Neuanstrich nötig

Denkmalschutz ordnet an: Sieversbrunnen wird einfarbig

Der Sieversbrunnen – derzeit voller Rost – soll neu gestrichen werden und dann wieder einfarbig sein.

Der Sieversbrunnen – derzeit voller Rost – soll neu gestrichen werden und dann wieder einfarbig sein.

Foto: Carsten Neff / NEWS & ART

Das historische Bauwerk ist voller Rost, braucht neue Farbe. Die Denkmalschützer wollen die bunten Details entfernen lassen.

Bergedorf.  Die kurze Drucksache zur Sitzung des Kulturausschusses in der kommenden Woche offenbart unglaubliches: Der farbenprächtige Sievers-Brunnen am Kaiser-Wilhelm-Platz zwischen „Kaffee Timm“ und „Schuh Bode“ soll einfarbig gestrichen werden. So will es das Denkmalschutzamt. Denn an dem 1888 errichtete Schalenbrunnen war – so zeigen historische Bilder – „ursprünglich keine Farbigkeit gegeben“, heißt es in der Drucksache 21-0313.

Erst 2019 wurde der Brunnen frisch gestrichen

Dabei war der Brunnen erst im vergangenen Jahr für 25.000 Euro aus Unterhaltungsmitteln aus Grünanlagen entrostet und frisch gestrichen worden: Der sprühende Jüngling, die Putten und die Löwenköpfe in strahlendem Gold, Fische und Ornamente der Brunnenschale in kräftigem Türkis, Frösche und Amphibien sowie der Blätterkranz am Sockel in leuchtendem Grün, Gelb und Rot. Das Problem: Die beauftragte Malerfirma hat offenbar gepfuscht. Schon nach wenigen Monaten kommt überall kräftig der Rost wieder durch.

„Die mangelhaften Arbeiten müssen daher auf Kosten der ausführenden Firma erneut durchgeführt werden“, sagt Enno Isermann, Sprecher der Hamburger Kulturbehörde. Doch nun soll es bei einer Uni-Farbgebung bleiben. Isermann: „Historische Abbildungen zeigen einen einfarbigen Brunnen. Die ursprüngliche Farbgebung lässt sich darauf aber heute nicht mehr eindeutig feststellen.“

Testfelder in mausgrau und blaugrau

So wurden am Sockel Testfelder in mausgrau und blaugrau gepinselt. Das Denkmalschutzamt schlägt eine grünpatinierte Oberfläche, ähnlich der Kaiser-Büste gegenüber, vor. Vorgestern gab es einen Ortstermin mit dem Bezirksamt und den Denkmalschützern. Doch die Experten konnten sich dabei noch nicht auf eine Brunnenfarbe einigen.

Der gusseiserne Brunnen wurde 1888 vom Besitzer der Bergedorfer Wasserwerke, C. I. Sievers, gestiftet. Ursprünglich standen neben ihm noch zwei Kandelaber der örtlichen Gaswerke, denn der Platz war dem zivilisatorischen Fortschritt gewidmet. Wenn auch seinerzeit einfarbig, so ist der Brunnen nun bereits viele Jahrzehnte bunt gestrichen. Viele Bergedorfer finden das auch „viel schöner“. Marina Helms: „Der Brunnen ist ein Bergedorfer Wahrzeichen, wird im Sommer tausendfach fotografiert und geteilt. Einfarbig wäre er traurig, jetzt ist er ein farbenprächtiger Hingucker, ein echtes Denkmal!“