Bethesda Krankenhaus

Hebammen helfen zum Lebensstart

Trio von der Säuglingsstation im Bethesda-Krankenhaus: Karin Troge (von links), Carmen Müller und Ilka Rohweder.

Trio von der Säuglingsstation im Bethesda-Krankenhaus: Karin Troge (von links), Carmen Müller und Ilka Rohweder.

Foto: Jan Schubert

Bergedorf. Neues Beratungsangebot im Bethesda Krankenhaus kommt gut an. Genereller Mangel an Hebammen vorhanden.

Bergedorf.  Solche Anrufe hat Karin Troge oft erhalten. „Verzweifelte Frauen haben mir mehrere Hundert Euro angeboten, dass ich ihnen bei und nach der Geburt helfe“, berichtet die leitende Hebamme aus dem Bethesda Krankenhaus. Karin Troge hat immer abgesagt. Weil es aber in Deutschland seit Jahren einen akuten Hebammenmangel gibt und Mütter Probleme haben, überhaupt eine zu finden, hat das Klinikum ein Angebot geschaffen, das Müttern hilft und Babys den Start ins Leben erleichtert.

Mit der „ambulanten Nachsorge nach der Geburt“ bieten Ilka Rohweder (48) und Carmen Müller (62) immer dienstags (10 bis 12 Uhr und 12.30 bis 15 Uhr) eine feste Sprechstunde an. Die beiden Familienhebammen sind viele Jahren im Beruf, beim Verein Sprungbrett fest angestellt und arbeiten nebenbei zusätzlich im Bethesda. In der Sprechstunde beraten sie in Sachen Stillen, Geburtsverletzungen, Säuglingspflege und mehr.

Freiberufler mit hohen Eigenleistungen

Die Nachfrage ist da, zurzeit kommen elf Mütter nacheinander in die „Hebammen-Sprechstunde“. Kein Wunder: In der Bergedorfer Klinik kommen etwa 800 Kinder jährlich zur Welt. 2018 waren es in Deutschland 787.523 Geburten, die Tendenz ist deutlich ansteigend in den vergangenen Jahren (2011: 662.685). Doch insgesamt arbeiten hierzulande nur noch 24.000 Hebammen, diese Tendenz ist weiter rückläufig, denn der Job wird schlecht bezahlt und ist extrem stressig.

Noch komplizierter ist die Lage für freiberufliche Hebammen, die mittlerweile jährliche Versicherungsleistungen für außerklinische Geburtshilfen in Höhe von weit über 8000 Euro aufbringen müssen. Das erschwert ihre Existenz, denn an einer Hausgeburt verdienen sie lediglich 650 Euro brutto: „Da zahlt man drauf“, weiß Ilka Rohweder: „Wer etwas verdienen will, muss sehr viele Geburten vorweisen. Wir brauchen definitiv eine bessere Vergütung.“ Im Verbreitungsgebiet sind zurzeit nur noch 36 freiberufliche Hebammen tätig.

Akademisierung als Idee

Die Bundesregierung will gegensteuern und die Ausbildung zur Hebamme akademisieren. Ab Januar 2020 soll die dreijährige Ausbildung nicht mehr schulisch, sondern über ein duales Studium (sechs bis acht Semester) angeboten werden. Es umfasst theoretische Inhalte wie Frauenheilkunde und Biowissenschaften sowie praktische Elemente, die in Kliniken, bei freiberuflichen Hebammen sowie in Geburtshäusern angeboten werden.

Carmen Müller und Ilka Rohweder wollen aber sofort eine Verbesserung schaffen, denn bis die ersten ausgebildeten Frauen von der Uni kommen, wird es 2024 sein. Die Idee der ambulanten Nachsorge geht auf Carmen Müller zurück: „Wenn man das schon 40 Jahre macht, dann gibt es einfach nichts anderes“ meint sie.

Gutes Gefühl bei neuen Müttern

Anmeldungen unter Telefon (040) 725 54 14 20. Das kostenlose Angebot gilt zunächst nur für Frauen, die im Bethesda ihr Kind zur Welt gebracht haben. „Die Frauen gehen mit gutem Gefühl bei uns raus“, sagt Ilka Rohweder, „wir beheben aber nicht den generellen Hebammenmangel.“