Geschäftsidee

Werbung per Rad: Zwei junge Bergedorfer auf Erfolgskurs

In Köln eine große Nummer: Fahrrad-Werbung von „Dybill“ vor dem Dom.

In Köln eine große Nummer: Fahrrad-Werbung von „Dybill“ vor dem Dom.

Foto: DyBill

Prophet im eigenen Dorf: Zwei Bergedorfer haben mit ihrer Werbe-Idee bundesweit Erfolg – aber nicht in Bergedorf.

Bergedorf.  Die Geschäftsidee ist so einfach, dass der spontane Gedanke „Gibt es so etwas nicht längst?“ auch Carlos Sievers einst untergekommen ist. „Sollte man meinen, aber nein: Witzigerweise hat das noch niemand gemacht“, stellt der 23-jährige Bergedorfer fest. Und weil das so ist, ist sein im Oktober 2018 aus einer Schülerfirma aufgebautes Start-up sozusagen von Minute eins an profitabel – und immer weiter auf Erfolgskurs. Mit seinem Kompagnon Konstantin Braun (24) bietet Carlos Sievers Fahrradwerbung an: Studenten und andere freie Mitarbeiter radeln mit Anhängern, auf denen großflächig Werbung prangt, ökologisch korrekt direkt dahin, wo die Zielgruppen sind.

Schülerfirma war ein Versuch

Mit einer Schülerfirma hatte 2013 alles begonnen. Damals schon hatte Carlos Sievers die Idee für die Fahrradwerbung. Doch das Schülerprojekt war auf sechs Monate begrenzt, so richtig kam es nicht ins Laufen, und „wenn man so will, war es meine erste Insolvenz“, grinst Carlos Sievers.

Zweiter Anlauf nach dem Studium

Doch nach einem Studium für Sozialökonomie und der Arbeit in einer Wirtschaftskanzlei tauchte die Idee wieder in seinem Kopf auf: Warum nicht nochmal richtig an die Sache herangehen? Gemeinsam mit seinem Kindergartenfreund Konstantin Braun, der dual Fitnessökonomie studiert hatte, überlegte er sich das Konzept. Das Duo ließ sich von Experten der Kanzlei Bonn & Partner beraten und startete mit 22 Jahren die „DyBill“ GmbH – Abkürzung für „dynamic billboards“ (dynamische Werbung).

Plötzlich kommen große Kunden

Seitdem scheint es so, als hätten die Firmen nur auf so eine Idee gewartet: „Wir haben einige große Unternehmen als Kunden“, sagt Sievers. Stadtwerke, Lotto Hamburg, Reformhäuser und Fitnessketten gehören etwa dazu. Inzwischen hat die Firma je vier Räder in Hamburg, Berlin und Nordrhein-Westfalen stationiert. Auf Wunsch werden die Räder aber auch – möglichst umweltfreundlich – in andere Städte gefahren und dort eingesetzt. Sogar in der Schweiz ließ „Dybill“ radeln.

Manche Umsätze steigen zweistellig

Das Prinzip ist einfach: Die Kunden senden ihre Vorlage, „Dybill“ (www.dybill.com) druckt den Banner, plant die Route und brieft die Radler, damit diese Fragen zur Werbung beantworten können: „Flyer geben wir nicht mit, das ist Müll und landet auf dem Boden“, so Carlos Sievers. Der Effekt der Werbung sei enorm: „Ein Kunde aus München berichtete von 22 Prozent mehr Umsatz“, ein anderer hatte 35 Prozent mehr Buchungen, so Sievers. Dass die radelnde Werbung nicht nur gut sichtbar, sondern auch ökologisch korrekt ist, dürfte seinen Anteil am Erfolg haben.

Kein Auftrag aus Bergedorf

Nur in der Heimat der beiden Existenzgründer hat die Idee noch keinen richtigen Abnehmer gefunden: „In Bergedorf hatten wir bisher keinen Kunden“, stellt Carlos Sievers fest. Es klingt nicht nach Resignation: Was ist nicht ist, wird wohl noch werden.