Opposition sauer

Anhörung: Oberbillwerder spaltet die Bürgerschaft

Dort wird der neue Stadtteil Oberbillwerder voraussichtlich ab 2023 entstehen: Blick von Neuallermöhe-West über den S-Bahnhalt Allermöhe auf die Billwerder Wiesen

Dort wird der neue Stadtteil Oberbillwerder voraussichtlich ab 2023 entstehen: Blick von Neuallermöhe-West über den S-Bahnhalt Allermöhe auf die Billwerder Wiesen

Foto: IBA / Johannes Arlt

Bergedorf. 150 kritische Bürger kamen bei Anhörung des Stadtentwicklungsausschusses. Opposition: „Es wurde viel Vertrauen verspielt.“

Bergedorf. Fast zwei Stunden prasselte Kritik auf Senatorin Dorothee Stapelfeldt und Bezirksamtsleiter Arne Dornquast (beide SPD) ein: Am Masterplan des künftigen Stadtteils Oberbillwerder ließen 150 Gäste, die auf Einladung der Bürgerschaft zur Patriotischen Gesellschaft in Hamburgs City gereist waren, kaum ein gutes Detail.

Angst vor Blechlawine aus Oberbillwerder

„Als Radfahrerin in Neuallermöhe habe ich schon Angst vor der Blechlawine, die sich von Oberbillwerder durch unseren Stadtteil zur Autobahn ergießen wird“, sagte Annette Vollmer vom Bürgerhaus Allermöhe. Eine wütende Nettelnburgerin wies auf den Realitätsverlust des Senats hin: „Ich frage mich, wann Frau Stapelfeldt das letzte Mal mit der S 21 zur Hauptverkehrszeit nach Hamburg gefahren ist. Da passt schon bei uns kaum noch ein Fahrgast in die Züge. Wie soll das erst eine Station weiter am Bahnhof Allermöhe werden – mit 14.000 zusätzlichen Menschen aus Oberbillwerder?“

Wentorfs Einwohnerzahl auf einem Fünftel der Fläche

Ein Professor der Hochschule HAW wies darauf hin, dass deren seit Wochen diskutierte Umsiedlung von Lohbrügge nach Oberbillwerder in den Gremien der Hochschule noch nie diskutiert, geschweige denn beschlossen worden seien: „Wir gehören in die Nachbarschaft von Gewerbegebieten, wo Ausgründungen möglich sind. Nicht auf eine durchgeplante grüne Wiese, die zudem mehr als die Einwohner von Wentorf auf nicht mal einem Fünftel seiner Fläche zusammenpfercht.“

Nur SPD-Anhänger für Masterplan

Positives zu Oberbillwerder kam nur von SPD-Anhängern. Ein 25-jähriger Genosse erinnerte daran, dass „nur mit mehr Wohnungsbau die für junge Menschen mit 2000 Euro netto im Monat unbezahlbare Durchschnittsmiete in Hamburg von 11,30 Euro je Quadratmeter zu reduzieren ist“. SPD-Bezirksabgeordnete Petra Petersen-Griem warf den Kritikern unter heftigen Buh-Rufen sogar vor, „ihren Kindern und Enkeln eine Wohnung in Hamburg zu verwehren, wenn sie Oberbillwerder verhindern“. Und Kollege Heinz Jarchow betonte: „Auch wenn die negativen Stimmen heute überwiegen – das entspricht nicht der Wirklichkeit.“

„Mit viel Bürgerbeteiligung zu gutem Ergebnis“

Die Bürgerschaft ist in ihrer Einschätzung von Oberbillwerder gespalten, wie abschließende Statements der Ausschuss-Mitglieder zeigten: Die rot-grüne Mehrheit unterstrich die Wichtigkeit des Wohnungsbau, der laut Christel Oldenburg (SPD) „mit viel Bürgerbeteiligung zum guten Ergebnis geführt wird“.

Linke: „Masterplan in keiner Hinsicht tragbar“

Anders die Opposition: „Der Masterplan ist nicht tragbar, ganz egal, ob es um das Wohnen, die Arbeitsplätze oder gar die völlig realitätsferne Verkehrsinfrastruktur geht“, so Stephan Jersch (Linke). Dennis Gladiator (CDU) ergänzte: „Hier ist jegliches Vertrauen in echte Bürgerbeteiligung und sogar Senat und Bezirksamt verloren gegangen.“ Die FDP zeigte sich erstaunt über die viele Kritik und will sie – ebenso wie die AfD – noch abwägen, bevor sich der Senat am 7. November den kritischen Fragen der Bürgerschaft stellen muss.

Nächste Sitzung in Bergedorf?

Der Ort der Sitzung ist noch offen. Die Linken haben einen Termin in Bergedorf beantragt.