Gleisbauarbeiten

Diese Tröten bringen halb Bergedorf um den Schlaf

Bausirenen machen nachts ohrenbetäubenden Lärm auf der Bahnstrecke zwischen Bergedorf und Schwarzenbek.

Bausirenen machen nachts ohrenbetäubenden Lärm auf der Bahnstrecke zwischen Bergedorf und Schwarzenbek.

Foto: Thomas Voigt

Mit 126 Dezibel tröten sie die Bergedorfer aus dem Schlaf: Signalhörner an der Bahnstrecke, die Gleisbauarbeiter nachts vor Zügen warnen.

Bergedorf.  Eine Wanderbaustelle der Deutschen Bahn raubt den Bergedorfern schon seit Wochen den Schlaf. Nacht für Nacht werden sie mitten in Bergedorf dutzendfach von einem ohrenbetäubenden Signalhorn aus ihren Träumen gerissen. Das Tröten-Konzert dauert jedesmal zehn Sekunden. Es warnt die nächtlichen Gleisbauarbeiter, die hier die Fernbahnstrecke instandhalten, vor herannahenden Zügen.

Nur zwischen 1.30 und 3.30 Uhr ist es ruhig

„Dieses Getöse ist einfach unerträglich“, klagt Frank Rosenboom aus Lohbrügge. Er wohnt an der Böttcherkoppel, rund 500 Meter von der Bahntrasse entfernt. „Aber es klingt so, als wenn hier direkt unter dem Fenster eine Feuerwehrsirene heult.“ Rosenboom wohnt seit mehr als 20 Jahren hier. „In der Anfangszeit habe ich ein paarmal nach 22 Uhr laute Musik gehört. Da stand dann blitzschnell die Polizei vor der Tür und hat für Ruhe gesorgt.“ Der Signal-Lärm von der Bahn sei aber ungleich lauter und ertöne fast die ganze Nacht. „Nur zwischen halb zwei und halb vier ist es ruhig. Das kann doch nicht erlaubt sein. Und es ist auch nicht nötig. Sobald es dunkel ist, könnten die Gleisarbeiter doch stattdessen mit Lichtsignalen gewarnt werden.“

Fast so laut wie ein Düsenjet

Dagegen beruft sich eine Sprecherin der Deutschen Bahn auf die Gesetzlage: „Zur Sicherung der Bauarbeiter müssen Signalhörner mit einer Lautstärke von 126 Dezibel eingesetzt werden.“ Diese Lautstärke sei gesetzlich vorgeschrieben und notwendig, um auch beim Einsatz der Baumaschinen die Gleisbauarbeiter sicher vor herannahenden Zügen zu warnen. Zum Vergleich: Maximal 90 Dezibel hat der Schall eines Güterzugs, mit 130 Dezibel lärmt ein Düsenjet.

Am 9. Dezember soll der Spuk vorbei sein

Nächtliche Arbeitseinsätze sind nach Auskunft der Bahn unverzichtbar, weil dann weniger Züge fahren und die Arbeiten am effizientesten sind. Und die Zeit der Streckenposten, die bei jedem Zug ins Signalhorn blasen, sind Geschichte. Stattdessen schlagen automatisierte Signalhörner Alarm, die im Abstand von 40 Metern an der Gleisbaustrecke installiert sind. Auch in Reinbek haben sich schon Anwohner beschwert. Einziger Trost von der Bahn: Bis zum 9. Dezember sollen die Arbeiten zwischen Bergedorf und Schwarzenbek fertig sein.