Hinter dem „Haus im Park“

„Hospiz im Park“ mit 16 Betten in Bergedorf geplant

Marianne und Hans-Michael Kay möchten mit Hilfe ihrer Stiftung in Bergedorf ein Hospiz gründen.

Marianne und Hans-Michael Kay möchten mit Hilfe ihrer Stiftung in Bergedorf ein Hospiz gründen.

Foto: Anne Strickstrock / BGZ / Anne Strickstrock

Lokstedter Ehepaar will Angebotslücke in Bergedorf schließen.

Bergedorf. Der Wunsch wird schon lange gehegt, seine Umsetzung zuletzt auch von der Politik gefordert. Gestern erfuhr Bergedorfs Sozial-Ausschuss, dass in vier bis fünf Jahren ein Hospiz in Bergedorf eröffnet werden könnte: Noch im Januar wird eine gGmbH gegründet, die Bauherr und Betreiber sein wird – in Zusammenarbeit mit dem Fachpersonal der Elb-Diakonie. Dafür will das Bezirksamt von der Körber-Stiftung das Grundstück hinter dem Haus im Park am Gräpelweg kaufen und der 2008 gegründeten Infinitas-Kay-Stiftung anhandgeben. „Wir wollen diese Idee für die Bergedorfer anstoßen. Schließlich ist Hamburgs Osten bislang ein weißer Fleck in der Hospizlandschaft“, sagen die Initiatoren Marianne und Hans-Michael Kay (73).

Größtenteils spendenfinanziert

Das gut 3000 Quadratmeter große Grundstück hinter dem Haus im Park – wo jetzt alte Pavillons stehen – bietet Platz für einen zweigeschossigen Neubau, der nicht höher als die umliegende Bebauung sein soll. Eine genaue Kostenkalkulation liegt noch nicht vor, aber „das Hospiz muss größtenteils spendenfinanziert sein“, betonen die Stifter: „Wir sind keine Millionäre, wir haben nur mal etwas gewagt“, sagt das Lokstedter Ehepaar mit Blick auf eine erste Skizze, die den Haupteingang an der Lamprechtstraße vorsieht.

Auch für junge Erwachsene

Geplant sind die für Hospize maximal zulässigen 16 Betten, von denen mindestens vier jungen Erwachsenen vorbehalten sein mögen, denn: „Zunehmend sterben auch junge Menschen an Leukämie oder einem Hirntumor. Sie brauchen aber andere Angebote als es etwa ein Kinderhospiz bietet. Zumindest einen eigenen Aufenthaltsraum“, sagt Marianne Kay.

Die Chemielaborantin kennt sich ein wenig im Palliativ- und Pflegebereich aus, seitdem ihr Vater 2001 in einem Krankenhaus verstarb – „ziemlich traurig in einem Zweibett-Zimmer“.

Wünsche Sterbender erfüllen

Dass auch Erwachsene Wünsche haben und Träume, die noch vor ihrem Tode in Erfüllung gehen mögen, war der Anlass zur Gründung des Projektes „Ein letzter Wunsch – Leben erleben“. Gut 200 Wünsche seien bereits erfüllt worden. Ein Bergedorfer Ehepaar etwa wollte gern die Operette „Frau Luna“ im Hamburger Engelsaal erleben. Eine junge Bergedorferin besuchte mit ihren beiden Töchtern noch einmal den Tierpark Hagenbeck. „Und derzeit fragen wir Guido-Maria Kretschmer, ob er mit einer 35-jährigen Krebskranken aus Bergedorf einkaufen gehen mag“, erzählt die 70-Jährige, die für ihre zupackende Nächstenliebe bereits 2014 von der Funke Medien Gruppe mit der „Goldenen Bild der Frau“ ausgezeichnet wurde.

Mitarbeit erbeten

Das neue Projekt „Hospiz im Park“ nimmt schon konkrete Formen an: Erste Gespräche mit Banken und Krankenkassen wurden geführt. Neben der Lokalpolitik stellten sich die Stifter gestern auch dem ambulant arbeitenden Bergedorfer Hospizverein vor, der um Mitarbeit gebeten wird („dann brauchen wir nicht extra einen Förderverein“). Und natürlich werden auch die Nachbarn informiert und um Akzeptanz gebeten.

„Glückliche Fügung“

Bezirksamtsleiter Arne Dornquast spricht von einer „glücklichen Fügung“, nachdem der Verein „Hände für Kinder“ von seiner Idee Abstand nahm, an selber Stelle eine Unterbringung für behinderte Jugendliche zu schaffen. Er bleibt indes begeistert von dem Standort: „Die Fläche ist zwar als Schul-Nutzung ausgewiesen, aber nicht Teil der Landhausverordnung. Wenn wir einen Bebauungsplan aufstellen müssten, wäre der zügig in 18 Monaten abgearbeitet“, verspricht Dornquast.