Hilfsfristen nicht eingehalten

Wo die Feuerwehr oft zu spät kommt

Wie jüngst hier im Pflegeheim Moosberg kamen die Retter zum Glück rechtzeitig, um zwei Menschen aus dem verrauchten Bereich in Sicherheit zu bringen. Es hatten Akkus in einem Technikraum gebrannt.

Wie jüngst hier im Pflegeheim Moosberg kamen die Retter zum Glück rechtzeitig, um zwei Menschen aus dem verrauchten Bereich in Sicherheit zu bringen. Es hatten Akkus in einem Technikraum gebrannt.

Foto: Carsten Neff / NEWS & ART

Dennis Gladiator (CDU) fordert mehr Personal und Standort-Prüfungen.

Bergedorf.  Es seien „grausam schlechte Werte“, besonders für den Bezirk Bergedorf: Der CDU-Bürgerschaftsabgeordnete Dennis Gladiator hatte beim Senat angefragt, wie oft die Hilfsfrist eingehalten wird, nach der spätestens innerhalb von acht Minuten nach Alarmierung die Feuerwehr am Einsatzort sein soll. Die Antwort erschüttert ihn.

Bergedorf bei nur 58 Prozent

In ganz Hamburg wird diese Frist nur bei 64 Prozent aller Einsätze eingehalten. Während der Wert in Nord (75 %), Eimsbüttel (72 %) und Mitte (70 %) noch relativ hoch liegt, kommt er in Bergedorf lediglich auf 58 Prozent, wie auch in Wandsbek. Lediglich Harburg liegt mit 55 Prozent in der Statistik noch dahinter.

Gerade die großen Randbezirke haben folglich schlechte Erfüllungsquoten. „Ohne die Freiwilligen Wehren etwa in den Vier- und Marschlanden lägen sie wohl noch bei unter zehn Prozent“, fürchtet Gladiator. Vor Augen ist ihm jedoch die fachliche Empfehlung von 95 Prozent.

„Wir brauchen mehr Personal“

„Wir müssen also ganz dringend die Standortkonzepte überprüfen und über mehr Personal sprechen“, fordert der Politiker, der mit Sorge an Schlaganfälle und kritische Wohnungsbrände denkt, bei denen es gilt, Menschen aus verqualmten Räumen zu retten. „Mein Leben muss überall gleich gut geschützt sein, auch in Bergedorf“, fordert der Christdemokrat.

Wichtig sei ihm, dass es sich bei Mängeln ausschließlich um politisches Verschulden des Senats handele: „Es ist keineswegs die Schuld der hochprofessionellen und engagierten Feuerwehrleute.“

„Notarztdichte ganz gut“

Auch die Eintreffzeit eines Notarztes fragte er beim Senat ab: Hier liegt in der Stadt der Durchschnittswert bei guten 92 Prozent. Das heißt, dass in acht Minuten ein Rettungswagen und in spätestens 15 Minuten ein Notarzt vor Ort ist. Dass für den Bezirk Bergedorf lediglich 86 Prozent angegeben sind, mag mit dem weitläufigen Landgebiet zusammenhängen, meint Gladiator: „Die Notarztdichte ist eigentlich ganz gut, nicht zuletzt, weil in Boberg ein Rettungshubschrauber stationiert ist. Doch auch hier müssen wir überprüfen, ob die ganze Stadt gut abgedeckt ist.“

Doch auch für die neuerliche Novellierung des Rettungsdienstgesetzes lehnten SPD und Grüne es ab, „die Hilfsfristen im Gesetzestext verbindlich vorzugeben“, ärgert er sich über „mangelnde Anstrengungen“.

Meist bloß wenige Minuten später am Einsatzort

Zumindest liegen die meisten Überschreitungen der Hilfsfrist im öffentlichen Rettungsdienst im minimalen Bereich: Bis zu neun Minuten (14 Prozent) oder bis zu zehn Minuten (9 Prozent) brauchten die Helfer. In schlimmen Fällen waren es mehr als zwölf Minuten – das waren im Jahr 2018 immerhin 3648 Einsätze (4,5 Prozent).