Extinction Rebellion

40 Klima-Rebellen blockieren Bergedorfer Straße

Aktivisten der Protestorganisation Extinction Rebellion blockieren am Sonnabend vier Mal die Bergedorfer Straße in Höhe der Fußgängerampel Neuer Weg für jeweils fünf Minuten.

Aktivisten der Protestorganisation Extinction Rebellion blockieren am Sonnabend vier Mal die Bergedorfer Straße in Höhe der Fußgängerampel Neuer Weg für jeweils fünf Minuten.

Foto: Carsten Neff / NEWS & ART

Mehrfach stand der Verkehr für einige Minuten still. Die Polizei hatte die Aktion genehmigt. Einige Autofahrer reagierten aggressiv.

Bergedorf.  Umstrittener Klimaprotest in der Bergedorfer Innenstadt: Am Sonnabend haben etwa 40 Aktivisten der Protestgruppe „Extinction Rebellion“ in der Zeit von 13 bis 15 Uhr mehrfach den Autoverkehr auf der Bergedorfer Straße kurzzeitig blockiert. Damit wollten die Demonstranten für entschlosseneres politisches Handeln gegen den Klimawandel protestieren. Die jeweils fünf Minuten langen Verkehrsblockaden waren zuvor bei der Polizei angemeldet und im Rahmen des Versammlungsrechts genehmigt worden.

Beim Verkehrsstillstand Flugblätter verteilt

Die Klimaaktivisten nennen ihre Form des Protestes „Swarming“, vermeiden den Begriff Blockade und sprechen stattdessen von einer „Störung, um Aufmerksamkeit zu erzielen“. Mit Transparenten zogen sie an der Ampel in Höhe Neuer Weg vier Mal auf die Straße und sperrten diese für jeweils fünf Minuten. Sie verteilten Flugblätter an die im Stau stehenden Autofahrer und informierten über Tafeln („Noch 3 Minuten...“), wann die Straße wieder freigegeben wurde. „Wir kommen hier mit Autofahrern und Passanten ins Gespräch, informieren über den Klimanotstand und machen darauf aufmerksam, dass unser bisheriges System – auch das Verkehrssystem – nicht nachhaltig ist“, erklärte Stefan Gertz von der Ortsgruppe Extinction Rebellion Bergedorf.

SUV-Fahrer fährt in Transparent

Viele Autofahrer hatten Verständnis für die Aktion, hoben beim Anfahren die Daumen. Andere reagierten wütend und überraschend aggressiv. Die Aktivisten wurden als „Klima-Faschisten“ und „Terroristen“ beschimpft. Ein SUV-Fahrer fuhr demonstrativ in die Transparente der Blockierer hinein. Diese wichen ein wenig zurück. Es wurde niemand verletzt. Doch die Polizei musste eingreifen.

Aktivisten: „Wir demonstrieren friedlich“

Ebenso als der Fahrer eines Kleinwagens durch den blockierten Gegenverkehr, am Stau vorbei, bedrohlich auf die Blockade zufuhr. Von verbalem Schlagabtausch abgesehen, verlief der Protest faktisch aber ruhig und sehr geordnet. „Wir protestieren friedlich, wollen keine Eskalation“, betont Mitorganisatorin Dagmar Porwitzki.

Straßenblockade ist legal – aber auch legitim?

Doch sind Straßenblockaden für den Klimaschutz auch legitim? Die Klimarebellen wissen, dass ihre Aktionen provozieren und wollen mit dieser gezielten Provokation für Aufmerksamkeit sorgen. Es geht um zivilen Ungehorsam. Verkürzt: Der Zweck heiligt die Mittel.

Kontroverse Diskussionen auf der Straße

„Das ist doch kein Protest, sondern ganz klar Nötigung“, beschwert sich der Fahrer eines getunten Audis, der vor der Blockade im Stau steht und demonstrativ den Motor aufheulen lässt. „Wir demonstrieren hier doch für die Zukunft unserer Kinder“, entgegnet der Klimaaktivist. „Deine Kinder sind mir wumpe. Ich will hier jetzt längs und ihr Gutmenschen stellt euch in den Weg. Wäre ich da vorne, ich würde einfach Gas geben.“

Von einigen Autofahrern gibt es auch Lob

Die Meinungen bei Autofahrern und Passanten über die kurzzeitigen Verkehrsblockaden gehen auseinander. „Mal fünf Minuten über den Klimaschutz nachdenken. Das finde ich gut“, lobt eine Ford-Fahrerin die Protestaktion und stellt ihren Motor ab: „Fünf Minuten steht man sonst in der Kassenschlange.“

Polizei muss eingreifen

Andere holen verbal aus: „Das sind Klimafaschisten, die gehören vergast“, so ein Passant, der seinen Namen in der „Lügenpresse“, wie er sagt, nicht lesen möchte. Die Aktivisten werden mitunter als „Nichtsnutze“, „verblendete Idioten“, „Missgeburten“ oder „Terroristen“ bezeichnet. Die Situation droht zu eskalieren, als der Fahrer eines Volvo-SUVs langsam aber unmissverständlich in die Demonstrantengruppe, die ihm den Weg versperrt, hinein rollt. Die Polizei greift rechtzeitig ein, verletzt wird niemand.

Die drei Kernziele der Klimarebellen

„Extinction Rebellion“ will mit Mitteln des Zivilen Ungehorsams beim Klimaschutz Druck machen. Die im Oktober 2018 in London gegründete Umweltschutzbewegung ist inzwischen auf sechs Kontinenten in 33 Ländern aktiv. Häufig kritisiert werden die drei unscharfen Kernziele der Klimarebellen: Ausrufen des Klimanotstands durch die Regierung, Netto-Null-Treibhausgas-Emissionen bis 2025 und das Übertragen der Entscheidungsgewalt für sämtliche Maßnahmen des Klimaschutzes vom Parlament auf Bürgerversammlungen.

Bergedorfer Gruppe zählt 80 Aktive

In Bergedorf gründete sich im Sommer 2019 die Stadtteilgruppe von „Extinction Rebellion“, die zusammen mit Aktivisten aus Lüneburg und anderen Hamburger Bezirken nun auch für die aktuelle Straßensperrung verantwortlich war. Sie hat nach eigenen Angaben rund 80 Aktive aus allen Altersschichten und machte unter anderem mit ihrem massiven Auftritt beim Wahlkampf-Abend von Bürgermeister Peter Tschentscher im Dezember in der Hasse-Aula auf sich aufmerksam.

Treffen immer dienstags im Café Chrysander

Die Stadtteilgruppe trifft sich regelmäßig dienstags um 19 Uhr im Café Chrysander. Für 2020 sind weitere Aktionen geplant. Welche das wann und wo sein werden, lassen die Aktiven bisher offen.