Winternotprogramm

Nur noch zehn Betten für Bergedorfs Obdachlose

Rudi Ehlers gehört zu Bergedorfs Wohnungslosen, lebt in einer Gartenlaube.

Rudi Ehlers gehört zu Bergedorfs Wohnungslosen, lebt in einer Gartenlaube.

Foto: Anne Strickstrock / BGZ / Anne Strickstrock

Weil die Franz-von-Assisi-Kirche nicht mehr mitmacht, gibt es im kommenden Winter nur noch halb so viele Betten im Winternotprogramm in Bergedorf.

Bergedorf. Nächsten Freitag, 1. November, startet wieder das Winternotprogramm für obdachlose Menschen. Neben 600 zusätzlichen Winter-Schlafplätzen an der Friesenstraße und an der Kollaustraße (geöffnet 17 – 9.30 Uhr) werden 130 Betten etwa in Kirchengemeinden angeboten. Zum 26. Mal ist die Baptisten-Gemeinde am Ladenbeker Weg dabei, wo sich fünf Ehrenamtliche um zehn obdachlose Männer kümmern, die in Containern übernachten.

Franz-von-Assisi-Gemeinde macht nicht mit

Bloß Neuallermöhe macht diesmal nicht mit. Hatten sich zuletzt acht Helfer aus der Franz-von-Assisi-Gemeinde und der Nettelnburger Bugenhagen-Gemeinde engagiert, so stehen diesmal interne Querelen im Weg, fanden sich zudem nicht genügend Unterstützer, um zehn Menschen in Containern betreuen zu können. „Wir machen ein Jahr lang eine kreative Pause“, sagen Gabi Dobratz und Frank Müller aus dem Leitungsteam. Zudem erklärt Pastorin Gwen Bryde vorsichtig: „Das Projekt ist beliebt und wichtig, aber uns fehlt Personal.“ Der Gemeinde sind jüngst zwei Pastorinnen verloren gegangen.

„Die Neuallermöher haben vieles möglich gemacht“

„Wir sind entsetzt, dass die zehn Plätze wegfallen. Die Neuallermöher hatten immer ein offenes Ohr und haben vieles möglich gemacht“, sagt Sabine Fehr von der sozialen Beratungsstelle, die im Januar ihr 30-jähriges Bestehen am Weidenbaumsweg feiert: „Vor allem die sechs Einzelplätze im Sommer waren sehr beliebt.“ Besonders graut es ihr vor dem Winter. Derzeit kenne sie allein 20 Menschen, die in Bergedorf „Platte machen“ – etwa im Grünen Zentrum oder in verwahrlosten Lauben am Schwarzen Weg: „Bloß im Schlosspark übernachtet niemand mehr, seitdem Obdachlose von Jugendlichen verprügelt wurden, die ihre Zelte klauten und auf die Schlafsäcke pinkelten.“

Mindestens 20 Menschen machen „Platte“ in Bergedorf

Polnische Frauen übernachten auf Bergedorfs Straßen, alte Männer und auch der etwa 30-jährige Adrian, der ab und an in einem Bretterverschlag Zuflucht findet. „Er ist eine tragische, entwurzelte Gestalt. Bei uns hat er eine Postadresse, bekommt Kaffee und darf bei Facebook stöbern“, sagen die Pädagogen, die offene Sprechstunden anbieten, zudem wöchentlich 25 Stunden auf der Straße sind. Außerdem werden mit 4,5 Sozialarbeiterstellen 69 Menschen ständig betreut, zehn stehen auf der Warteliste.

Ärztliche Versorgung am Achterdwars

Kranke Menschen, die teils an offenen Wunden leiden, werden donnerstags von 13 bis 15 Uhr von einer Medizinerin in der Krankenstube am Männerwohnheim Achterdwars betreut. Viele Obdachlose (auch die , die bei Kumpels auf der Couch schlafen) haben Probleme wegen mangelnder Hygiene. Sabine Fehr setzt daher auch auf Christian Poelmann und die Initiative „GoBanyo. Waschen ist Würde“.

Duschbus auf dem Frascatiplatz?

Derzeit wird ein ehemaliger Linienbus mit drei Waschräumen zum „Duschbus“ für Obdachlose umgebaut. „Wir starten im Winter in der City, wollen danach auch in die Außenbezirke“, sagt Poelmann. Er hat sich bereits zwei mögliche Standorte angeschaut: Am Lohbrügger Markt wie auch auf dem Frascatiplatz gibt es Strom- und Wasseranschlüsse. „Der Sozialladen von St. Petri und Pauli hat bereits zugesagt, Handtücher zu spenden“, lobt Sabine Fehr.