Bergedorfer Tafel

Immer mehr Senioren und Alleinerziehende sind bedürftig

Erfolgsprojekt Infostand: Mit Aktionen wie dieser bei Marktkauf gewinnt die Bergedorfer Tafel viele neue Ehrenamtliche - und bekommt durch die parallel laufende Aktion „Kauf’ eins mehr“ etliche Spenden.

Erfolgsprojekt Infostand: Mit Aktionen wie dieser bei Marktkauf gewinnt die Bergedorfer Tafel viele neue Ehrenamtliche - und bekommt durch die parallel laufende Aktion „Kauf’ eins mehr“ etliche Spenden.

Foto: Bergedorfer Tafel

Tafel-Chef Kuczora warnt die Politik davor, die Versorgung von Bedürftigen auf die Tafel abzuwälzen. Positiv: Viele Schülerpraktikanten helfen.

Bergedorf. Immer mehr Alleinerziehende brauchen Hilfe von der Bergedorfer Tafel. „Und es steigt die Zahl der Menschen, die nach Ende ihres Berufslebens einen Ausweis bei uns beantragen, weil die Rente nicht zum Leben reicht“, bestätigt Tafel-Chef Peter Kuczora beim Blick auf die Bergedorfer 2019er-Bilanz den bundesweiten Anstieg der Armut in diesen Gruppen.

Erstmals 700 Tonnen Lebensmittel verteilt

Zumal die Zahl der Flüchtlinge in den sieben wöchentlichen Ausgaben der Tafel gleichzeitig zurückging, ist die Zahl der Versorgten mit rund 2500 konstant. „Eine große Verantwortung. Aber weil wir erstmals mehr als 700 Tonnen Lebensmittel verteilen konnten, ist das in Bergedorf kein Problem“, sagt Kuczora, sendet aber eine Warnung an die Politik: „Wir Tafeln können diese Bedürftigen nur dabei unterstützen, mit ihrem wenigen Geld etwas besser auszukommen. Darauf darf sich der Staat nicht ausruhen. Die Fürsorgepflicht für ein menschenwürdiges Leben liegt bei ihm.“

30 Schülerpraktikanten pro Jahr

Gut 150 Ehrenamtliche zählt die Bergedorfer Tafel heute, der Altersdurchschnitt ist mit 66,2 Jahren erfreulich jung im Vergleich der 940 Tafeln, die es aktuell in Deutschland gibt. Neuerdings haben die Bergedorfer sogar noch deutlich jüngere Unterstützung, auch wenn die sich in der Statistik nicht niederschlägt: „Seit zwei Jahren kommen Schülerpraktikanten in wachsender Zahl“, sagt Kuczora, der 2019 rund 30 junge Leute für je zwei bis drei Wochen in die Ausgabe- und die Transport-Teams integrierte. „Eine großartige Entwicklung, die uns mitten in der Bergedorfer Gesellschaft ankommen lässt, auch bei den Eltern. Und die generationsübergreifende Arbeit macht zudem allen Spaß. Etliche ehemalige Praktikanten fragen schon an, ob sie uns auch in den Schulferien unterstützen können.“

Deutlich mehr Info-Stände der Tafel in 2020

Ausbauen will der Tafel-Chef 2020 die Info-Stände, die ein weiteres Erfolgsprojekt der Tafel sind. Bisher nur einmal im Februar und einmal im August bei Marktkauf aufgebaut, soll es sie künftig dreimal so häufig und in verschiedenen Supermärkten geben. „Sie sorgen dafür, dass wir mit den Bergedorfern ins Gespräch kommen, etliche neue Ehrenamtliche gewinnen – und nicht zuletzt reichlich zusätzliche Lebensmittel erhalten“, sagt Kuczora. Denn die Info-Stände stehen stets unter dem Motto „Kauf’ eins mehr“, also der Bitte, beim Einkauf auch Waren für die Tafel zu erstehen und am Stand abzugeben. „Das hat bei Marktkauf zuletzt gut 70 Kisten voller Lebensmittel gebracht – in nur sechs Stunden.“