Antrag der CDU

Mehrheit lehnt Handwerker-Stellplätze ab

Handwerker wünschen sich direkt an Baustellen neu entstehender Wohngebiete Stellplätze für „Dienstleistungen und Materialanlieferungen“.

Handwerker wünschen sich direkt an Baustellen neu entstehender Wohngebiete Stellplätze für „Dienstleistungen und Materialanlieferungen“.

Foto: Thomas Voigt

Handwerker beklagen Stellplatznot in Bergedorfs Innenstadt. Die Mehrheit lehnt eine Sonderrreglung ab: Diese gefährde den Bau von Wohnungen. will keine Stellplätze könnten später von anderen Diensten genutzt werden. Koalition lehnt ab.

Bergedorf. Unterstützung für das Handwerk – das versprechen SPD, Grüne und FDP in ihrem just erstellten Koalitionsvertrag für den Bezirk Bergedorf. Allerdings vergaben die Regierungsparteien aus Sicht der Handwerker ihre Chance, dafür ein sichtbares Zeichen zu setzen: In der Bezirksversammlung lehnten sie mehrheitlich einen CDU-Antrag für „Handwerkerstellplätze“ ab.

Ohne Stellplätze keine Handwerker

Die Idee, Stellplätze für Gewerke zur Anlieferung schwerer Baumaterialien, Maschinen und für Service-Kräfte zu schaffen, hegt die Handwerkskammer schon länger. Die Branche klagt nicht nur in Bergedorf, sondern in ganz Hamburg über Stellplatznot. Teilweise hinge die Annahme von Aufträgen davon ab, ob am Bauort Parkplätze vorhanden sind oder nicht, weiß Andreas Kuttenkeuler von der Handwerkskammer Hamburg.

Zuletzt formulierten Bergedorfs Handwerker am Runden Tisch „Arbeitstreffen Handwerk“ mit Vertretern von SPD, Grünen, Linken und der CDU den Wunsch nach sogenannten Handwerker-Stellplätzen. Von der Union wurde der Antrag formuliert.

Ein Sonderstellplatz ab 20 Wohnungen

Bezirksamtsleiter Arne Dornquast wird darin aufgefordert, sich beim Senat für eine Änderung der Hamburger Bauordnung einsetzen, an Gebäuden ab 20 Wohnungen „mindestens einen Stellplatz für Handwerker vorzusehen und auf Dauer zu erhalten“. Dies solle für Bauherren im Bezirk Bergedorf verpflichtend eingeführt werden.

„Mit Bauende könnten auch Pflegedienste oder Zusteller diese Stellplätze nutzen, dadurch Zweite-Reihe-Parken spürbar reduziert werden“, nennt Bernd Capeletti (CDU) einen weiteren Nutzen. Denkbar ist aus seiner Sicht auch eine tageszeitlich begrenzte Regelung, beispielsweise montags bis freitags von 6 bis 18 Uhr.

Am „Fras“ parken, im Sachsentor arbeiten?

Bezirkshandwerksmeister Christian Hamburg begrüßt den Vorschlag und nennt bewusst ein etwas überzogenes Beispiel: „Wir können ja nicht am Frascatiplatz parken, wenn wir im Sachsentor arbeiten. Das Handwerk hat ein Riesenproblem, bestimmte dringende Serviceleistungen anzubieten und Materialien anzuliefern. Es geht ja nicht darum, dass wir einen möglichst bequemen und kurzen Fußweg zur Baustelle haben.“

Doch die Skepsis überwog im Plenum, Rot-Grün-Gelb lehnte den Antrag ab. Heinz Jarchow (SPD) äußerte, solche Sonderstellplätze könnten den ohnehin knappen Wohnraum beschränken und dass diese Stellplätze auf Dauer möglicherweise gar nicht genutzt würden. „Ausnahmegenehmigungen sind doch immer beim Polizeikommissariat möglich.“

„Hilferuf der Handwerkskammer ignoriert“

Doch es geht eben eher um die Regel als um die

Ausnahme. Christian Hamburg ist fassungslos: „Diese Ablehnung ist eine Katastrophe für das Handwerk.“ Auch Capeletti ist enttäuscht: „Das war ein Hilferuf der Handwerkskammer. Der darf nicht so einfach ignoriert werden.“