Grunderwerb stockt

Weg am Schleusengraben bleibt auf Jahre Stückwerk

Viel Wohnungsbau, aber keine Fuß- und Radwegeanbindung ans Bergedorfer Zentrum: Blick aus der Vogelperspektive auf den Schleusengraben (li.) und die an seinen Ufern entstehenden Wohngebiete.

Viel Wohnungsbau, aber keine Fuß- und Radwegeanbindung ans Bergedorfer Zentrum: Blick aus der Vogelperspektive auf den Schleusengraben (li.) und die an seinen Ufern entstehenden Wohngebiete.

Foto: Carsten Neff / NEWS & ART

Bergedorf. Wohngebiete für bis zu 5000 Menschen sind am Schleusengraben „zentrumsnah“ ausgewiesen. Doch in die City fahren sie per Auto.

Bergedorf. . Rund 5000 neue Bergedorfer werden künftig entlang des Schleusengrabens wohnen. Knapp ein Viertel davon lebt bereits im Neubaugebiet Glasbläserhöfe am Weidenbaumsweg, Hunderte weitere ziehen gerade in den Komplex „Am Schilfpark“ hinter dem Autohaus Kath. In gut zwei Jahren werden am gegenüberliegenden Ufer des Schleusengrabens auch die wohl 700 Wohnungen des „Weidensteg“-Viertels fertig.

CDU-Fraktion hat nachgefragt

Doch was als „citynah“ beworben wird, bleibt noch lange weit entfernt von Bergedorfs Zentrum. Denn der Fuß- und Radweg am Schleusengraben-Ufer – schon seit den ersten Überlegungen zur Belebung der Region in einem Stadtplanungsworkshop 2004 vorgesehen – bleibt Stückwerk. Das erfährt Bergedorfs CDU-Fraktion jetzt aus der Antwort des Bezirksamts zum Stand der Planungen.

„Trauriges Beispiel für Bergedorfs Wohnungsbau“

„Ich habe den Eindruck, dass wir bei diesem Thema immer wieder nachfragen müssen, damit sich überhaupt etwas bewegt“, sagt Fraktionschef Sven Noetzel. „Das Ganze ist ein trauriges Beispiel dafür, wie es Bergedorfs Verwaltung schafft, neue Wohnungen zu genehmigen, ohne sich um die wichtigsten Wegeanbindungen zu kümmern. So sind diese Neu-Bergedorfer gezwungen, alles mit dem Auto zu erledigen, statt zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs zu sein.“ Immerhin kündigt das Bezirksamt Bauarbeiten am Fuß- und Radweg an.

Ab Oktober erste Bauarbeiten

So soll das einzige schon vorhandene Stück am Westufer des Schleusengrabens bei den Glasbläserhöfen ab Oktober um 100 Meter nach Süden bis zur Kampbille und nach Norden bis zum Sander Damm am Autohaus Dello verlängert werden. Im Frühjahr 2020 werde dann unter der Sander-Damm- und der Bahn-Brücke nebenan eine Konstruktion gebaut, die den Weg knapp über dem Wasser führt. Den Anschluss an die vorhandene Promenade beim CCB-
Fachmarktzentrum sieht das Bezirksamt ab Herbst 2020 vor.

Verhandlungen mit Opel Dello und anderen laufen

Ob das alles realistisch ist, muss allerdings offen bleiben, wie die weitere Lektüre der dreiseitigen Antwort zeigt. So sei der Grunderwerb beim Autohaus Dello nicht abgeschlossen. Auch die Planungsaktivitäten der Investoren des Stuhlrohrquartiers sowie der entstehenden Glasbläserhöfe II seien bezüglich der Wegeführung noch offen. Ganz zu schweigen vom Weidensteg-Areal. Dort werde noch immer um den Erwerb der nötigen Flächen verhandelt – woran auch der Bau der Schleusengraben-Brücke hängt, die den gerade fertigen „Schilfpark“ am Ostufer erschließen soll.

„Ich fürchte, darauf werden wir auch 2021 noch warten“, sagt Sven Noetzel.