Feuerwerk

Wie hält es Bergedorf mit Böllern und Raketen?

Bis zu 150 Millionen Euro geben die Deutschen jedes Jahr für Silvester-Feuerwerk aus. Die dabei freigesetzte Feinstaub-Menge beträgt nach Experten-Schätzungen mehr als zwei Prozent aller jährlichen Feinstaub-Emissionen

Bis zu 150 Millionen Euro geben die Deutschen jedes Jahr für Silvester-Feuerwerk aus. Die dabei freigesetzte Feinstaub-Menge beträgt nach Experten-Schätzungen mehr als zwei Prozent aller jährlichen Feinstaub-Emissionen

Foto: Marc Müller / picture alliance / dpa

Ein Baumarkt verzichtet auf den Verkauf von Feuerwerk und spendet für den Tierschutz. Andere sehen das als „gelungene Werbeaktion“.

Bergedorf. Mit einem freiwilligen Verzicht auf das große Geschäft mit Silvesterfeuerwerk hat ein Baumarkt in dieser Woche Furore gemacht. Während sich in der Hamburger Bürgerschaft die Fraktionen von SPD, Grünen und CDU hinter die Forderung von Umweltschützern stellen, das Silvestergeböller in der Hansestadt gesetzlich einzudämmen oder gar ganz zu verbieten, schaffte es „Werkers Welt Baumarkt“ aus Mölln mit seinem Vorstoß in die regionalen und überregionalen Schlagzeilen.

„Bei uns geht in diesem Jahr kein einziger Böller und keine einzige Rakete über den Ladentisch“, heißt es dort von der Geschäftsführung. „Nicht nur aus Rücksichtnahme auf die Umwelt, sondern auch auf die Tiere, die durch das laute Geböller gehörig erschreckt werden.“ Zudem spendet das Unternehmen den Betrag, den es für gewöhnlich am Jahresende in Feuerwerks-Werbung investiert, an den örtlichen Tierschutzverein.

„Wir brauchen den Umsatz“

„Eine gelungene Werbeaktion“ nennt Frank Naubereit die auf den ersten Blick selbstlose Initiative. „Wer sich zum richtigen Zeitpunkt als Wohltäter inszeniert, erzielt einen Bekanntheitseffekt, der den Umsatzverlust doppelt und dreifach wieder gutmacht“, meint der Betreiber des Bergedorfer Angler-Zentrums, der seit mehr als zehn Jahren ein großes Sortiment an Silvester-Feuerwerk anbietet. „Wir brauchen schließlich den Umsatz“, gibt Naubereit unumwunden zu.

„Von Oktober bis April ist unsere Durststrecke, weil für die meisten Fische dann Ruhezeiten gelten. Für Böller und Raketen zum Jahreswechsel reklamiert er jahrhundertealte Traditionen, „und die Nachfrage ist schließlich auch da“.

„Mehr Feinstaub durch die ‘Queen Mary’“

Marktkauf Geschäftsleiter David Kühl sieht das ähnlich: „Meine Familie betreibt mehrere Rewe-Märkte, und sie spendet regelmäßig den Böller-Erlös für wohltätige Zwecke. Aber sie macht nicht so einen Lärm drum herum. Ja, wir bei Marktkauf verkaufen auch in diesem Jahr Böller. Wenn zweimal im Jahr die Queen Mary nach Hamburg kommt, verursacht das mehr Feinstaub als eine ganze Woche Silvester feiern.“

„Für Tiere ist Böllerei lebensbedrohlich“

Reinhard Grosch vom Nabu Bergedorf beklagt dagegen den Schaden für die Tierwelt: „Für Tiere wie Igel oder Fledermäuse , die aus dem Winterschlaf geweckt werden, ist die Böllerei lebensbedrohlich, denn sie kostet wertvolle Energie.“ Manfred Pörschke vom Schäferhundverein in Boberg graut jedes Jahr vor Silvester: „Mein Hund will dann mit Dauer-Gebell das bedrohte Haus beschützen.“

Und Ingrid Seele, Bergedorfer Vorsitzende des 1. Deutschen Edelkatzenzüchter Verbandes, ist heilfroh, dass man mit Katzen nicht Gassi gehen muss: „Wir dunkeln mit Gardinen und Jalousien alle Fenster ab – aber zu Mitternacht gehen wir feiern, im Hamburger Hafen.“