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Andy Calypso: Hip-Hop als pure Lebensfreude

Andy Calypso (28) liebt Bühnenshows und Tanz-Wettbewerbe.

Andy Calypso (28) liebt Bühnenshows und Tanz-Wettbewerbe.

Foto: Anne Strickstrock / BGZ / Anne Strickstrock

28-Jährige aus Bergedorf gibt Workshops auf der ganzen Welt – und unterricht im Jugendzentrum am Kurt-Adams-Platz.

Bergedorf.  Kita Nettelnburg, katholische Grundschule Bergedorf, Gymnasium Allermöhe - und dann in die ganze Welt: Unter ihrem Künstlernamen Andy Calypso gibt sie Workshops in Marokko, Südafrika und auf Kuba. Denn Hip-Hop zu unterrichten, ist die große Leidenschaft der 28-Jährigen. „Eigentlich stand ich kurz vor einer Ballett-Ausbildung, als ich meinen ersten Hip-Hop-Workshop machte, der mich sofort mit Leidenschaft erfasste.“

„Das ist kein Gangster-Rap“

Die ersten Schritte lernte sie bei der „Musical- und Show-Company“ in Bergedorf: Viele schnelle Steps, überdimensionierte Bewegungen, klare Impulse und auch mal Akzente, die einem Roboter ähneln – so beschreibt sie ihre Kunstform, die mit Vielfalt, Ehrlichkeit und Lebensfreude verbunden ist: „Hip-Hop hat mit Gangster-Rap nichts zu tun. Es ist eine positive Jugendkultur, die Ende der 80er entstanden ist. Daraus haben sich die Sparten Rap und Graffiti, Beatbox und Breakdance entwickelt. Letzteres ist jetzt sogar bei Olympia zugelassen.“

Disziplin und Ehrgeiz gefragt

Mit „Jo, jo - was geht bei Dir?“ , muss sie längst nicht mehr begrüßt werden: „Ich kann ganz normal reden“, sagt sie lachend auch zu ihren 64 Schülern, die sie donnerstags zwischen 17 und 21 Uhr im Lohbrügger Jugendzentrum am Kurt-Adams-Platz unterrichtet – erst die Anfänger ab zehn Jahren, dann Fortgeschrittenen bis 25 Jahre. „An erster Stelle stehen Disziplin und Ehrgeiz“, mahnt sie alle Tänzer der Hip-Hop-Academy. Sonst hätte sie es selbst nie schon mit 16 geschafft, in Marseille aufzutreten. Damals wie heute klatscht Mama in der ersten Reihe besonders laut: „Sie wäre früher in Polen gern Tänzerin geworden. Heute lebe ich ihren Traum.“

Bis ins Halbfinale

Inzwischen steht Andy Calypso auch als Regisseurin und Choreografin auf Theaterbühnen, schaffte mit nur 19 Jahren den ersten Platz beim „Unart-Festival“ des Thalia-Theaters. „Doch beim Vorentscheid für die Weltmeisterschaft in Paris bin ich leider im Halbfinale rausgeflogen.“ Macht nichts, denn: „Das, was passiert, soll so sein. Ich vertraue dem Universum“, sagt die 28-Jährige, die inzwischen in der Freestyle-Szene sehr bekannt ist – allein durch ihren Instagram-Account.

„Es braucht eine anerkannte Ausbildung, auch in Deutschland“

Ein Jahr lang absolvierte sie in Stockholm eine intensive Ausbildung in Sachen Urban Dance – die ist aber in Deutschland leider nicht anerkannt: „Das muss sich ändern, Hip-Hop ist nicht nur ein lustiges Hobby. Man muss auch Anatomie, Marketing und Musikgeschichte lernen.“

Große Gala

Wie sie tanzend ihre Emotionen freilassen, zeigen die 180 Schüler ihrer „Calypso Army“ bei einer großen Gala auf Kampnagel: Am 28., 29. und 30. November (jeweils 19 Uhr) präsentieren sie die Show „À la Muhammad Ali“ – nach einem Lied des Rappers Marlio. „Wir erzählen auch Lebensgeschichten, etwa von dem Jungen, der ein Model werden will, obwohl ihm ein Schneidezahn fehlt. Oder von dem Mädel, das sich sorgt, seine Träume nicht verwirklichen zu können.“

Andy Calypso jedenfalls hat genau das geschafft: „2020 werde ich am Thalia-Theater als Regisseurin arbeiten. Und ich gehe als Background-Tänzerin mit einem Deutsch-Rapper auf Tournee.“