Trotz belasteter Fische

Umweltbehörde sieht Gift in Fleeten entspannt

Diese Fische sind im Auftrag der Umweltbehörde aus den Neuallermöher Fleeten entnommen und positiv auf das krebserregende Vinylchlorid getestet worden.

Diese Fische sind im Auftrag der Umweltbehörde aus den Neuallermöher Fleeten entnommen und positiv auf das krebserregende Vinylchlorid getestet worden.

Foto: Werner Kleint

Neue Grundwasser-Behandlungsanlage wird erst im April am Nettelnburger Landweg gebaut. Bakterien sollen dort Gift aus dem Grundwasser entfernen.

Neuallermöhe. Die Umweltbehörde reagiert auf das Gift in Neuallermöhes Fleeten ruhig. Obwohl im Januar bei der Untersuchung von Fischen aus Gewässern rund um den Grachtenplatz das krebserregende Vinylchlorid (durchschnittlich 22 Mikrogramm je Kilo Fisch) nachgewiesen wurde, sind außer dem Bau einer Grundwassersanierungsanlage am Nettelnburger Landweg keine Maßnahmen vorgesehen. Es bleibt bei der allgemeinen Empfehlung, den Fisch-Verzehr einzuschränken oder ganz zu unterlassen, wenn in den vergangenen Jahren sehr viel Fleetfisch gegessen wurde.

Pflanzen werden nicht auf Gift untersucht

Auf Nachfrage unserer Zeitung bestätigt die Umweltbehörde nun, dass weder bekannt ist, wie weit sich das mit dem Grundwasser eingetragene Vinylchlorid in den Fleeten ausgebreitet hat, noch ob es neben den Fischen auch von Pflanzen aufgenommen wird. Allerdings: Es deute vieles darauf hin, dass „Randbereiche wenig betroffen“ seien, weil das aus alten Maschinen-Entfettungsmitteln der Hauni stammende Gift mit dem Grundwasser vor allem in das Annenfleet und den Grachtenteich strömt. Und Pflanzen würden gar nicht untersucht, weil sie nicht in die menschliche Nahrungskette kämen.

Nettelnburgs Gräben nicht betroffen

Entwarnung gibt die Umweltbehörde für Nettelnburgs Gräben und Gewässer: Weil deren Wasser nach Neuallermöhe fließt und der Gifteintrag erst dort geschieht, „ist eine Verunreinigung in Nettelnburg auszuschließen“.

30 Meter tiefe Brunnen geplant

Im April beginnen dann nahe der Aral-Tankstelle am Nettelnburger Landweg die Bohrungen für eine Grundwassermess- und -behandlungsanlage. Geplant sind fünf etwa 30 Meter tiefe Injektionsbrunnen sowie sieben weitere Messstellen zur Überwachung der Sanierung, die auf biologische Weise erfolgt.

Glycerin soll „hungrige“ Bakterien anlocken

Im geplanten Verfahren werden Bakterien animiert, das Vinylchlorid noch im Grundwasser aufzufressen. Um sie anzulocken, bringen die Experten der Umweltbehörde das unschädliche Glycerin in die Grundwasserschicht ein, das die Bakterien besonders mögen. Es handelt sich dabei um ein Projekt, „mit dem bereits 2019 auf dem Quellgrundstück ein Sanierungserfolg erzielt werden konnte“, sagt Umweltbehörden-Sprecher Björn Marzahn.

Behörde erwartet Sanierungsdauer von 20 Jahren

Die neue Anlage bedeutet allerdings noch längst keine Entwarnung für Neuallermöhes Fleete: Die Behörde rechnet mit einer Sanierungsdauer von 20 Jahren.