Sachsentor

Sachsentor: Schüttfort plant Schuhhaus-Verkauf

Markanter Endpunkt im Sachsentor: das Schuhhaus Schüttfort.

Markanter Endpunkt im Sachsentor: das Schuhhaus Schüttfort.

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Erste Gespräche mit Interessenten laufen. Die Immobilie soll aber im Familienbesitz bleiben.

Bergedorf. Eine Anzeige im Online-Immobilienportal Immonet sorgt für Diskussionsstoff in Bergedorf. Rund 900 Quadratmeter Verkaufsfläche, verteilt auf zwei Etagen „in stark frequentierter Lage von Bergedorf“ sind dort bis gestern über einige Tage angeboten worden. Es handelte sich um die Verkaufsräume des erst vor drei Jahren umfangreich erweiterten Schuhhauses Schüttfort am Sachsentor.

„Das war ein Test, welcher Mietpreis zu erzielen wäre“, bestätigt Wido Schüttfort, Inhaber des 1911 gegründeten Familienbetriebes in dritter Generation. „Ich bin jetzt 65 Jahre alt und muss mich um die
Zukunft des Unternehmens kümmern.“

Neuer Inhaber wäre Mieter im Stammhaus

Weil auch seine drei erwachsenen Kinder längst in anderen Berufen erfolgreich tätig sind, plant Schüttfort die Übergabe an einen neuen Inhaber, der dann Mieter im Stammhaus am Sachsentor werden würde. Die Immobilie soll im Familienbesitz bleiben. Wann es soweit ist, sei allerdings noch völlig offen: „Gespräche mit einem ersten Interessenten laufen seit einigen Wochen. Ich hoffe sehr, dass unser Unternehmen letztlich als Ganzes in neue Hände geht, einschließlich des kompletten Teams und unseres Onlinehandels.“

Der Rückzug der Familie erfolgt nach turbulenten Jahrzehnten. Gleich zu Anfang des Jahrtausends musste das Schuhhaus die Pleite vom vis-à-vis gelegenen Textilkaufhaus Penndorf überstehen, die zu erheblichen Rückgängen der Besucherfrequenz im östlichen Sachsentor führte. Als die Eröffnung von Esprit und H&M im Neuen Mohnhof 2010 Entspannung brachte, machten sich die Schüttforts an ein neues, kompliziertes Projekt: den Erweiterungsbau an der Chrysanderstraße. Weil dafür zwei historische Speicher abgerissen werden mussten, ließ dieses vier Millionen Euro teure Vorhaben die Emotionen in Bergedorf hochkochen.

Vermietung gestaltete sich schwierig

Im Jahr 2016 konnte dann die moderne, großzügige Fläche auf zwei Etagen bezogen werden. Doch jetzt gestaltete sich die Vermietung der weiteren Geschosse alles andere als einfach. Erst seit wenigen Monaten ist nun auch diese Hürde gemeistert, kann Wido Schüttfort mit einem Zahnarzt, einer Hebammenpraxis und einem Consulting-Büro ein komplett vermietetes Haus vermelden.

Nun bereitet er das Schuhhaus auf die erhoffte Übernahme vor, was einige schmerzhafte Einschnitte bedeutet. So wurde bereits im Oktober die Harburger Filiale an der dortigen Einkaufsstraße geschlossen und 2020 wird mit Auslaufen des Mietvertrags auch
das Geschäft in Eppendorf die Türen schließen. Nur das Stammhaus in Bergdorf soll bleiben: „Das ist mein erklärtes Ziel“, sagt Wido Schüttfort, „auch wenn es nochmal fünf Jahre Arbeit bedeuten sollte.“