserer Zeitung hieß es gestern: „Generell sind wir bereit, einen derartigen Taubenschlag auf unserem Center einzurichten – aber nur, wenn das im Wirtschaftsausschuss vorgestellte Konzept mit mindestens vier Schlägen im Bergedorfer Zentrum umgesetzt wird.“