Wahlkampf

SPD kritisiert Ali Simseks Wahlplakate

Für Ilhan Demir (li.), türkischen Herrenfriseur am Bahnhofsvorplatz, ist es selbstverständlich, ein Plakat von SPD-Bürgerschaftskandidat Ali Simsek (re.) in seinem Salon aufzuhängen: „Er wäre für uns Türken ein wichtiger Mann im Hamburger Landesparlament.“

Für Ilhan Demir (li.), türkischen Herrenfriseur am Bahnhofsvorplatz, ist es selbstverständlich, ein Plakat von SPD-Bürgerschaftskandidat Ali Simsek (re.) in seinem Salon aufzuhängen: „Er wäre für uns Türken ein wichtiger Mann im Hamburger Landesparlament.“

Foto: Ulf-Peter Busse

Bergedorfs Sozialdemokraten wollen nur für die Top-Leute auf ihren Listen plakatieren – nicht für die Nummer 47 Ali Simsek.

Bergedorf.  Für die SPD in Bergedorf gilt Ali Simsek bei dieser Bürgerschaftswahl als Rebell. Dabei ist der 46-jährige Lohbrügger mit türkischen Wurzeln eigentlich nur ein engagierter Kämpfer für das Hamburger Wahlrecht. Denn Simsek hat das Problem, dass ihn seine Partei bloß auf Platz 47 der Landesliste gesetzt hat – ein aussichtsloser Rang, weil am 23. Februar kaum mehr als zehn Sozialdemokraten über diese Liste in die Bürgerschaft einziehen dürften.

Simsek kämpft gezielt um seine Stammwähler

Dennoch betreibt Simsek, der schon von 2011 bis 2015 für die SPD in der Bürgerschaft saß, seit Wochen engagiert Wahlkampf. Er klebt Plakate mit seinem Konterfei, organisiert Veranstaltungen zu seinen Themen wie bezahlbares Wohnen, Chancengleichheit an Schulen oder besseren ÖPNV. Und er sucht das Gespräch mit den Bürgern, vor allem türkischstämmigen Hamburgern und Bergedorfern, die dem Erdogan-Regime kritisch gegenüber stehen – das ist Simseks Stammwählerschaft.

Plakate beim Gemüsehändler und bei türkischen Friseuren

Das Ziel: Sie sollen in zwölf Tagen alle Kreuze bei seinem Namen machen – ihn in so auf einen der vorderen Plätze hieven. Das entspricht dem Kerngedanken des 2009 novellierten Wahlrechts. Seither können die Bürger die Reihenfolge der Kandidaten auf den Parteilisten verändern. „Ich stehe für zielgruppenorientierten Wahlkampf. Das bringt auch der SPD Stimmen. Und zwar solche, die sie ohne meinen Einsatz gar nicht hätte“, sagt Ali Simsek, der sich dennoch scharfe Kritik der Partei zuzieht – wegen seiner Wahlplakate, die unter anderem beim türkischen Gemüsehändler am Bergedorfer Bahnhof und bei verschiedenen türkischen Friseuren hängen.

SPD: Das ist verwirrend für die Wähler

„Wir haben im Kreisvorstand einstimmig beschlossen, dass nur die vordersten drei unserer Direktkandidatenliste und mit Britta Schlage die am höchsten platzierte Bergedorferin auf der Landesliste eigene Plakate bekommen“, sagt Dr. Christel Oldenburg, stellvertretende SPD-Vorsitzende in Bergedorf. „Andernfalls würde ein Meer von Kandidaten-Porträts an den Straßen stehen und die Bergedorfer nur verwirren. Ohnehin gehören wir mit vier Gesichtern schon zu den Kreisverbänden, die am meisten Kandidaten zeigen.“

Auch Juso-Chef Alexander Mohrenberg ist Rebell

Dass Ali Simsek sich nicht daran hält, wie übrigens auch der Hamburger Juso-Chef Alexander Mohrenberg aus Bergedorf (Platz 17), „werden wir nach der Wahl auf unserer Kreisdelegiertenversammlung diskutieren“, sagt Christel Oldenburg. Gegen die Abweichler gebe es schon „sehr viele kritische Stimmen.“

Simsek will Diskussion in der SPD anregen

Tatsächlich ist die SPD mit ihrer reduzierten Kandidaten -Plakatierung nicht allein. Auch viele der anderen Parteien behalten ihre Werbung den Gesichtern vor, die sie auf ihren Listen ganz vorn platziert haben. Ali Simsek kann diese Praxis nicht nachvollziehen: „Das sollte unbedingt diskutiert werden – nicht nur bei uns in der SPD.“