Dringlichkeitssitzung

Kulturausschuss bestellt Museums-Chefin ein

Bezirksamtsleiter Arne Dornquast mit dem Bild einer der kritisierten Papierkugel-Schleudern. Im Begleitprogramm für Kinder gebaut, soll sie das Pappschloss im Hintergrund umwerfen.

Bezirksamtsleiter Arne Dornquast mit dem Bild einer der kritisierten Papierkugel-Schleudern. Im Begleitprogramm für Kinder gebaut, soll sie das Pappschloss im Hintergrund umwerfen.

Foto: Carsten Neff / NEWS & ART

Bergedorf. FDP will Überarbeitung des Kinderprogramms zu Museums-Ausstellung „Protest in Bergedorf“, die am 7. November beginnt.

Bergedorf.  Die hochemotionale Diskussion um das Kinderprogramm der bevorstehenden Museumsausstellung „Protest in Bergedorf – was dagegen?“ geht in die nächste Runde: Für Dienstag wird der Kulturausschuss zu einer „Dringlichkeitssitzung“ einberufen. „Dieses Programm muss überarbeitet werden“, gab FDP-Fraktionschefin Sonja Jacobsen, gleichzeitig Vorsitzende des Kulturausschusses, Donnerstag in der Bezirksversammlung die Richtung vor.

„Kritik muss auf politische Tagesordnung“

Während manch andere Fraktion das Geschehen am Ende der Bezirksversammlung um 21 Uhr mit Erstaunen verfolgte, gab Paul Kleszcz (SPD) der Kollegin recht: „Bevor die Ausstellung am 7. November im Schloss eröffnet wird, muss die Kritik auf die politsche Tagesordnung.“

Auch Graffiti-Workshop im Visier

Ausgelöst durch die Kritik von Dennis Gladiator (CDU) in einem Artikel der „Bild“-Zeitung wird, wie berichtet, Anstoß an drei der sieben im Begleitprogramm vorgesehenen Workshops für Kinder ab sieben Jahren genommen. So sollen sie Schleudern für Papierkugeln konstruieren, Saatbomben aus Erde und Samen bauen und Masken basteln. Ebenfalls in der Kritik: der für den Mai 2020 vorgesehene Graffiti-Workshop mit dem Sprayer „brozilla“.

Fragen der FDP-Fraktionschefin

Sonja Jacobsen kritisierte: „Wie kann man Kinder angesichts des Vermummungsverbots Masken bauen lassen? Wie passt der Bau von Saatbomben in unsere Zeit? Darf eine öffentlich geförderte Institution Anleitungen für Wurfschleudern oder zum Sprayen als Workshops anbieten?“ Sie ließe ihren siebenjährigen Sohn daran „auf keinen Fall“ teilnehmen. „Ich hoffe, die Museumsleitung hat sich nichts dabei gedacht und es ist einfach schiefgegangen. Sonst wäre es dramatisch.“

Museumschefin soll Stellung nehmen

Was die so Gescholtene dazu zu sagen hat, soll Dienstag auf den Tisch: Dr. Schanett Riller ist für die Kulturausschuss-Sitzung ebenso eingeladen, wie die für das Begleitprogramm zuständige Museumspädagogin.

„Bloß ein Kinderprogramm“

In der Bezirksversammlung stellte sich bereits Bezirksamtsleiter Arne Dornquast der Kritik – und konnte die Vorwürfe nicht wirklich nachvollziehen: „Thema der Schau sind die vielen Formen des Protestes in Bergedorf. Und dazu passen auch die Begleitveranstaltungen.“ Darin kann ich keine Gewaltverherrlichung oder Anleitungen zur Vermummung finden. „Das ist ein Kinderprogramm.“