Deutschland-Takt

Fernzüge sollen wieder in Bergedorf halten

Alltag in Bergedorf: Der ICE lässt den Bahnhof auf dem Weg nach Berlin links liegen.

Alltag in Bergedorf: Der ICE lässt den Bahnhof auf dem Weg nach Berlin links liegen.

Foto: Thomas Voigt

Die Wiederbelebung des Fernbahnhofs Bergedorf ist Teil des Projekts Deutschland-Takt der Bundesregierung. Die Bürgerschaft will das realisieren.

Bergedorf. Die rot-grüne Mehrheit in der Hamburgischen Bürgerschaft knöpft sich die Wiederbelebung des Bergedorfer Bahnhofs als regelmäßigem Fernzughalt vor. Mit einem gemeinsamen Antrag wollen die beiden Fraktionen ihren Senat unterstützen, den im Koalitionsvertrag der Bundesregierung vereinbarten Deutschland-Takt für Bergedorf einzufordern.

Fernzüge halten in Bergedorf und Büchen

Konkret geht es darum, an den Bahnhöfen Bergedorf und Büchen im Wechsel mindestens alle zwei Stunden einen Fernzug halten zu lassen – ganz im Sinne des ab 2021 greifenden Deutschlandtakts, der die Fahrgastzahlen der Bahn durch bessere regionale Anbindungen in den kommenden zehn Jahren verdoppeln soll. Und tatsächlich wird Bergedorfs Aufwertung im zweiten Gutachterentwurf zum Projekt konkret genannt.

Bisher fast nur Regionalbahnsteig

Bisher hält am hiesigen Fernbahnsteig nämlich neben den Regionalbahnen nach Schwerin und Rostock pro Tag nur ein einziger Euro-City Richtung Berlin/Budapest. Künftig würden das dann mindestens zehn Richtung Hauptstadt sein – und ebenso viele Zwischenstopps in Bergedorf oder Büchen in umgekehrter Richtung.

S-Bahn-Drama erhöht Chancen

Wer bei diesem Projekt angesichts mangelhafter Umsetzungen vergleichbarer Ideen in den vergangenen Jahren die Augen verdreht, den will Bergedorfs SPD-Bürgerschaftsabgeordneter Gert Kekstadt eines Besseren belehren: „Die Chancen standen nie besser als jetzt“, ist er sicher. „Durch die dramatischen Ausfälle auf Bergedorfs S-Bahnlinien ist der Druck auf die Bahn so groß, dass sie sich einer nachhaltigen Verbesserung des Fernbahnanschlusses unserer Region nicht entziehen kann.“

Bahnsprecher: Bergedorf bremst Fernzüge nur

Das klingt in der gestrigen Stellungnahme von Bahnsprecher Egbert Meyer-Lovis gegenüber unserer Zeitung ganz anders: „Ein Zusatzhalt in Bergedorf hätte zur Folge, dass sowohl ein ICE als auch ein EC oder IC etwa fünf Minuten früher in Hamburg abfahren oder in Berlin später ankommen müsste.“ Dadurch würden wichtige Anschlüsse so knapp, dass viele Reisende Züge verpassten. Das, so Meyer-Lovis, widerspreche dem Deutschland-Takt, der ja gerade durch bessere Anschlüsse mehr Menschen auf die Schiene holen solle. „Zudem verfügt Bergedorf über schnelle und eng getaktete S-Bahnverbindungen zum internationalen Schienendrehkreuz Hamburger Hauptbahnhof.“

Oberbillwerder als Argumentationshilfe

Argumente, die Grünen-Verkehrspolitiker Martin Bill mit dem Hinweis auf den künftigen, weitgehend autofreien Stadtteil Oberbillwerder entkräften will: „Soll er attraktiv für seine 15.000 Bewohner werden, braucht es komfortable Fernreisemöglichkeiten ohne zeitintensive Anreise zu einem überlasteten Fernzugbahnhof.“