Prozess

Lohbrügger Markt: Heimtückischer Mord oder Notwehr?

Prozessauftakt vor dem Schwurgericht: Der Angeklagte Salman A. (29, links) war ganz in Schwarz gekleidet. Er hatte sich nach den tödlichen Schüssen selbst bei der Polizei gestellt und sitzt seitdem in U-Haft.

Prozessauftakt vor dem Schwurgericht: Der Angeklagte Salman A. (29, links) war ganz in Schwarz gekleidet. Er hatte sich nach den tödlichen Schüssen selbst bei der Polizei gestellt und sitzt seitdem in U-Haft.

Foto: bz

Nach den tödlichen Schüssen auf Dennis K. ist der Fall für den Staatsanwalt klar. Der Angeklagte beruft sich dagegen auf Notwehr.

Lohbrügge.  Für Salman A. geht es um nichts Geringeres als um eine lebenslange Freiheitsstrafe. Der 29-Jährige steht seit gestern vor der großen Strafkammer des Hamburger Landgerichts. Der Tatvorwurf: Heimtückischer Mord. Er hatte – das steht wohl zweifelsfrei fest – vor fünf Monaten auf dem Lohbrügger Marktplatz zwei Schüsse aus einer halbautomatischen Pistole auf Dennis K. abgefeuert. Der 26-Jährige starb auf dem Parkplatz.

Die Hintergründe der tödlichen Schüsse und was am Abend des 27. Juni auf dem Marktplatz genau geschehen ist, will das Schwurgericht in zunächst 13 bis Mitte Februar angesetzten Verhandlungstagen erörtern. Der gestrige Prozessauftakt dauerte dabei gerade einmal acht Minuten, in denen Staatsanwalt Dr. Hildebrandt lediglich die Anklage verlas.

Mit der Pistole im Hosenbund zum Treffen

Demnach soll sich Salman A. bereits im Dezember 2017 die halbautomatische Selbstladepistole vom Typ „Norinco Kaliber 45“ beschafft haben. Am Tattag habe er die Waffe hinten im Hosenbund getragen, als er sich um 19.04 Uhr mit Dennis K. und seinen beiden tschetschenischen Begleitern auf dem Marktplatz traf.

Bei dem Treffen sei es – so der Staatsanwalt – um Schulden aus Drogengeschäften gegangen. Dann habe der Angeklagte völlig unvermittelt die Waffe gezogen und zweimal auf sein Opfer gefeuert.

Der 26-Jährige hatte sich noch umgedreht, um zu fliehen, als ihn die beiden Projektile seitlich in den Rücken trafen. Für ihn kam jede Hilfe zu spät. Salman A. sei zunächst mit der Waffe in eine Shisha-Bar geflüchtet, habe sich dann aber um 20.15 Uhr bei der Bergedorfer Polizei gestellt, dort die Pistole auf den Tresen gelegt.

Angeklagter beruft sich auf Notwehr

„Gegenüber der Polizei hat der Angeklagte damals behauptet, aus Notwehr geschossen zu haben“, sagte Kai Wantzen, Sprecher des Landgerichts: „Er habe sich bedroht gefühlt. Das spätere Opfer habe so hinter sich gegriffen, dass Salman A. davon ausgegangen sei, dieser würde auch eine Waffe ziehen.“ Tatsächlich waren Dennis K. und dessen Begleiter aber unbewaffnet.

Ob sich der Angeklagte auch im Prozess äußern wird, ist noch unklar. Gestern sagte er: „Ich überlege noch.“