Bergedorf

Maler protestiert: „Brunnen darf nicht grau werden“

Malermeister Manfred Sartig (80) mit einem Bergedorf-Bildband vor dem Sievers-Brunnen: „Der Brunnen ist in der farbigen Gestaltung zum Bergedorfer Wahrzeichen geworden.“

Malermeister Manfred Sartig (80) mit einem Bergedorf-Bildband vor dem Sievers-Brunnen: „Der Brunnen ist in der farbigen Gestaltung zum Bergedorfer Wahrzeichen geworden.“

Foto: Carsten Neff / NEWS & ART

Am Bergedorfer Siervers-Brunnen haben die Arbeiten zur Entfernung von Rost und Farbe begonnen. Ein Maler ruft zu Protest auf.

Bergedorf.  Manfred Sartig ist entsetzt. „Als ich in der Bergedorfer Zeitung las, dass der Sievers-Brunnen jetzt einfarbig werden soll, dachte ich an einen Scherz.“ Mittlerweile ist dem 80-jährigen Malermeister nicht mehr zum Scherzen zu Mute, „inzwischen bin ich einfach nur noch fassungslos.“

Denn Maler Manfred Sartig gehörte zu den Handwerker-Kollegen, die in den 1980er Jahren mit viel persönlichem Engagement den historischen Schalenbrunnen am Kaiser-Wilhelm-Platz zu einem Bergedorfer Kleinod umgestaltet haben.

Sievers-Brunnen mit Bitumen-Farbe gestrichen

„Der Sievers-Brunnen und der ganze Platz waren damals in einem bedauernswerten Zustand“, erinnert sich Sartig: „Der gusseiserne Brunnen war einfarbig mit schwarzer Bitumen-Farbe in mehreren Schichten gestrichen. Die Inschrift auf dem Sockel und die feinen Strukturen der Ornamente waren dadurch kaum noch erkennbar.“

Die Wirtschaftliche Vereinigung Bergedorf (heute WSB) unter dem damaligen Vorsitz von Claus Brendel von der Firma Glunz, nahm sich vor, den dunklen Platz mit dem schwarzen Brunnen zu verschönern. Dafür wurden Spendengelder von Bergedorfern eingeworben.

Die beteiligten Handwerker, so auch Maler Manfred Sartig, arbeiteten zu Selbstkosten: „Für uns war die Arbeit am Brunnen ein Engagement für Bergedorf, wir verstanden das als Ehre.“

Bergedorfer Künstler übernahmen Gestaltung

Mit verschiedenen Bergedorfer Künstlern, wie Janos Enyedi oder Thomas Graff und dem Historiker Gerd Hoffmann wurde die farbliche Gestaltung des Brunnens eingehend beraten. Dann ging Sartig ans Werk.

„Der Metallbrunnen sollte seine metallische Optik behalten, aber Farben die Figuren, Tiere und Ornamente betonen“, erklärt der Experte: „Deshalb habe ich eine spezielle Eisenschutzfarbe mit Aluminium-Partikeln benutzt, die metallisch funkelte.“ Die Schmuck-Ornamente und Figuren wurden nicht blickdicht gestrichen, sondern im „Airless“-Verfahren mit Lasur besprüht. Die Materialstruktur des Gusseisens blieb trotz der farbigen Gestaltung so erhalten.

Brunnen wurde zu beliebtem Treffpunkt

„Nachdem der Brunnen farbig glänzte, wurde der Kaiser-Wilhelm-Platz zu einem belebten und beliebten Treffpunkt der Bergedorfer“, erinnert sich Manfred Sartig nicht ohne Stolz. Als in den 90er Jahren der Brunnen dann mit bunter Deckfarbe „dichtgeschmiert“ wurde, habe sich der Malermeister bei dem damaligen Bezirksamtsleiter Christoph Krupp beschwert – „aber leider ohne durchschlagenden Erfolg“.

Nun will das Denkmalschutzamt den 1888 errichteten Sievers-Brunnen einfarbig streichen, weil dies ursprünglich so war. Verschiedene Grau-Töne und ein Grün-Ton sind im Gespräch.

Sartig: „Das wäre nicht Denkmalschutz, sondern eine Sünde! Die Testfelder auf dem Brunnensockel und die vorgeschlagene Farbwahl zeigen, dass es den Verantwortlichen hier an Verantwortung fehlt.“

„Brunnen darf nicht grau werden“

Malermeister Manfred Sartig ruft die Bergedorfer Geschäftsleute, Künstler und „alle, die Bergedorf lieben“, zum Protest gegen den Beschluss der Denkmalschützer auf: „Wir müssen das verhindern! Der Brunnen darf nicht grau werden.“

Der 80-Jährige, der auch im Hamburger Geschichtsverein aktiv ist, geht sogar so weit, dass er seine Hilfe anbietet: „Ich würde bei der Wiederherstellung der Farbgestaltung der 1980er Jahre gerne ehrenamtlich mit tätig werden.“ Zwei Drittel der Befragten hatten sich bei einer 24-Stunden-Online-Umfrage unserer Zeitung für einen mehrfarbigen Brunnen ausgesprochen.

Die Zeit drängt: Denn bis Ostern sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. Das Entfernen der alten Farbe mit Hilfe eines Glasperlenstrahlers soll bereits heute beginnen.