Julia Klöckner in Lohbrügge

Den Wald nicht dem Borkenkäfer überlassen

Schweres Ebenholz: Gerald Koch hat Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner das teuerste Holz der Welt in die Hand gedrückt.

Schweres Ebenholz: Gerald Koch hat Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner das teuerste Holz der Welt in die Hand gedrückt.

Foto: Thomas Voigt

Lohbrügge. Was ist der richtige Weg den Wald zu erneuern? Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner will nicht zuschauen.

Lohbrügge.  Sie hat erst in der vergangenen Woche ein 800 Millionen Euro schweres Aufforstungsprogramm für den geschundenen deutschen Wald angekündigt – Schäden durch Sturm, Dürre und Schädlingsfraß sollen repariert werden.

800 Millionen Euro für die Aufforstung

Gestern besuchte Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner die Holz- und Forstwissenschaftler vom Thünen-Institut in Lohbrügge, ließ sich von Holzexperte Dr. Gerald Koch unter anderem die stattliche Sammlung mit 35.000 Mustern von 11.500 Holzarten aus 2400 Gattungen zeigen.

Etwa 180.000 Hektar deutschen Wald will Klöckner mit Mitteln aus Bund- und Länderkassen aufforsten. „Das Geld ist nun erst einmal besorgt. Noch in diesem Jahr definiert eine Planungskommission aus Bundesfinanzministerium, Bundeslandwirtschaftsministerium und den Landwirtschaftsministerien der Länder die Kriterien der Vergabe dieser Fördermittel“:

Streit mit den Bundesländern

Klöckner wehrt sich auf Nachfrage gegen lautstarke Kritik, sie habe das Aufforstungsprogramm ohne Beteiligung der zuständigen Landesministerien verfügt. Nach Meinung von Julia Klöckner sollten zur Auswahl der nachzupflanzenden Baumarten ökologische wie ökonomische Aspekte gleichermaßen berücksichtigt werden.

Für Urwald nicht zu haben

Der Forderung der Grünen, mindestens fünf Prozent der Flächen als Urwald unberührt zu lassen, mag Klöckner nichts abgewinnen: „Wenn auf einer Waldfläche der Borkenkäfer wütet, können Sie nicht tatenlos zusehen.“

Tatsächlich passiert dies aber, so im Nationalpark Harz: Dort setzen Experten darauf, dass der Borkenkäfer den Umbau der Fichtenmonokulturen zu Mischwald vorantreibt. Wo geschädigte Fichten fallen, sollen Laubbäume nachwachsen.

Experten plädieren für Mischwald

Für Diplom-Forstwirt Ulrich Bick, Forstökonom am Thünen-Institut, ist Mischwald und ein standortgerechter und naturnaher Besatz der Waldflächen das Gebot der Stunde: „Die Holzmarkt-Situation in mehr als 100 Jahren lässt sich heute ohnehin nicht voraussehen. Daher macht es nur Sinn, Baumarten anzupflanzen, die am Standort am besten gedeihen.“

Besser Douglasie als Fichte

Das bedeute keine Beschränkung auf einheimische Arten, schließlich habe der Klimawandel in Deutschland schon eingesetzt. „Die nordamerikanische Douglasie etwa produziert bis zu 19 Kubikmeter Holz pro Hektar und Jahr. Das ist deutlich mehr als die Fichte, die bei Staunässe flach wurzelt und leicht vom Sturm umgestürzt wird.“