Nach tödlichen Schüssen

Polizei hat Bergedorfs Drogenszene im Visier

Tatort Lohbrügger Markt: Handelte es sich beim tödlichen Streit um Drogengeld auch Bergedorf?

Tatort Lohbrügger Markt: Handelte es sich beim tödlichen Streit um Drogengeld auch Bergedorf?

Foto: Carsten Neff / NEWS & ART

Bergedorf. Polizei glaubt nicht an Zusammenhang der Tat mit Dealern-Geld aus dem Bezirk. Motiv des Täters noch unklar.

Bergedorf. . Gibt es in Bergedorf eine bewaffnete, möglicherweise von Ausländern dominierte Drogenszene, wie in Hamburgs Brennpunkten? Nach den tödlichen Schüssen vom Donnerstag auf dem Lohbrügger Markt, bei denen es mutmaßlich um 5000 Euro Drogenschulden ging, sorgen sich viele Bergedorfer um die Sicherheit im Bezirk. Das Opfern war polnischstämmig, der Schütze Kurde.

76 Handelsdelikte mit Rauschgift in Bergedorf 2018

Auf Nachfrage gibt Polizeisprecher Ulf Wundrack Entwarnung: „Die Betäubungsmittel-Lage im Bezirk ist nicht besonders auffällig. Im Jahr 2018 wurden hier insgesamt 76 Handelsdelikte registriert. In 53 Fällen handelte es sich um deutsche Tatverdächtige. Bei den anderen stellten Syrer mit fünf, Polen und Türken mit je vier Tätern die häufigsten Nationalitäten.“

Keine Schwerkriminellen, eher Kleindealer

Schwerkriminelle sind nach Erkenntnissen der Polizei nicht darunter, eher Kleindealer: „In einer Vielzahl handelt es sich bei den Tätern um junge Erwachsene, teils auch Jugendliche, die in Bergedorf aufgewachsen und in ihrem Stadtteil eng und gut vernetzt sind. Für einige dieser Personen und deren Umfeld ist das Konsumieren von Drogen ein Teil der Freizeitgestaltung geworden, was zu Entwicklung eines untereinander bestehenden Marktes führte.“

In Bergedorf fast nur Cannabis-Konsumenten

Dabei würden gewöhnlich Cannabisprodukte gedealt, nur in Einzelfällen auch Kokain. Eine Verbindung der Bergedorfer Szene mit Hamburger Drogenschwerpunkten wie etwa in St. Georg sei vom zuständigen Landeskriminalamt 6 bisher nicht festgestellt worden. „Weil es sich in Bergedorf fast ausschließlich um Konsumenten von Cannabisprodukten handelt, unterscheidet sich diese Szene grundsätzlich von der in St. Georg“: Dort seien unter den Abhängigen ganz überwiegend harte Drogen im Umlauf, so Polizeisprecher Wundrack.

Keine ausgemachten Drogen-Treffpunkte bekannt

Erkenntnisse zu bevorzugten Treffpunkten von Dealern und Konsumenten im Bezirk Bergedorf habe die Polizei nicht. Wundrack: „In der zurückliegenden Zeit fanden kriminalpolizeiliche Ermittlungen sowohl in Lohbrügge als auch in Bergedorf und Neuallermöhe statt, ohne dass bevorzugte Örtlichkeiten auszumachen gewesen sind.“

Zu Hintergründen und Motiv der Bluttat vom Donnerstag gibt es laut Wundrack noch keine neuen Erkenntnisse.