Hotel-Verbot für Sehbehinderte

Mit Blindenhund vor die Tür gesetzt

Sie müssen draußen bleiben: Gabriele Baas aus Bremerhaven darf mit ihrem Blindenhund nicht in den Alt-Lohbrügger Hof.

Sie müssen draußen bleiben: Gabriele Baas aus Bremerhaven darf mit ihrem Blindenhund nicht in den Alt-Lohbrügger Hof.

Foto: Jens Kniesche

Weil Haustiere in einigen Bergedorer Hotels verboten sind, konnte Gabriele Baas aus Bergedorf mit ihrem Blindenhund nicht hier nächtigen.

Bergedorf.  Die Tagestour in ihren Heimatort Bergedorf war erfolgreich und schön gewesen. Gabriele Baas (52) aus Bremerhaven hatte Hilfsmittel in einem Fachgeschäft für Sehbehinderte eingekauft. Danach war die zu mehr als 90 Prozent erblindete Frau mit ihrem Ehemann und ihrem Blindenführhund „Lasko“ (4) noch durch den Schlosspark spaziert. Weil sie dann am frühen Abend müde wurden, beschlossen sie, in einem Bergedorfer Hotel zu übernachten und die Heimfahrt erst am nächsten Morgen anzutreten.

Kein Haustier, sondern Hilfsmittel

„Was uns dann aber passierte, war schockierend, diskriminierend, einfach nur unglaublich“, schildert die frühere Einzelhandelskauffrau. Das Paar fand in Bergedorf kein Hotel, das sie mit ihrem Blindenhund aufnehmen wollte. Zunächst scheiterten sie an der Rezeption beim Alt Lohbrügger Hof an der Leuschnerstraße. „Der Mitarbeiter erklärte uns, dass Haustiere in dem Hotel generell nicht zugelassen sind“, sagt Gabriele Baas. Ihr Hinweis, der ausgebildete Labradoodle sei kein Haustier, sondern ein Hilfsmittel für ihre Behinderung, beeindruckte den Rezeptionisten nicht - ebensowenig dessen Vorgesetzte: Sie empfahl freundlich, das Tier doch im Auto nächtigen zu lassen.

Wir lassen unseren „Lasko“ nicht über Nacht im Auto

„Das kommt für mich aber nicht in Frage“, sagt Baas. Schließlich koste die sechs bis achtmonatige Ausbildung eines Blindenführhundes bis zu 30.000 Euro. Ihr „Lasko“ sei also nicht nur guter Freund und Alltagspartner, sondern habe auch materiellen Wert. „Den lässt man nicht über Nacht im Auto zurück.“

Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz

Baas verweist auf das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz: Nach dem AGG stelle das Verbot zur Mitnahme eines Assistenzhundes eine unzulässige Diskriminierung dar und das Recht auf Gleichberechtigung sei höher zu bewerten ist als bestehendes Hausrecht mit Hunde-Verbot.

Auch Hotel Bergedorfer Höhe sagt „No“

Doch auch beim Hotel Bergedorfer Höhe halfen Argumente nicht weiter. Auch hier wurde das Paar samt „Lasko“ abgewiesen mit dem Hinweis auf ein generelles Hundeverbot. „Was machen die eigentlich, wenn dort die Polizei oder der Zoll mit einem Suchhund aufkreuzt, um das Zimmer eines Gastes zu durchsuchen?“ fragt Gabriele Baas bitter. „Lassen sie den dann auch nicht rein?“ Einen kleinen Lichtblick gab es schließlich beim Hotel Kuhberg am Wiebekingweg. „Die hätten uns gern mit dem Hund aufgenommen, hatten aber leider kein Zimmer frei.“

Früher sprang das Forsthaus ein – doch das ist nun geschlossen

Für Jürgen Strangmann vom Hotel Bergedorfer Höhe ist der Fall knifflig: „Die Dame ist formal im Recht. Ihr Blindenführhund ist ein Hilfsmittel. Verwehren wir ihm den Zutritt, ist das auch eine unzulässige Ausgrenzung ihrer Person.“ Zu bedenken sei aber, dass er als Hotelier jeden künftigen Gast in dem Zimmer darauf hinweisen müsse, dass hier einmal ein Hund genächtigt hat. „Daher bekommen Sie so ein Zimmer hinterher eher schlecht als recht verkauft.“ Als das benachbarte Hotel „Forsthaus Bergedorf“ noch in Betrieb war, gab es für Strangmann in solchen Fällen eine Lösung: „Das Forsthaus hatte zwei Tierzimmer, dorthin haben wir die Gäste dann vermittelt.“ Und: „Auch für die Dame aus Bremerhaven hätten wir eine Lösung in einem anderen Haus gefunden, wenn sie sich vor ihrem Besuch telefonisch angemeldet hätte. Aber so spontan ist das immer schwierig.“

In Griechenland kein Problem

Dass es mit ihrem „Lasko“ in öffentlichen Gebäuden gelegentlich Schwierigkeiten gibt, kennt Gabriele Baas schon. Als Helferin für Geflüchtete in Bremerhaven muss sie häufiger Behörden aufsuchen. „Bei den Stadtwerken bin ich wegen des Hundes neulich rausgeflogen.“ Dass aber auch deutsche Hotels Schwierigkeiten machen, war ihr neu: „Wir sind hier in den Ferien meistens mit dem Wohnmobil unterwegs. In griechischen Hotels gab’s dagegen bisher keine Probleme. Die stellen dem Hund sogar ein Körbchen mit Decke, Fress- und Trinknapf hin.“

„Gäste ohne Voranmeldung“

Auch Hotel-Chef Jan-Hendrik Ohl hätte sich nach eigenen Worten eine Voranmeldung der Gäste gewünscht. „Wir haben ein offenes Bufett im Restaurant. Wenn wir da Hunde hineinlassen, gibt es Ärger mit dem Gesundheitsamt. Und wir haben kein Parkett, sondern überall Teppichboden. Gäste mit Allergien bekommen Probleme, wenn sich da Hundehaare verfangen. Bei einer vorherigen Anmeldung hätten wir für die Dame ganz sicher etwas arrangieren können. Ich bedaure sehr, wenn wir sie nicht angemessen bedient haben.“

Kleiner Trost beim Inder

Gabriele Baas und ihr Ehemann fuhren an dem Abend enttäuscht nach Hause. Kleiner Trost: „Ein indisches Imbiss-Restaurant in Lohbrügge ließ uns mit dem Hund anstandslos herein, was gerade in so kleinen Lokalen keine Selbstverständlichkeit ist. Da haben wir uns vor der langen Rückfahrt ein bisschen stärken können.“ Ob und wann sie mal wieder ihre Heimat Bergedorf besucht - das kann die Bremerhavenerin heute nicht sagen.