Kein Halt

ICE rauschen weiterhin an Bergedorf vorbei

Auch künftig rauschen die ICE an Bergedorf vorbei.

Auch künftig rauschen die ICE an Bergedorf vorbei.

Foto: Thomas Voigt

Obwohl die Bahn ab 2021 vermehrt zwischen Hamburg und Berlin fahren will, lehnt sich einen CDU-Vorstoß ab.

Bergedorf.  Es könnte eine gute Nachricht sein: Ab 2021 möchte die Deutsche Bahn die Zugverbindung Hamburg–Berlin deutlich stärken und die ICE im Halbstundentakt zwischen Haupt- und Hansestadt fahren lassen. Doch die Bergedorfer, die schon seit Langem einen ICE-Halt in ihrem wachsenden Bezirk fordern, dürfen den schnellen Zügen auch weiterhin nur beim Vorbeibrausen zusehen: Ein Vorschlag des CDU-Bürgerschaftsabgeordneten Dennis Gladiator, im Zuge des Fahrplanwechsels auch einen Bergedorfer ICE-Halt einzuführen, wurde jetzt von der Bahn abgeschmettert.

Ein EC morgens, ein EC abends: Mit Fernzügen sind die Bergedorfer schlecht versorgt. Wer Richtung Berlin möchte, muss meist erst mit der S-Bahn zurück zum Hauptbahnhof.

350.000 potenzielle Bahnkunden

Das sei nicht mehr zeitgemäß, machte Gladiator jetzt in seinem Schreiben an die Bahn deutlich: „Schon jetzt wohnen im Einzugsgebiet des Bergedorfer Bahnhofs circa 350.000 potenzielle Bahnkunden“, stellte er fest – und der Bezirk wachse in etlichen Wohngebieten immer weiter. Zudem gebe es große Unternehmen wie das Unfallkrankenhaus Boberg und die Hauni. Manche Städte mit ICE-Halt seien deutlich kleiner als Bergedorf, so Gladiator – und nennt Beispiele wie Würzburg oder Lüneburg.

Doch die Bahn bleibt stur. „Da die deutliche Mehrheit der Fahrgäste zwischen Hamburg und Berlin schnelle Verbindungen bevorzugt, ist derzeit keine Ausweitung von Halten in Bergedorf vorgesehen“, heißt es in der Antwort. Zusätzliche Halte seien „betriebstechnisch nicht darstellbar“, ohne andere Anschlüsse zu gefährden. Das wiederum sei gegen das Interesse der „Reisendenmehrheit“. Hauptsächlich solle ja die steigende Nachfrage zwischen den Städten bedient werden. Und Bergedorf habe überdies „schnelle und eng getaktete“ Nah­verkehranbindungen wie die S-Bahn.

Fast schon „Zynismus“

Für Dennis Gladiator klingt das angesichts häufiger Ausfälle und Verspätungen der
S-Bahn wie Hohn: „Wenn es wenigstens einen pünktlichen Nahverkehr gäbe“, sagt er. Wer einen Zug am Hauptbahnhof rechtzeitig erwischen wolle, müsse dafür mindestens eine halbe Stunde länger einplanen. So sei die
Bahn-Antwort schon fast „Zynismus“. Auch das Argument der fehlenden Nachfrage lässt Gladiator nicht gelten. Wo es kein Angebot gebe, könne logischerweise auch keine Nachfrage sein.

Ebensowenig sind Probleme bei den Anschlüssen für ihn ein Argument. „Ich sage ja gar nicht, dass jeder ICE hier halten muss. Einer würde schon reichen.“ Und der könne dann, um Zeit zu sparen, vielleicht den Halt in Berlin-Spandau sparen.