Anonymer Brief

Angst vor Rechtsruck im Kleingartenverein

Rechtsradikale sollen regelmäßig im Kleingartenverein Tatenberg feiern.

Rechtsradikale sollen regelmäßig im Kleingartenverein Tatenberg feiern.

Foto: HA

Tatenberg. Kandidaten für neuen Vereinsvorstand der Anlage „Am Buller“ sind Vereinsmitgliedern offenbar nicht geheuer. Verband beobachtet Wahl.

Tatenberg. Stimmen die Vorwürfe, droht dem Kleingartenverein 620 „Am Buller“ in Tatenberg am morgigen Sonntag ein gefährliches Abdriften nach rechts. Das fürchten besorgte Vereinsmitglieder in einem fünfseitigen anonymen Schreiben an den Landesverband, das unserer Redaktion vorliegt.

Alter Vorstand „aus persönlichen Gründen“ zurückgetreten

Grund der Sorge ist die Mitgliederversammlung, bei der am morgigen Sonntag im Vereinsheim beide Vorsitzenden neu gewählt werden. Der alte Chef Bernd Wiggert ist zurückgetreten – „aus persönlichen Gründen“, wie er unserer Zeitung erklärte. Auch seine Parzelle habe er verkauft. Nachfolgen wollen der bisherige Vize als Vorsitzender und der Kolonie-Obmann des Vereins als Stellvertreter.

Gegenkandidaten trauen sich nicht

Dass es keine Gegenkandidaten gibt, erklären die Briefschreiber mit der Angst unter den Vereinsmitgliedern: Niemand wolle sich gegen das Duo stellen, „um sich selbst nicht zu gefährden“. Seit längerer Zeit schon träfe sich mit Duldung der Kandidaten „eine Gruppe von zehn bis zwanzig Leuten im Kleingarten, die offensichtlich rechter Gesinnung sind“, was Reichskriegsflaggen, Kleidung vom rechten Thor-Steinar-Label und wohl auch Hitlergrüße bei den Feiern belegten. Zudem würden Vereinsmitglieder mit Migrationshintergrund beschimpft.

Sorge vor Eintritt vieler Neonazis

Während der Ex-Vorsitzende Wiggert jegliche rechte Tendenzen seiner Nachfolger bestreitet, fürchten die Briefe-Schreiber, dass ihr Verein unter dem neuen Vorstand zum Hort von Neonazis werde. Neumitglieder könnten aus dem rechtsradikalen Milieu kommen, Gärten gezielt an sie vergeben werden. Eine Sorge, die die Fraktion der Links-Partei in Hamburgs Bürgerschaft teilt. „Was sich in Tatenberg andeutet, ist eine neue Qualität rechtsradikaler Unterwanderung von Vereinsstrukturen. Hier muss der Verfassungsschutz sofort handeln, damit sich solche Strukturen nicht verfestigen“, sagt Bürgerschaftsabgeordneter Stephan Jersch. Er werde dazu in der kommenden Woche eine Anfrage an den Senat stellen.

Landesverband stellt Verein unter Beobachtung

Der Landesverband der Gartenfreunde mag noch keine abschließende Wertung der Vorgänge abgeben. „Aber wir nehmen die Vorwürfe sehr ernst“, sagte der Vorsitzende Dirk Sielmann auf Nachfrage unserer Zeitung. Die Wahl am Sonntag werde von einem Vorstandsmitglied des Verbandes beobachtet. Die Vorstandskandidaten seien bereits mit den Vorwürfen konfrontiert worden, hätten alles abgestritten.

Verfassungsschutz aufmerksam

Hamburgs Verfassungsschutz hält sich noch bedeckt: „Der Verein ist kein Beobachtungsobjekt“, hieß es Freitag. Aber: „Hinweise auf die Entstehung oder Verfestigung etwaiger neuer Strukturen oder Einflussnahmen von Rechtsradikalen in Hamburg werden sehr aufmerksam verfolgt.“