Dokumentation

Einblick ins gewaltfreie Archiv

Füllt eine Lücke aus: Der Bergedorfer Dokumentarfilmer Thomas Deuber, der heute in Aumühle lebt, zeigt im Rahmen der Ausstellung „Protest in Bergedorf – was dagegen?“ einen Beitrag zum Archiv Aktiv.

Füllt eine Lücke aus: Der Bergedorfer Dokumentarfilmer Thomas Deuber, der heute in Aumühle lebt, zeigt im Rahmen der Ausstellung „Protest in Bergedorf – was dagegen?“ einen Beitrag zum Archiv Aktiv.

Foto: Jan Schubert

Dokumentation zeigt die Arbeit von Archiv Aktiv und damit den friedlichen Protest in der Geschichte der Bundesrepublik.

Bergedorf. Diese Wissensfabrik versteht sich als „Gedächtnis der Gewaltfreien Bewegung“, als Sammelstelle des friedlichen Protests und des zivilen Ungehorsams im Deutschland nach 1945. Seit dem Jahr 1987 wird im Archiv Aktiv am Berliner Tor alles, was dazu passt, archiviert: Zeitschriften, Flugblätter, Broschüren, weiteres Material. Und das passt wie die Faust aufs Auge zur Dauerausstellung im Bergedorfer Schloss mit dem Titel „Protest in Bergedorf – was dagegen?“

Eine Top-Vorlage für Dokumentarfilmer Thomas Deuber: Der 69-Jährige beweist am Donnerstag, 16. Januar, (Beginn 19 Uhr, Eintritt frei) 47 Minuten lang „Mut zur Lücke“. Sein Film begleitet die beiden Archiv-Aktiv-Archivare Andrea Walther und Holger Isabelle Jänicke in ihrem Tun. Sie zeigen ihre Bestände, der Film wird mit Einspielern ergänzt: zum Protest gegen AKWs, Castoren, Klimawandel oder ganz allgemein zur Friedensbewegung.

Ehemaliger Lehrer hat selbst eine Protestvergangenheit

Für Thomas Deuber ist die Arbeit von Walther/Jänicke gerade jetzt von unschätzbarem Wert: „Heutige Medien wie WhatsApp oder digitales Material sind super schwer zu dokumentieren.“ Der Regisseur weiß, wovon er spricht, gehört er doch selbst zur Bergedorfer Protestbewegung, drehte auch dokumentarisches Filmmaterial zum Café Flop oder dem Wutzrock-Festival. Deuber kann sich auch hervorragend mit der aktuellen Ausstellung anfreunden: „Bergedorf besitzt eine interessante Geschichte der Protestbewegung. Mir gefallen insbesondere die zahlreichen Zeitzeugen-Interviews.“

Auch bei der vor Ausstellungsstart geäußerten Kritik, das Begleitprogramm für Kinder inklusive des Bastelns von Papierkugelschleudern oder Saatbomben aus Erde sei in Zeiten genereller Terrorangst unpassend, bleibt der 69-Jährige gelassen: „Dass sich einige Leute daran stören, zeigt ihre Humorlosigkeit“, sagt der ehemalige Lehrer an der Stadtteilschule Bergedorf.

Besucherzahlen auffallend unauffällig

Überhaupt: Die Aufregung hatte offenbar keine Auswirkungen auf die Frequentierung des Museums. Laut Museumschefin Dr. Schanett Riller sind die bisherigen monatlichen Besucherzahlen (November: 428; Dezember: 480) der Protestausstellung vergleichbar mit vorigen Ausstellungsthemen. „Von unbefangenen Besuchern kommt positives Feedback. Manche Zeitzeugen wiederum hätten sich mehr Tiefe gewünscht.“ Das sei aber nicht das Ansinnen ihres Hauses, sagt Dr. Riller: „Wir haben nicht den Anspruch, für Spezialisten Neues zu zeigen, sondern wollen Denkanstöße liefern.“